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Oliver Bierhoff (l., mit Löw und Köpke) ist seit 2004 Teammanager beim DFB © getty

Die Nationalelf peilt den 500. Erfolg in der Länderspiel-Geschichte an. Gegen Faröer wird eine andere Spielphilosphe getestet.

Barsinghausen - Was wie ein Blick von oben herab wirkte, war wohl mehr als visionäre Vorschau in die Zukunft gedacht.

Als Joachim Löw auf den Balkon seines zweigeschössigen Luxuslofts trat und das Eintreffen seiner Spieler in der Sportschule Barsinghausen beobachtete, hatte für den Bundestrainer die knapp zweijährige WM-Reise aus der niedersächsischen Provinz nach Brasilien endgültig begonnen. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Die EM-Halbfinalniederlage gegen Italien, die öffentliche Kritik an seinen taktischen Vorgaben - Löw hat sie verarbeitet.

Und ist vor dem ersten WM-Qualifkationsspiel am Freitag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) in Hannover gegen Färöer die Lockerheit in Person.

Ganz entspannt überzog er seinen selbst angeordneten Zapfenstreich bei der Anreise um mehr als eine halbe Stunde und begrüßte betont herzlich seine Schützlinge, die teilweise sogar noch nach ihm im Teamquartier eintrafen.

WM-Endrunde noch nicht im Kopf

"Wir können hier ein paar Tage länger als sonst zusammenarbeiten. Das ist gut für den weiteren Weg, den wir gemeinsam bestreiten wollen", sagte der Coach, für den die WM 2014 im Land des Rekord-Weltmeisters bei aller konzentrierter Vorbereitung aber recht weit weg ist - noch:

"So richtig ist Brasilien noch nicht in meinem Kopf." Aber der erste Schritt dorthin soll ein Sieg gegen den politisch zu Dänemark gehörenden krassen Außenseiter sein.

"Färöer ist aber kein Kanonenfutter. Diese Mannschaft hat fast immer verloren, aber auch sehr oft nur knapp", erinnert sich "Jogi".

Vor zehn Jahren mühten sich die Gastgeber an gleicher Stelle gegen die Insel-Fußballer zu einem mageren 2:1-Erfolg.

Kroos und Schmelzer pausieren

Beim ersten Training mussten Toni Kroos und Marcel Schmelzer aussetzen. Der Mittelfeldspieler von Rekordmeister Bayern München laboriert an einer leichten Beckenprellung und stieg am Dienstagabend nur auf das Fahrrad-Ergometer.

Am Mittwoch soll Kroos aber wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Dortmunder Schmelzer wird von einem leichten Infekt geplagt und drehte nur einige Runden um den Platz.

[kaltura id="0_vk1hsbdt" class="full_size" title="Über die Provinz nach Brasilien"]

Hohe Erwartungshaltung

Unabhängig davon soll und darf der 500. Sieg einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft durchaus höher ausfallen.

"Jeder erwartet, dass wir uns als Gruppen-Erster direkt für die WM qualifizieren. Bei unserer Qualität auch zu Recht", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der "froh ist, dass es jetzt wieder ernst wird."

Relativ, denn "Färöer ist schon ein guter Auftaktgegner".

Wohl auch, um die neuen taktischen Überlegungen, die Löw nach der EM-Enttäuschung vorschweben, einem ersten moderaten Belastungstest zu unterziehen.

Der 52-Jährige wird seit Tagen nicht müde, schnelle, wendige und flexible Spieler zu idealisieren.

Nach seiner Ankunft in Barsinghausen legte er diesbezüglich noch einmal nach: "Fußball-intelligente Spielertypen werden immer wichtiger werden."

Kick-Kultur a la Reus und Co.

Also eine Kick-Kultur, wie sie die Dortmunder Marco Reus und Mario Götze, aber natürlich auch Mesut Ozil bei Real Madrid pflegen.

Löws Neuausrichtung könnte dazu beitragen, noch mehr aus seiner Truppe herauszukitzeln.

"Irgendetwas hat gefehlt bei der EM. Jetzt gilt es eben, die letzten Prozentpunkte herauszuholen", äußerte Bierhoff.

Diese Einsicht verbindet ihn mit den Spielern, die 2014 mit aller Macht den ganz großen Erfolg anpeilen.

"Der letzte Schritt fehlt"

"Immer noch fehlt der entscheidende Schritt - der Titel", formulierte Per Mertesacker.

Der Innenverteidiger hat zwar seit der EM seinen Stammplatz an den Dortmunder Mats Hummels verloren, will sich aber gerade in seiner alten Heimat zumindest im Training für ein Comeback in der Startelf aufdrängen.

Mertesacker nicht abgeschrieben

Und weder bei Löw noch bei Bierhoff ist der ehemalige Bremer, aktuell in der englischen Premier League beim FC Arsenal unter Vertrag, abgeschrieben.

"Häufig werden ja großgewachsene Spieler wegen ihrer Spielweise ungerechterweise kritisiert. Per hat sich bei der WM trotz seiner Enttäuschung großartig verhalten. Vielleicht für ihn sogar eine positive Erfahrung", sagte Bierhoff.

Ganz soweit wollte der Niedersachse dann aber doch nicht gehen. Er räumte ein, während der EM einen eher schmerzhaften Lernprozess durchlaufen zu haben:

"Jetzt weiß man, wie sich andere Spieler gefühlt haben, wenn sie nicht erste Wahl waren."

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