Holtby: "Jeder weiß, worum es geht"
Von Thorsten Langenbahn
Gelsenkirchen - Lewis Holtby ist der neue Raul: Auf Schalke hat der 22-Jährige die Rolle des Spielmachers angenommen und füllt sie immer mehr aus.
Beim 3:0 gegen Wolfsburg führte der offensive Mittelfeldspieler die Königsblauen zum 3:0, auch wenn er selber nicht zu den Torschützen zählte ( Bericht).
"Wir sind mit einem breiten Lächeln in die internationale Woche gegangen", sagt Holtby über den vierten Saisonsieg.
Am Freitag in Leverkusen und am Dienstag in Luzern will er die deutsche U 21 in den Playoffs zur EM-Endrunde 2013 in Israel führen.
"Ich freue mich wahnsinnig auf die beiden Länderspiele. In den beiden wichtigen Spielen gegen die Schweiz (Fr. ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) geht es um alles", sagt der U-21-Kapitän.
Gewinnen wollen Holtby und seine Kollegen auch für Boris Vukcevic.
Der U-21-Nationalspieler der TSG Hoffenheim liegt nach einem schweren Autounfall noch immer im Koma.
Im SPORT1-Interview spricht Holtby über das Duell gegen die Eidgenossen, Pfiffe der Schalke-Fans, Anrufe von Bundestrainer Joachim Löw und einen möglichen Treffer im Derby gegen Dortmund.
SPORT1: Herr Holtby, kommt Ihnen die Länderspielpause nach dem Auf und Ab der vergangenen Wochen auf Schalke gelegen?
Lewis Holtby: Ich freue mich wahnsinnig auf die beiden Länderspiele. Mit dem 3:0 gegen Wolfsburg im Nacken ist das umso besser. In den beiden wichtigen Spielen gegen die Schweiz geht es um alles: Uns für die EM in Israel zu qualifizieren und natürlich auch für Boris Vukcevic die zwei Siege zu holen. Ich brenne drauf und möchte die Mannschaft als Kapitän nach Israel führen. Jeder weiß, was gegen die Schweiz gefragt ist.
SPORT1: Wie schätzen Sie den Vize-Europameister ein?
Holtby: Sie haben eine sehr starke Mannschaft mit vielen U-17-Weltmeistern von 2009. Es sind auch noch einige dabei, die letztes Jahr im Finale der U-21-Europameisterschaft standen. Ein sehr unangenehmer Gegner. Aber wenn man sich unsere Mannschaft und unseren Teamspirit anschaut, dann muss man sagen, wir gehören unbedingt zur Endrunde.
SPORT1: Sind Sie sicher, dass Sie mit solchen Leistungen wie gegen Wolfsburg im nächsten Sommer U 21 spielen?
Holtby: (lacht) Das können andere beurteilen. Ich möchte auf dem Platz einfach immer 100 Prozent geben. Ich laufe jedem Ball hinterher. Ich habe immer gesagt, dass es eine unglaublich große Ehre ist, für mein Land zu spielen. Wenn ich vom Bundestrainer einen Anruf bekommen sollte und ich bin im A-Team dabei, ist es ein wahnsinnig schönes Gefühl für mich. Wenn ich einen Anruf von Rainer Adrion bekomme, freue ich mich auch darüber. Es ist klasse, die Kapitänsbinde anzunehmen und mit den Jungs Fußball zu spielen. Ich bin einfach nur stolz, für Deutschland zu spielen.
SPORT1: Gegen Wolfsburg hatten Sie offenbar auch große Lust. War Schalke so gut oder haben die "Wölfe" es Ihrer Mannschaft auch leicht gemacht?
Holtby: Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Die ersten zehn Minuten waren vielleicht nicht die besten, aber die letzten 80 Minuten fand ich sehr gut. Das Tempo war sehr hoch, wir hatten absolut Lust und wollten die letzten zwei miesen Spiele unbedingt vergessen machen. Ich finde, wir waren einfach explosiv.
SPORT1: Also genau die richtige Antwort auf die Pfiffe der Fans nach dem 2:2 in Düsseldorf und gegen Montpellier?
Holtby: Ich denke, es war für den ganzen Verein eine gute Antwort. Wir wollten 90 Minuten Vollgas-Fußball spielen. Wir haben uns in jeden Zweikampf reingebissen und sind marschiert. Hinterher war jeder total kaputt.
SPORT1: Haben Sie trotzdem nochmal an das verkorkste Spiel in Düsseldorf zurückgedacht?
Holtby: Nie im Leben. Ich denke da nicht dran. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, sondern schaue immer nach vorne und nehme jedes Spiel so an, als sei es das erste Saisonspiel. Ich möchte einfach immer gewinnen, egal wie es steht.
SPORT1: Ärgern Sie sich ein bisschen, dass Sie nicht selbst getroffen haben?
Holtby: Natürlich. Aber für mich ist es wichtiger, dass wir 3:0 gewonnen haben. Das ist besser, als wenn ich zweimal treffe und wir verlieren 2:3. Ich hatte auch Möglichkeiten, aber es hat immer ein Zentimeter gefehlt, das war unglücklich. Trotzdem denke ich, dass wir alle gut gefightet haben.
SPORT1: Aber auch noch einige Chancen liegen gelassen haben.
Holtby: Sicher. Aber wir haben das 1:0 nicht verwaltet, sondern 3:0 gewonnen. Das hört sich gut an. Wir sind mit einem breiten Lächeln in die internationale Woche gegangen. Wenn wir noch Chancen übrig gehalten haben, hoffe ich, dass die gegen Dortmund auch wieder kommen und ich vielleicht ein Tor mache.
SPORT1: Roman Neustädter und Ibrahim Afelly haben ihre Torpremiere im Schalke-Trikot gefeiert. Ist es gut zu wissen, dass auch noch andere treffen können außer Klaas-Jan Huntelaar?
Holtby: Absolut. Bei uns können ja viele treffen. Jeff (Jefferson Farfan, Anm. d. Red.) hat es schon oft bewiesen, ich bin auch immer vor dem Tor aktiv. Für Ibi freue ich mich wahnsinnig, das er sein erstes Tor gemacht hat. Roman hat seine Leistung aus dem letzten Jahr schon getoppt, da hat er keins gemacht. Es kann so weitergehen.
SPORT1: Mit Vollgas-Fußball geht’s dann auch am Samstag in einer Woche zum Derby nach Dortmund?
Holtby: Ja, klar. Aber das ist noch weit weg. Jetzt schon davon zu sprechen, wäre verkehrt. Jeder muss zunächst gesund durch die internationale Woche kommen. Jetzt will erstmal jeder für sein Land alles geben. Dann können wir uns neue Ziele stecken.