

4:4 nach 4:0! Erst Offensiv-Gala, dann Rumpel-Anfall
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Berlin - Von der Offensiv-Gala zum unfassbaren Unentschieden: Die deutsche Nationalmannschaft hat im vierten WM-Qualifikationsspiel den vierten Sieg leichtfertig verschenkt.
In Berlin kam das Team von Bundestrainer Joachim Löw gegen Schweden nach einer 4:0-Führung nicht über ein 4:4 (3:0) hinaus ( DATENCENTER: WM-Qualifikation).
Durch die gefühlte Niederlage im letzten Pflichtspiel des EM-Jahres beträgt der Vorsprung auf die Schweden und Irland, das auf den Färöern gewann, drei Punkte.
Und: Zum ersten Mal in ihrer 104-jährigen Länderspielgeschichte verspielte eine deutsche Nationalmannschaft einen Vier-Tore-Vorsprung.
Löw vermutet Kopfproblem
"Ganz ehrlich, kurz nach dem Spiel finde ich keine Erklärung", meinte Bundestrainer Joachim Löw: "60 Minuten waren absolut hervorragend, wir haben alles im Griff gehabt. Dass wir uns so aus dem Rhythmus bringen lassen, habe ich nicht erwartet. Wahrscheinlich begann das Problem irgendwo im Kopf."
Eine Stunde hui, dann pfui
Vor 72.369 Zuschauern im Berliner Olympiastadion zeigte die DFB-Auswahl eine Stunde lang eine sehr überzeugende Leistung, brachte sich aber durch Konzentrations- und Stellungsschwächen noch in Bedrängnis und kassierte schließlich den Ausgleich (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).
Miroslav Klose (8., 15.), Per Mertesacker (39.) und Mesut Özil (56.) trafen für Deutschland, Zlatan Ibrahimovic (62.), Mikael Lustig (64.), Johan Elmander (76.) und Rasmus Elm in der Nachspielzeit (90.+3) erzielten die Tore für die Skandinavier, die bis zum Schluss um den einen Punkt kämpften und belohnt wurden.
Ohne Schmelzer und Khedira
Löw musste auf Marcel Schmelzer und Sami Khedira verzichten.
Schmelzer musste wegen einer Fußverletzung passen, für ihn verteidigte Philipp Lahm Gelbsperre nach abgesessener auf der linken Seite. Jerome Boateng spielte, wie beim 6:1 gegen Irland, rechts.
Khedira konnte wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel nicht spielen.
Seinen Platz im Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger übernahm Toni Kroos.
Schweigeminute für Helmut Haller
Ansonsten konnte Löw die Formation aufbieten, die gegen die Iren eine überzeugende Leistung gezeigt hatte.
Bevor die Partie begann, wurde in einer Schweigeminute dem vergangene Woche verstorbenen Ex-Nationalspieler Helmut Haller gedacht.
Das Spiel begann ohne Abtasten, beide Seiten suchten sofort die Offensive.
Holmen haut drauf
Schon nach 100 Sekunden hatte Thomas Müller die erste Großchance, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Torwart Andreas Isaksson und traf den Außenpfosten.
Die Schweden kamen in der 5. Minute zum ersten Mal gefährlich vor das Tor von Manuel Neuer, doch der Weitschuss von Samuel Holmen flog über den Kasten.
Es sollte die einzige Chance der Gäste für lange Zeit bleiben, denn die DFB-Elf riss nun das Spiel an sich.
Klose mit der Führung
Der starke Kroos spielte den Ball auf der linken Angriffsseite in den Lauf von Reus.
Der Dortmunder zog durch bis zur Torauslinie und spielte dann schulbuchmäßig zurück auf Klose, der im Fallen aus acht Metern einschoss.
Die Zuschauer im Olympiastadion sprangen zum ersten Mal von ihren Sitzen. Weiter ging es Schlag auf Schlag mit schönen Kombinationen und Torchancen.
Klose trifft erneut
Die Schweden wussten gar nicht, was mit ihnen geschah, so schnell flutschte der Ball zwischen ihnen hindurch. Eine erste Ballstafette blieb noch ohne Folgen (13.), doch in der 15. Minute darauf klingelte es zum zweiten Mal.
Reus legte von links quer an den kurzen Pfosten zu Klose. Der traf im ersten Versuch noch Isaksson, schob aber den Abpraller ins Netz.
Für Klose waren es im 126. Länderspiel die Tore Nummer 66 und 67 – ihm fehlt jetzt nur noch ein Treffer zu Gerd Müllers Bestmarke.
Die deutschen Fans sprangen von ihren Sitzen, Kanzlerin Angela Merkel jubelte auf der Ehrentribüne mit.
Ibrahimovic lange wirkungslos
Nach dem 2:0 ließ es das DFB-Team etwas ruhiger angehen und versuchte, die Schweden aus ihrer Defensive zu locken.
Doch die Skandinavier kamen kaum noch in Strafraumnähe, ihr Superstar Zlatan Ibrahimovic blieb ohne Unterstützung und wirkungslos.
Klose hingegen war überall zu finden, in der 24. Minute half er sogar als Rechtsverteidiger an der eigenen Eckfahne aus.
Das Spiel verflachte für eine Viertelstunde, die Schweden konnten sich etwas sammeln, aber als Innenverteidiger Mertesacker nach einer Kopfballvorlage aus sieben Metern volley mit rechts einschoss, war die Stimmung auf dem Siedepunkt
Mit dem 3:0 ging es in die Kabinen.
Özil macht das 4:0
Kurz nach der Pause hatte die DFB-Elf die Chance zum 4:0: Reus spielte von der linken Seite zu Özil, der mit der Hacke auf Müller durchsteckte, doch der Münchner scheiterte im Eins-gegen-Eins an Isaksson.
Lange mussten die Fans aber nicht auf das nächste Tor warten. Müller passte von rechts in den Strafraum, Özil verwandelte von halblinks flach ins rechte Eck.
Der Käse war gegessen. So sah es zumindest aus.
"Ibra" trifft
Doch die Schweden kamen zurück ins Spiel - und wie. Nach einem stark foul-verdächtigen Zweikampf gegen Müller flankte der eingewechselte Kim Källström in der 62. Minute auf Zlatan Ibrahimovic.
Badstuber war zu weit weg vom Stürmer, der den Ball per Kopf ins Tor wuchtete.
Und das war noch längst nicht alles.
Zwei Minuten später flankte Källström, wieder verschätzte sich Badstuber nun ließ Mikael Lustig Neuer keine Chance.
Elmander überwindet Neuer
Löw brachte Mario Götze für Müller und der Dortmunder legte wenig später für Jerome Boateng auf, dessen Schuss aber geblockt wurde.
Dann begann das große Zittern. Ibrahimovic schickte auf der linken Seite den ebenfalls eingewechselten Alexander Kacaniklic, der Boateng stehen ließ und auf Elmander spielte, der Neuer zum 4:3 überwand.
Löw brachte keinen Verteidiger, sondern wechselte kurz vor Schluss Lukas Podolski für Reus ein.
Der eingewechselte Tobias Sana hatte dann schon die Grochance zum Ausgleich, traf aber das leere Tor nicht.
Doch dann schlug Elm zu und erzielte doch noch das 4:4.
Die deutsche Mannschaft wurde mit einem Pfeifkonzert verabschiedet.