Özil kontert Schweinsteiger: "Verstehe ich nicht"
Vom DFB-Team berichten Andreas Kloo und Thorsten Mesch
München/Frankfurt - Bastian Schweinsteigers Kritik am angeblich mangelnden Teamgeist in der deutschen Nationalmannschaft wird für ihn immer mehr zum Bumerang.
Nun spürt der Bayern-Mittelfeldspieler vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland am Freitag (Fr., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) auch den Gegenwind der Kollegen.
Mesut Özil wies Schweinsteigers Kritik deutlich zurück.
In Interviews mit "Bild" und "kicker" will er von mangelndem Zusammenhalt im Team nichts wissen.
"Ich war ja mittendrin, habe eigentlich gespürt, dass wir eine Einheit waren. Da war jeder für den anderen da, jeder kämpfte für die Mannschaft. Bei der EM hat jeder Spieler Vollgas gegeben, auch wenn er eingewechselt wurde", betonte Özil.
"Glaube schon, dass sich jeder freut"
"Deshalb kann ich die Kritik auch nicht so verstehen", fügte der Star von Real Madrid hinzu.
Schweinsteiger hatte behauptet, bei der EM hätten die Auswechselspieler bei Toren nicht so mitgejubelt wie bei Bayern München.
"Darauf achte ich auf dem Platz gar nicht. Aber ich glaube schon, dass sich jeder Spieler freut. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man bei der deutschen Nationalmannschaft überhaupt dabei ist und wenn man für die Nationalelf spielen darf", sagte Özil.
Neuer auf Özils Seite
Auch Schweinsteigers Münchner Kollege Manuel Neuer kann die Teamgeist-Kritik nicht ganz nachvollziehen. ( DATENCENTER: WM-Qualifikation)
"Ich habe auf jeden Fall keinen Spieler nach dem Italien-Spiel gesehen, der sich gefreut, dass es nach Hause geht", sagte der Torhüter in der "tz".
"Ich finde schon, dass wir alle an einem Strang ziehen", schlägt sich Neuer auf Özils Seite. Allerdings merkt er auch an: "Aber man kann nie sagen, dass es nicht noch besser geht."
Doch genau auf diesen Optimierungsbedarf wollte Schweinsteiger offenbar hinweisen.
Zumindest sieht das SPORT1-Experte Thomas Berthold so: "Er will aufrütteln, Reizpunkte setzen, mal zum Nachdenken und Hinterfragen anregen."
Druck hoch genug
Schweinsteiger hatte zuvor auch nach einem Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff an seiner Meinung festgehalten.
Özil erteilte zudem der Forderung von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der Druck auf die Nationalspieler müsse erhöht werden, eine Absage.
"Den haben wir genug! Wenn du deutscher Nationalspieler bist, wird von dir erwartet, dass du jedes Spiel gewinnst, am besten noch hoch. Das ist Druck", erklärte Özil.
Berthold kritisiert Wohlfühlatmosphäre
Hoeneß hatte im "Spiegel" auch das stark gefüllte Aktivitätenprogramm des DFB-Teams kritisiert.
Von Berthold erntet er dafür Zuspruch: "Alle klagten, dass die Zeit knapp war, und dann wurde nebenbei Programm gemacht."
Auch die sogenannte Wohlfühlatmosphäre in der deutschen Nationalmannschaft ist Berthold ein Dorn im Auge. "Vor einem Turnier sollten Spieler auch mal ein paar Wochen ohne Sieben-Sterne-Annehmlichkeiten klarkommen. Entspannung und Ruhepausen sind okay, aber in vernünftigen Maßen."