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Wird er der Nachfolger von Matthias Sammer (r.)? Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg © imago

Nach dem Abgang des Sportdirektors hat der DFB noch keinen Nachfolger im Blick: Prominente Namen erscheinen unrealistisch.

Von Christian Paschwitz

München - Matthias Sammers Abgang als neuer Sport-Chef zum FC Bayern bewegt Fußball-Deutschland (Bericht) - und hinterlässt ein Riesenloch beim Deutschen Fußball-Bund.

"Nur schweren Herzens" lässt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach seinen Sportdirektor ziehen, in desen Amtszeit die EM-Titel gleich dreier Nachwuchs-Nationalmannschaften fielen (U 17, U 19 und U 21).

Nach mehr als sechsjähriger Amtszeit hinterlässt Sammer zwar ein bestelltes Feld, stürzt den Verband aber in eine Personal-Debatte, auf die der gern verzichtet hätte.

Auch, weil sie nun eine Aufarbeitung des EM-Scheiterns der Nationalmannschaft überlagert.

"Sammer hinterlässt große Fußstapfen"

"Wir hatten in Matthias Sammer einen sehr guten Mann, er hinterlässt große Fußstapfen. Am besten wäre es, die Kopiermaschine anzuwerfen und eine Kopie zu ziehen", sagt Hans-Dieter Drewitz.

Dem für den Jugendfußball zuständigen DFB-Vizepräsidenten war klar, "dass ein Mann seiner Qualität nicht beim DFB die Rente mit 67 antreten wird".

Eine schnelle Alternative zu dem 44-Jährigen hat der Verband dennoch nicht.

"Nicht krampfhaft und eilig suchen"

"Über Namen wurde noch nicht gesprochen. Dafür ist alles noch zu frisch. Man muss ja auch nicht krampfhaft und eilig suchen", räumte Drewitz ein.

Am liebsten wäre dem DFB wieder ein Großer des deutschen Fußballs, ein Aushängeschild wie Sammer (Europameister, Champions-League-Sieger, viermal deutscher Meister).

Doch wer kommt dafür überhaupt realistisch infrage? Welche Qualitäten sollte der Nachfolger mitbringen? Eine SPORT1-Analyse.

EXTERNE LÖSUNG:

Als Nachfolger gehandelt werden derzeit Oliver Kahn und Stefan Effenberg.

[kaltura id="0_ozmt3u4q" class="full_size" title="Sammer Verpflichtung berrascht alle"]

Die Ex-Bayern-Kapitäne und Champions-League-Sieger ziehen noch immer Profil aus ihrer Sieger-Mentalität früherer Tage.

Effenberg, den Sammer unlängst schon für einen Job beim DFB ins Spiel gebracht hatte, wäre sicherlich ebenso streitbar wie Sammer.

Effenberg und Kahn zu unerfahren

Eine Befähigung für eine Position der Kategorie DFB-Sportdirektor bringt "Effe" aber nicht mit.

Der 44-Jährige weist weder Erfahrung als Trainer noch in anderer Funktion jenseits des Rasens auf.

Kahn, zuletzt TV-Experte, qualifiziert neben seiner sportlichen Vita zumindest ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium, mit dem er den Beweis erbrachte, strukturiert arbeiten zu können.

Ein Greenhorn für den Job als Sammer-Nachfolger ist aber auch er wie der ebenfalls genannte Jens Lehmann.

Und der vor Sammers Inthronisierung favorisierte Berti Vogts dürfte kaum mehr mehrheitsfähig sein.

INTERNE LÖSUNG I:

Oliver Bierhoff brächte alles mit, bekommt aber für einen internen Wechsel einen Regel vorgeschoben.

DFB-Präsident Niersbach betont, dass es auch künftig einen Nationalmannschafts-Manager geben werde - und setzt dabei weiter auf Bierhoff.

"Einen Manager braucht die Nationalmannschaft auf jeden Fall. Das zusätzliche Management kann man nicht mehr vom Bundestrainer erwarten", sagte der Verbandsboss der "Sport-Bild":

"Dies ist der Job von Bierhoff, der Löw auch ganz wesentlich bei der Öffentlichkeitsarbeit entlastet."

Bedeutet aber auch: Eine Kompetenzerweiterung um Sammers Arbeitsgebiet ist ausgeschlossen.

INTERNE LÖSUNG II:

Für Drewitz ist eine interne Verbandslösung zwar nicht zwingend, die von ihm eingeforderte "Kompetenz nach innen und nach außen" verkörpern aber besonders die bereits im Verband arbeitenden Steffen Freund und Christian Ziege.

Freund betreut seit Jahren deutsche Nachwuchs-Auswahlen und führte 2011 die U 17 ins EM-Endspiel.

Freund, Ziege und Wormuth im DFB integriert

Ziege wiederum, für die U 18 verantwortlich, kann neben seiner Trainer-Tätigkeit vorweisen, als Gladbacher Sportdirektor nach dem Bundesliga-Abstieg 2007 eine komplett neue Mannschaft zusammengestellt zu haben, die dann auch direkt wieder aufstieg.

Ein weiterer Kandidat ist DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth.

Auf die SPORT1-Frage, ob er sich die Tätigkeit als DFB-Sportdirektor vorstellen könne, entgegnete er: "Das müssen sie die fragen, die mich ins Gespräch gebracht haben, warum sie es sich vorstellen können."

"Ich kann dazu nichts sagen. Mich hat noch niemand angesprochen. Ich gehe voll in meiner Arbeit auf", sagte der Löw-Vertraute außerdem.

GEGENPOL ZU LÖW:

Sammers Nachfolger mussn zudem ein Gegenwicht zur Nationalmannschaft bilden, dass dem Verbandspräsidium nach Sammers Abgang fehlt.

Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder Spannungen zwischen Sammer sowie Löw und Bierhoff gegeben hatte, schätzt Niersbach die Arbeit Sammers hoch ein:

"Mit seiner Beharrlichkeit und Ungeduld kann er einem auf positive und konstruktive Weise auf die Nerven gehen. Aber genau so etwas brauchen wir beim DFB."

Kein Schatten-Bundestrainer mehr da

Nach Sammer sind kontroverse und fruchtbare Diskussionen nun aber vorerst vorbei. Verschwunden ist auch das Machtinstrument des Schatten-Bundestrainers.

Und das Problem der DFB-Spitze ist dadurch nicht eben kleiner geworden:

Einerseits wird ein Sammer-Klon gesucht, andererseits soll der durch die Kritik am EM-Aus ohnehin angefressene Löw nicht durch einen zu mächtigen Gegenspieler vergrault werden.

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