Hoeneß: "Löw müsste mir Champagner schicken"
Von Christian Stüwe
München - Uli Hoeneß kennt das Problem.
"Sage ich die Wahrheit, habe ich acht Wochen Ärger", meint der Bayern-Präsident mit Blick auf den Rundumschlag gegen Bundestrainer Joachim Löw, die Nationalmannschaft und Stürmer Miroslav Klose, der ihm vergangene Woche eine Menge Aufsehen und auch Gegenwind einbrachte.
Trotzdem weicht Hoeneß nicht von seiner Meinung zum DFB-Team ab - sondern legt auf einer Veranstaltung der "Abendzeitung" im Münchner Cafe Ringelnatz noch einmal nach.
"Wenn Jogi Löw ehrlich ist, müsste er mir längst eine Flasche Champagner geschickt haben. Denn was ich gesagt habe, ist für ihn ja eine Hilfe", sagt der Weltmeister von 1974.
Klare Aussagen statt Kritik
Er habe zu Löw "das gesagt, was er eigentlich denken müsste. Ich denke, dass er intern sicherlich sagt: 'Recht hat er schon, nur er hätte er es nicht sagen dürfen.'"
Hoeneß habe sich sein umstrittenes Interview mit dem "Spiegel" mehrmals durchgelesen und könne nach wie vor "nichts besonders Kritisches" erkennen, erklärte der 60-Jährige weiter.
Heutzutage werde man als Nestbeschmutzer bezeichnet, wenn man eine klare Aussage zu einem Thema mache.
Über Nationalstürmer Klose hatte Hoeneß gesagt, dass dieser nicht an die Leistung von DFB-Rekordtorjäger Gerd Müller herankomme, da Klose einen Großteil seiner Tore gegen unterklassige Gegner erzielt habe.
Wertschätzung für Müller zum Ausdruck gebracht
Auch jetzt kritisiert der FCB-Präsident die "Inflation" der Länderspiele: "Früher hat man einmal gegen Russland gespielt, heute spielst du gegen acht verschiedene Russlands."
Selbiges gelte für das frühere Jugoslawien.
Mit seinen Aussagen über die Trefferquote von Klose im DFB-Team habe er aber einfach nur seine Wertschätzung für Müller zum Ausdruck bringen wollen.
Der "Bomber der Nation" sei der bessere Mittelstürmer als Klose.
"Wenn es irgendeinen auf der Welt gibt, der anderer Meinung ist, verstehe ich die Fußballwelt nicht mehr. Das war nicht despektierlich. Es war eine klare Feststellung", sagt Hoeneß.
Auch der Vorwurf der Verweichlichung der Nationalspieler sei keine Attacke gegen Löw gewesen, sondern "ein Hinweis, vielleicht auch ein Wunsch".
Rückendeckuing für Sammer
Viele Dinge, die in der Nationalmannschaft zu weit getrieben worden seien, "sind auch beim FC Bayern - auch durch mich - zu weit getrieben worden", meint Hoeneß:
"Manchmal muss man dann gewisse Dinge auch wieder reduzieren. Aber das ist keine brutale Kritik."
Zuletzt war es beim FC Bayern zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Sportdirektor Matthias Sammer und Trainer Jupp Heynckes gekommen, da Sammer die Spieler nach dem Sieg in Bremen öffentlich kritisiert hatte.
"Wenn einer Scheißdreck spielt, muss man ihm auch sagen, dass er Scheißdreck gespielt hat", sagt Hoeneß und nimmt damit Sammer in Schutz.
1860 in Hoeneß' Gebeten
Zu guter Letzt kann sich Hoeneß auch einen Seitenhieb auf die lokale Konkurrenz von 1860 München nicht verkneifen.
"Den Auszug aus der Arena schließe ich täglich in mein Nachtgebet mit ein", sagte Hoeneß: "Drohende Mieteinnahmen sind mit dem gleichzusetzen, was die uns auch kosten: die machen ja jedes Mal den Rasen kaputt."
Hoeneß schließt mit der Wiederholung eines schon legendären Satzes: "Ich begleite mit dem Defiliermarsch diesen Verein aus der Arena raus."