Lehmann: WM 2014 Löws letzte Chance
Von Hardy Heuer
München - Die deutsche Nationalmannschaft wartet seit dem Erfolg bei der EM 1996 auf einen großen Titel.
Bei den vergangenen vier Turnieren war die DFB-Elf immer nah dran, am Ende reichte es aber nicht. ( BERICHT: Löw räumt Defizite ein)
Auch Jens Lehmann war der große Coup in seiner Zeit als Nationaltorhüter nicht vergönnt.
"Die deutsche Nationalmannschaft spielt derzeit einen fantastischen Fußball und sie kann die Zuschauer wirklich begeistern. Leider können wir seit einigen Jahren nicht mehr gewinnen", analysierte Jens Lehmann im Rahmen eines Laureus-Benefizspiels in Dresden die deutsche Durststrecke.
Siegergen fehlt
Dem DFB-Team fehle das Siegergen, stellt Lehmann fest.
Dem früheren Schalke - und Dortmund-Keeper ist aufgefallen, dass "Deutschland die Mentalität hatte, zu wissen, dass wir schlecht spielen können, aber dennoch gewinnen werden. Diese Stärke ist irgendwie verloren gegangen."
Brasilien als letzte Chance
Bei der WM 2014 muss aber genau diese Stärke wieder zurückkehren, will sich das DFB-Team für seine stetige Entwicklung endlich belohnen.
Bundestrainer Joachim Löw hält Lehmann dabei nach wie vor für den geeigneten Mann: "Wir haben mit Joachim Löw einen guten Coach".
Gleichzeitig setzt er ihn aber auch unter Druck: "Ich denke, er wird 2014 seinen letzten Versuch haben, einen Titel zu gewinnen. Falls das nicht gelingt, wird es wohl einige Veränderungen geben."
Hoffnungen auf den Triumph in Brasilien macht sich Lehmann aber keine allzu Großen: "Es wird schwer werden", ist er sich sicher.
Taktische Schwächen bei Löw-Elf
Die Ursache hat er schnell ausgemacht.
"Derzeit ist Spanien unglaublich gut. Wären die Spanier nicht gewesen, hätten wir wohl die EM oder die WM gewonnen", betonte Lehmann und macht taktische Schwächen bei der DFB-Elf aus: "Meiner Meinung nach fehlt es den Deutschen etwas an Taktik. Wir haben viele gute Fußballer, also kümmern wir uns nicht allzu viel um Taktik."
Die "Azzurri" seien Deutschland einen Schritt voraus:
"Italien hat nicht so viele gute Spieler wie wir, sind aber taktisch besser und haben daher das EM-Finale erreicht - und nicht wir."
Trainer müssen ins Ausland
Die mangelnden taktischen Finessen hänge aber auch mit der Ausbildung der deutschen Trainer zusammen.
"Wenn man die großen europäischen Klubs betrachtet, fällt auf, dass kein Trainer aus Deutschland kommt. Die deutschen Trainer bleiben alle in der Bundesliga. Daran muss in Zukunft gearbeitet werden", forderte der 61-fache Nationalspieler.
Löw baut um
Löw versuchte nach der EM aber bereits ein paar Dinge in seiner Mannschaft zu verändern und krempelte sein Team ein wenig um.
Leidtragender ist Lukas Podolski, der sich bei den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen auf der Bank wieder fand. ( DATENCENTER: WM-Qualifikation)
Podolski blüht bei Arsenal auf
Dabei kommt er bei seinem neuen Klub Arsenal London immer mehr in Fahrt.
Mit seinen beiden Treffern in der Premier League und einem Tor in der Champions League spielte sich der 103-fache Nationalspieler schnell in die Herzen der Fans.
"Lukas Podolski ist bei Arsenal nicht so gut gestartet, er kommt jetzt aber so langsam und das ist auch gut so", lobte ihn Lehmann bei SPORT1, mahnte aber zugleich:
"Die Leute erwarten viel von ihm und deswegen kann er sich nicht darauf ausruhen, dass er drei Tore geschossen hat. Das ist zwar sehr gut, aber ausruhen würde ich mich an seiner Stelle nicht." Darüber macht sich Lehmann allerdings keine Sorgen: "Das weiß Podolski aber auch."