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Joachim Löw übernahm die DFB-Auswahl nach der WM 2006 von Jürgen Klinsmann © getty

Das 2:1 in Österreich zeigte die Schwachstellen des DFB-Teams in aller Deutlichkeit. SPORT1 zählt auf, was besser werden muss.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien - Fehler in der Abwehr und im Spielaufbau, Hektik im Mittelfeld und auf einigen Positionen nicht stark genug besetzt.

Die Mängelliste im Spiel der deutschen Nationalmannschaft ist lang, die Schwächen wurden beim 2:1-Sieg in Österreich (Nachbericht) aufgedeckt.

Zwar blieb die DFB-Auswahl zum 37. Mal in der WM-Qualifikation auswärts ungeschlagen und ist mit sechs Punkten Tabellenführer in der Gruppe C, doch sich damit zufriedenzugeben, wäre fatal (DATENCENTER: WM-Qualifikation) .

"Es gibt viele Dinge, die nicht so gut waren und die man ansprechen muss", meinte Thomas Müller selbstkritisch (611023DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Wir müssen schauen, was wir noch verbessern können. Das ist ganz wichtig. Da hat die Europameisterschaft ein bisschen was gezeigt, auch jetzt die zwei Spiele", ergänzte Toni Kroos.

Der Weg nach Brasilien wird steiniger als zunächst erwartet, Bundestrainer Joachim Löw steht zweieinhalb Monate nach dem EM-Halbfinal-Aus gegen Italien noch viel Arbeit bevor.

"Durchschnittlich zu spielen, reicht nicht, weil wir den Anspruch haben, international top zu sein", sagte Löw und schickte damit nicht nur eine Warnung an Marcel Schmelzer, der in Wien offensichtlich überfordert war.

Doch die Position des Linksverteidigers ist nur eine von Löws Baustellen. SPORT1 zählt die Probleme der DFB-Auswahl auf 611039(DIASHOW: Die DFB-Einzelkritik) .

Linksverteidiger

Marcel Schmelzer bekam von Löw eine Einsatzgarantie für die ersten Qualifikationsspiele. Gegen die Färöer fehlte er verletzungsbedingt, in Österreich war er der Schwachpunkt der deutschen Elf und muss um seinen Platz fürchten.

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Beim 1:2 durch Zlatko Junuzovic (57.) dürfe der Dortmunder "den Fehler nicht begehen. Da gibt es normalerweise kein Durchkommen. Außerdem wurde ihm einige Male der Ball in den Rücken gespielt", sagte Löw.

"Es hat nicht ganz geklappt, aber ich gebe deswegen nicht auf", meinte Schmelzer.

Innenverteidiger Holger Badstuber, der Schmelzer gegen die Färöer ersetzte, ist nur die Notbesetzung links in der Abwehrkette.

Mangels Alternativen setzt Löw auf das Prinzip Hoffnung: Man werde "weiter mit Marcel Schmelzer arbeiten und hoffen, dass er sich auf diesem internationalen Niveau weiterentwickelt".

Spielaufbau

Die deutsche Mannschaft ließ sich vom energischen Beginn der Österreicher beeindrucken und machte Fehler im Spiel nach vorn.

Mats Hummels' Fehlpass nach vier Minuten blieb nur ohne Folgen, weil Badstuber den Patzer seines Nebenmannes ausbügelte.

[kaltura id="0_n3brqabl" class="full_size" title="Österreich "erdrückt" Deutschland"]

Auch Badstuber und Philipp Lahm leisteten sich Fehler, die von den Österreichern allerdings nicht bestraft wurden.

"Wir haben nicht so gut von hinten herausgespielt. Mats Hummels und Holger Badstuber hatten einige Abspielfehler, das hat uns etwas verunsichert. Deshalb haben wir einige lange Bälle geschlagen, was unserem Spiel aber nicht entspricht", erklärte Löw.

"Wir haben keine Lösung gefunden, haben schlecht hinten raus gespielt und hatten eine schlechte Raumaufteilung", fasste Lahm zusammen. Der Kapitän machte eins seiner schwächsten Länderspiele, sah Gelb und ist für das nächste Spiel in Irland am 12. Oktober gesperrt.

Fehlende Ruhe

Anstatt gegen die aggressiven und stürmischen Österreicher das Tempo aus dem Spiel zu nehmen, reagierte die deutsche Mannschaft hektisch.

"Wir hatten zu viele Ballverluste im Aufbau. Und wenn wir mal nach vorne gekommen sind, waren auch da die Bälle zu schnell wieder weg", sagte Kroos, dem es ebenso wenig gelang, Stabilität ins deutsche Spiel zu bringen wie seinem Nebenmann Sami Khedira.

"Wir wussten natürlich, dass Österreich Druck machen wird. Aber wir müssen in der Lage sein, so etwas auszubalancieren. Zur Not muss dann auch einmal ein langer Ball her", meinte Kroos.

Nach dem 2:0 hätte sein Team "das Spiel viel besser dominieren und in Ruhe beenden müssen", erklärte Löw und ergänzte: "Durch unsere Fehler haben wir uns selber in Bedrängnis gebracht."

Zu wenig Training

Auch die Vorgabe, mit mehr Pressing spielen zu wollen, wurde nicht umgesetzt.

"Wir wollten Pressing diesmal nur situativ spielen, um uns Raum nach vorne zu lassen", erklärte Löw.

Um dies über 90 Minuten durchzuziehen, reiche eine Woche Training nicht aus. "Da müssen wir Monate darauf hinarbeiten. Das müssen die Spieler besser lernen und beherrschen."

Chancenverwertung

In Österreich der einzige positive Aspekt: Aus drei Chancen machte das DFB-Team zwei Tore. Gegen die Färöer vergaben die deutschen Spieler aber viel zu viele Chancen.

In beiden Spielen agierte Miroslav Klose als einzige echte Spitze glücklos und wirkte phasenweise unkonzentriert. Neben Klose und Mario Gomez hat Löw keinen weiteren Mittelstürmer. Lukas Podolski blieb in dieser Rolle als Einwechselspieler in beiden Partien vollkommen wirkungslos.

Standards

Durch Freistöße und Ecken fallen einfach keine Tore. Eine Baustelle, die Löw seit langem vor sich her schiebt.

Es gibt viel zu tun, aber man dürfe jetzt "nicht unruhig werden", meinte Badstuber und forderte: "Nicht so viel erzählen, sondern unsere Arbeit machen."

Und Arbeit gibt es reichlich.

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