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Die DFB-Elf bleibt gegen die Niederlande das erste Mal seit 26 Spielen ohne eigenen Treffer © getty

Trotz der Nullnummer gegen Holland ist der Bundestrainer zufrieden. Vor allem, weil die DFB-Auswahl die Balance wiederfindet.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Amsterdam - Zum Abschluss eines turbulenten Jahres bot die deutsche Nationalmannschaft das totale Kontrastprogramm:

Rasenschach statt Offensivspektakel, Taktik-Geplänkel statt Fußball total, Langeweile statt Emotionen.

Doch im Gegensatz zu den Zuschauern am Fernsehen und in der Amsterdamer Arena, die nach der Nullnummer gegen die Niederländer (Spielbericht) ein gellendes Pfeifkonzert anstimmten, war Jogi Löw zufrieden.

"Es ist ein gutes Spiel gewesen"

"Für mich war dieses Spiel positiv", sagte der Bundestrainer. "Es ist ein gutes Spiel gewesen - ich rede nicht vom Ergebnis, sondern von unserem Spiel." ( 639285 DIASHOW: Bilder des Spiels )

Das letzte Länderspiel im EM-Jahr "tut allen gut", bilanzierte Löw weiter: "Natürlich ist es besser, man geht in eine lange Pause mit so einem guten Spiel mit einem guten Ergebnis, als mit einem schlechten Spiel und einem schlechten Ergebnis."

Mit Kritik am Niveau der Partie, in der beide Teams vor allem einen Gegentreffer vermeiden wollten, und der Sinnhaftigkeit der Ansetzung mitten im Ligastress kann der Bundestrainer gut leben.

Weniger gut hätte er dagegen wohl mit einem weiteren Rückschlag nach der heftigen Kritik auf das 4:4 gegen Schweden leben können, denn dann wäre Löw reichlich angeschlagen in seine persönliche Winterpause gegangen.

Safety first

Daher hatte der 52-Jährige seiner nach acht Absagen komplett neuformierten Mannschaft vor allem die Absicherung nach hinten als Hauptaufgabe mitgegeben, um ein ähnliches Fiasko wie in der letzten halben Stunde gegen Schweden zu vermeiden.

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"Man hat gesehen, dass keine der beiden Mannschaften einen Fehler machen wollte", sagte Keeper Manuel Neuer. (Die Stimmen zum Spiel)

"Wir standen in der Defensive sehr gut. Beide Mannschaften wollten nicht verlieren, deshalb sah es etwas zäh aus. Wir wollten ein positives Ergebnis mitnehmen, das 0:0 geht in Ordnung."

Lob für die Defensive

Auch Löw sprach ungeachtet der tempoarmen Begegnung von wichtigen Erkenntnissen, die er gesammelt habe:

"Wir haben sehr positionstreu und diszipliniert gespielt. Wir haben eine gute Defensivarbeit verrichtet. Das war nach den letzten Erlebnissen, auch gegen Schweden, das Wichtigste. Gegen eine der besten Mannschaften in Europa haben wir das sehr gut gelöst."

"Haben gute Alternativen"

Dass das ausgerechnet mit zahlreichen Nachrückern gelang, freute den Badener umso mehr. "Es hat gezeigt, dass wir gute Alternativen haben. Die Abwehr war sehr konsequent und das zentrale Mittelfeld war sehr gut", meinte Löw.

"Gündogan und Lars Bender haben sehr gute Arbeit verrichtet. Wir brauchen auch solche Spiele, um uns in der Breite noch zu verbessern für eine WM." ( 639390 DIASHOW: Die Einzelkritik )

Der Kreis der Kandidaten Richtung WM 2014 ist jedenfalls nicht kleiner geworden, auch die Neulinge Roman Neustädter und Sebastian Jung sowie U-21-Kapitän Lewis Holtby haben Blut geleckt.

Podolski als Verlierer

So wird der ein oder andere bisher Gesetzte Gas geben müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Das gilt vor allem für Lukas Podolski, der trotz seines 106. Länderspiels einer der wenigen Verlierer des Abends war.

Löws einstiger Liebling, an dem er auch bei Formkrisen im Verein immer festhielt, ist hinter Shootingstars wie Marco Reus und Mario Götze spätestens seit seiner enttäuschenden EM nur noch zweite Wahl - auch nach der Absagenflut saß er 70 Minuten auf der Bank.

Gleichwohl will der Bundestrainer auch in Zukunft auf den Arsenal-Stürmer setzen. "Bei Lukas Podolski sehe ich seine gute Entwicklung in England, die gefällt mir sehr gut. Und er wird im nächsten Jahr sicher einen Angriff vornehmen auf einen Stammplatz", sagte er.

Experiment mit "falscher 9" scheitert

Einen solchen Stammplatz hat auch Götze nicht sicher, denn gegen die Niederlande konnte er auf der ungewohnten Position als einzige Spitze kein Kapital schlagen.

Der Versuch, Welt- und Europameister Spanien mit einer "falschen 9" zu kopieren, schlug fehl. Ohne die Torjäger Miroslav Klose und Mario Gomez fehlt die Durchschlagskraft - sonst wäre auch in Amsterdam ein Sieg möglich gewesen.

"Knipser wie Klose und Gomez braucht man im Team", erkannte Holtby.

Löws Ziel: Balance finden, Spielstil durchziehen

Dass nach 26 Spielen erstmals kein Tor gelang, soll nach dem Willen des Bundestrainers aber nur eine Ausnahme bleiben. "Ich habe nie gesagt, dass wir unser Offensivspiel und dieses Potenzial aufgeben. Von daher werden wir weiter konsequent daran arbeiten", sagte Löw, der aus dem Jahr "einiges mitnimmt":

"Ich habe immer gesagt, dass es wichtig sein wird, über die Monate hinweg die richtige Balance zu finden. Immer, wenn wir unseren Spielstil durchgezogen haben, haben wir keine Probleme gehabt, weder in der Defensive noch in der Offensive. Wenn wir davon abgegangen sind, hatten wir immer irgendwelche Schwierigkeiten."

Für das Übergangsjahr 2013 wird dem Taktik-Tüftler die Arbeit also nicht ausgehen.

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