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Robin Dutt (r., mit Fritz Keller) war von 2007 bis 2011 Trainer des SC Freiburg © getty

Erst Löw, nun Dutt: Immer mehr Ex-Freiburger prägen den DFB. SC-Präsident Fritz Keller spricht bei SPORT1 über das Phänomen.

Von Martin Hoffmann

München - Von Bayern München und Borussia Dortmund kommen die Spieler, die dem deutschen Fußball ihren Stempel aufdrücken.

An den Schalthebeln der Macht sitzen aber immer mehr Männer, die von einem ganz anderen Verein geprägt sind: dem SC Freiburg.

Bundestrainer Joachim Löw kommt aus der Region Freiburg und hat lange Jahre für den SC gespielt.

Frank Wormuth, sein ehemaliger Freiburger Teamkollege, bildet an der Hennes-Weisweiler-Akademie des DFB die Fußballlehrer der Zukunft aus.

Und nun tritt Robin Dutt, der ehemalige Trainer der Breisgauer, die Nachfolge von Matthias Sammer als DFB-Sportdirektor an (Bericht).

Ein Zufall? Fritz Keller, der Präsident des SC, spricht im SPORT1-Interview über den Trend zum Freiburger, darüber, was der deutsche Fußball vom Modell Breisgau lernen kann - und über die echten und vermeintlichen Unterschiede zwischen Dutt und Sammer.

SPORT1: Herr Keller, was sagen Sie zur Berufung von Robin Dutt zum DFB-Sportdirektor?

Fritz Keller: Er ist eine sehr gute Wahl für diese Position. Robin Dutt hat bei uns hervorragende Arbeit geleistet, er ist einer der Väter des Erfolgs, den wir jetzt haben. Er hat den Nachwuchs und die Profi-Abteilung miteinander verbunden - eine entscheidende Grundlage.

[kaltura id="0_dm8psp0d" class="full_size" title="Der neue DFB Sportdirektor Robin Dutt"]

SPORT1: Bundestrainer Joachim Löw ist ehemaliger Freiburger Spieler. Frank Wormuth, der DFB-Trainerausbilder auch. Nun ist Robin Dutt Sportdirektor. Ist die Freiburgisierung des deutschen Fußballs in vollem Gange?

Keller: Ach naja: Es ist ja schon ein paar Tage her, dass der Jogi bei uns gespielt hat. Er war beim VfB, in der Türkei und an lauter anderen Orten in Europa. Und auch Robin Dutt war ja nach uns bei Leverkusen. Ich weiß also nicht, ob man das so nennen kann. Aber wir freuen uns natürlich, wenn Freiburger für wichtige Positionen berufen werden. Es hat vielleicht damit zu tun, dass man bei uns mit unseren einfachen Möglichkeiten mehr leisten muss, um Erfolg zu haben.

SPORT1: Anders als bei den meisten anderen Profiklubs ist man in Freiburg nicht zu schnellem Erfolg verdammt, das langfristige Entwickeln ist die Kernaufgabe. Ist es auch das, was ehemalige Freiburger für den DFB interessant macht?

Keller: Wir machen bei uns unser Ding, wir wirtschaften nachhaltig und legen auch Wert darauf Trainer auszubilden - so wie Christian Streich, der seine Anfänge in unserer Fußballschule hatte. Wir versuchen langfristig zu denken. Das hilft vielleicht tatsächlich.

SPORT1: Welche Schwerpunkte wird Robin Dutt beim DFB setzen?

Keller: Das kann ich nicht sagen, aber was ich weiß ist, dass er ein hervorragender Teamplayer ist. Und ich glaube, wenn man heute etwas erreichen will, dann geht es im Team, dann geht es darum, viele gute Leute zu haben. Und für eine Position, die für den deutschen Nachwuchs so wichtig ist, ist ein workaholischer Teamplayer wie Robin Dutt genau richtig. Einer, der den Schwerpunkt auf die eigentliche Arbeit legt und für den die Öffentlichkeitsarbeit nur an zweiter Stelle steht.

SPORT1: Nun stand Matthias Sammer aber nicht nur dafür, alle reden von der produktiven Reibung, die er erzeugt hat. Und nicht jeder glaubt, dass einer wie Robin Dutt der Typ dafür ist.

Keller: Da kann ich Ihnen voll widersprechen. Robin Dutt hat bei uns viel bewegt, umgestellt und neue Ziele gesetzt. Die Frage ist nur, ob ich so was öffentlich mache oder intern mache und was ich für effektiver halte. Robin Dutt hat genaue Vorstellungen und Überzeugungen. Reibung ist sehr, sehr wichtig, keine Frage - aber letztendlich kommt es auf das gemeinsame Erreichen eines Ziels an.

SPORT1: Haben Sie nun eigentlich auch Angst, dass der DFB demnächst noch bei Christian Streich anklopft?

Keller: (lacht) Da wird er auf Beton beißen - so zufrieden wie der bei uns ist.

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