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Marco Reus (2.v.l.) wechselte im Sommer von Mönchengladbach nach Dortmund © getty

Beim Duselsieg in Österreich zeigt die DFB-Elf Schwächen. Trotz der Freude über die Punkte muss vieles besser werden.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien - Nicht gut gespielt, aber Hauptsache drei Punkte mitgenommen, so lautete der Tenor nach dem glücklichen 2:1 der deutschen Nationalmannschaft in Österreich (Spielbericht) (611023DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Wir haben das Spiel hier gewonnen, auswärts, haben sechs Punkte, das ist für mich erfreulich", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

"Wir haben uns durch viele Ballverluste in Schwierigkeiten gebracht und zum Schluss einfach Glück gehabt, dass nicht das 2:2 fällt", analysierte Löw weiter.

Philipp Lahm zeigte sich mit dem Ergebnis und der Punktausbeute "sehr zufrieden", betonte aber auch: "Mit der Art und Weise kann man natürlich nicht zufrieden sein. Wir haben höhere Ansprüche."

Das DFB-Team hat mit den Siegen gegen die Färöer (3:0) und in Österreich hat die maximale Punktzahl aus den ersten beiden Spielen der Qualifikation geholt und einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur WM in Brasilien gemacht. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Überzeugt hat sie dabei allerdings nicht.

In allen Bereichen besser werden

"Wir wissen, dass wir uns in einigen Bereichen verbessern müssen. Wenn wir 2:1 führen, müssen wir in der Lage sein, den Ball zu behaupten. Wir haben die Österreicher immer wieder ins Spiel gebracht", erklärte Löw.

Die Partie erinnerte an den ebenfalls glücklichen 2:1-Sieg in der EM-Qualifikation an gleicher Stelle, nur spielte Österreich am Dienstagabend noch besser als im Juni 2011 - und Deutschland noch schlechter.

Besonders in der Abwehr und im Spielaufbau leistete sich Löws Mannschaft mehrere schwere Patzer und hatte Glück, nicht früh in Rückstand zu geraten.

"Wir hatten in der ersten Halbzeit einige Fehlpässe gehabt, die nicht passieren dürfen", zeigte sich Mats Hummels selbstkritisch.

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Aggressiv auftrumpfende Gastgeber

Mit einem schlimmen Fehlpass in der Vorwärtsbewegung hatte der Dortmunder schon nach vier Minuten die erste Großchance der offensiv und aggressiv auftrumpfenden Gastgeber eingeleitet.

Holger Badstuber bügelte Hummels? Fehler wieder aus und blockte den frei auf das deutsche Tor zulaufenden Martin Harnik im letzten Moment beim Schuss.

"Österreich hat sehr gut gepresst, es war nicht einfach", meinte Badstuber. "Wenn man Druck bekommt, will man das Spiel schnell machen und dann geht der eine oder andere Ball verloren", erklärte der Münchner.

Löws Mannschaft gelang es nicht, das Spiel zu beruhigen und so den Schwung der Österreicher abzufangen.

Schwächen in der Defensive

Die Abwehr zeigte Schwächen im Aufbau und in der Raumaufteilung, besonders Marcel Schmelzer machte eine unglückliche Figur.

Der Dortmunder, der gegen die Färöer wegen einer Fußprellung nicht spielen konnte, hatte größte Probleme mit Österreichs Angreifern und wirkte in einigen Situationen desorientiert.

Besser machte es Toni Kroos, der wie Schmelzer in die Mannschaft gerückt war. Der Münchner überzeugte mit kämpferischem Einsatz und mehreren schönen Pässen. 611039(DIASHOW: Die DFB-Einzelkritik)

Kroos neben Khedira

Löw hatte wie erwartet Kroos als defensivere Variante an der Seite von Sami Khedira im zentralen Mittelfeld aufgeboten und Mario Götze auf die Bank gesetzt.

Es leg jedoch nicht an Götzes Fehlen, dass in der deutschen Offensive, abgesehen von einer Chance von Thomas Müller nach zehn Minuten, in der ersten Halbzeit kaum etwas zusammenlief.

Özil tut sich schwer, Klose mit Stockfehler

Mesut Özil tat sich gegen das körperbetonte Spiel der Österreicher schwer, Miroslav Klose kämpfte zwar, leistete sich aber einige Stockfehler und auch von Marco Reus war wenig zu sehen.

Die Führung durch den Dortmunder kurz vor der Pause fiel wie aus dem Nichts und war mehr als schmeichelhaft.

Aber sie zeigte Wirkung beim Gegner. Österreich wirkte geschockt.

Deutschland, mittlerweile mit Götze für den angeschlagenen Reus, gewann leicht die Oberhand und nachdem Kavlak im Strafraum Müller zu Boden gerammt hatte, verwandelte Özil den Strafstoß sicher (52.).

Wer gedacht hatte, das Spiel sei gelaufen, sah sich getäuscht. Fünf Minuten später patzten zuerst Schmelzer und Götze gegen Arnautovic, dann ließen Badstuber und Lahm den Torschützen Zlatko Junuzovic zum Schuss kommen.

"Österreicher mit unseren Fehlern eingeladen"

"In der zweiten Halbzeit war es besser, aber wir hätten natürlich nach dem 2:0 ganz anders kontrollieren und dominieren müssen", kritisierte Löw. "Wir haben die Österreich mit unseren Fehlern eingeladen", meinte Müller.

Lahm, der Gelb sah und beim nächsten Spiel in Irland im Oktober gesperrt ist, ermöglichte dem ÖFB-Team mit einem zu kurzen Rückpass eine weitere Großchance.

Doch Guido Burgstaller nahm das Geschenk des Münchners nicht an und ließ sich den Ball von Neuer vom Fuß nehmen.

In der 88. Minute hatte Arnautovic das 2:2 auf dem Fuß, aber die Kugel versprang ihm und er setzte den Ball neben das Tor.

"Wir hatten kurz vor Schluss Glück", gab Müller zu, "aber die Mannschaft hat sich den Sieg erarbeitet. Das nehme ich gerne mit."

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