

6:1! Löw-Elf ballert schlechte Stimmung weg
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Dublin - Was für ein Schützenfest! Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem 6:1 (2:0) in Irland ein Ausrufezeichen gesetzt und im dritten WM-Qualifikationsspiel den dritten Sieg gefeiert und ihre Tabellenführung souverän verteidigt ( DATENCENTER: WM-Qualifikation).
Gegen eine stark ersatzgeschwächte, völlig überforderte und hoffnungslos unterlegene irische Auswahl erzielten Marco Reus (2), Mesut Özil, Miroslav Klose und Toni Kroos (2) die Tore für das DFB-Team.
Für die von Giovanni Trapattoni trainierten Gastgeber erzielte Andy Keogh in der Nachspielzeit den Ehrentreffer. Für den seit der enttäuschenden EM in der Kritik stehenden Trapattoni wird es nach dem Debakel nun immer enger.
Am Dienstag trifft die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, die sich zuletzt vermehrt kritische Stimmen hatte anhören müssen, in Berlin auf Schweden und kann mit einem weiteren Erfolg einen großen Schritt in Richtung Brasilien machen.
Von Anfang an die Kontrolle
Löw war mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden. "Die Mannschaft ist von Beginn an konzentriert zu Werke gegangen, das war auch schon die ganze Woche im Training zu bemerken", sagte der Bundestrainer.
"Wenn wir uns richtig auf das Spiel vorbereiten und den Ball laufen lassen, kommt so ein Ergebnis raus", meinte Klose.
Und Reus merkte an: "Der Bundestrainer hat uns sehr gut eingestellt. Wir hatten von Anfang an die Kontrolle."
Götze muss passen
Löw musste auf den gelbgesperrten Kapitän Philipp Lahm sowie auf die verletzten Mats Hummels und Lars Bender verzichten.
Zudem musste auch Mario Götze wegen muskulärer Probleme passen. Es sei im Hinblick auf die Partie am Dienstag in Berlin gegen Schweden jedoch eine reine Vorsichtsmaßnahme, ließ der DFB mitteilen.
Marcel Schmelzer spielte links, Jerome Boateng rechts in der Abwehrkette. Bastian Schweinsteiger absolvierte sein erstes Länderspiel seit der EM.
Irlands Coach Giovanni Trapattoni musste gleich sechs Stammkräfte ersetzen, unter ihnen auch Abwehr-Haudegen Richard Dunne und Rekord-Torschütze Robbie Keane.
Schwache Anfangsphase
Gegen das stimmungsvolle Vorprogramm, die Nationalhymnen wurden im ausverkauften Aviva-Stadium von einer Dudelsack-Kapelle gespielt, fiel die Anfangsphase der Partie merklich ab.
Beide Mannschaften wollten in erster Linie Ballverluste vermeiden - was beiden aber nicht so richtig gelang. Viele Stock- und Abspielfehler sorgten dafür, dass kein Spielfluss zustande kam.
Die DFB-Elf war zwar technisch und läuferisch um Welten überlegen, aber es kam nichts dabei heraus, weil viele Aktionen überhastet ausgeführt wurden und Zug im Spiel nach vorn fehlte.
Iren völlig harmlos
Zumindest hatte die deutsche Defensive so gut wie keine Probleme mit den zwar bemühten, aber furchtbar harmlosen Iren.
Torschüsse, Torannäherrungen oder gar Torchancen? Es gab sie nicht.
Bis zur 30. Minute.
Gelb statt Elfmeter
John O'Shea, in Vertretung für Keane Kapitän, verdaddelte den Ball im Strafraum, Reus wollte an ihm vorbeiziehen, doch der Innenverteidiger zog ihn an der Schulter und traf ihn zudem am Fuß.
Reus fiel - und Schiedsrichter Nicola Rizzoli aus Italien pfiff - und zeigte Reus zu dessen deutlicher Überraschung die Gelbe Karte.
Nicht genug, dass ihm ein klarer Strafstoß verweigert worden war, nun musste sich Reus auch noch bei jedem Ballkontakt die Pfiffe der irischen Fans gefallen lassen.
Reus trifft doppelt
Doch es waren nicht viele Ballkontakte. Nicht einmal zwei Minuten später lupfte Schweinsteiger den Ball in den Lauf von Schmelzer, der leitete die Kugel von der linken Strafraumseite in die Mitte, und Reus knallte sie aus fünf Metern zum 1:0 unter die Latte.
Die richtige Antwort des Dortmunder, der wenige Minuten später sogar noch nachlegte.
Nach einem schönen Seitenwechsel von Boateng nahm Reus von der linken Strafraumgrenze Maß und schoss den Ball flach ins lange Eck.
Ballbesitz bis zu 100 Prozent
Bis zur Halbzeit kontrollierte Löws Elf das Spiel nach Belieben, der Ballbesitz ging phasenweise an die 100 Prozent.
Die Iren waren glücklich, als sie in die Kabine durften.
Klose mit seinem 65. Tor
Nach der Pause, Löw hatte Kroos für Khedira eingewechselt, bäumten sich die Boys in Green noch einmal auf und brachten Neuers Tor auch in Bedrängnis, doch es war nur ein Strohfeuer.
In der 54. Minute senste der bereits mit Gelb verwarnte O'Dea im Strafraum Klose um, Rizzoli pfiff dieses Mal Elfmeter, zeigte aber nicht die fällige Ampelkarte.
Özil verwandelte sicher zum 3:0, "the cat was in the sack", um es im Trapattoni-Englisch auszudrücken.
Klose erhöhte vier Minuten später nach einem Schweinsteiger-Pass aus spitzem Winkel und erhöhte in seinem 125. Länderspiel seine Trefferzahl auf 65 Tore. Ihm fehlen noch drei zu Gerd Müllers Rekord.
Auch Kroos trifft doppelt
In der 62. Minute nahm Kroos den Ball nach einer zu kurzen Kopfballabwehr volley und schoss mustergültig flach in die linke Ecke.
Fünf Minuten später verließ Reus unter dem Beifall der Fans den Rasen, für ihn kam Lukas Podolski zu seinem 104. Länderspieleinsatz.
Und auch Andre Schürrle kam für Klose ins Spiel, das deutlich verflachte, weil Deutschland nicht musste und Irland nicht konnte.
In der 83. Minute setzte Kroos mit einem Rechtsschuss aus 22 Metern den Schlusspunkt.
Keogh erzielt Ehrentreffer
In der Nachspielzeit parierte Neuer einen Schuss des eingewechselten Andy Keogh in herausragender Manier zur Ecke, gegen dessen Kopfballaufsetzer war er dann aber machtlos.
Am Ende stand ein klarer, verdient herausgespielter deutscher Sieg und eine der bittersten Stunden des irischen Fußballs.