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Joachim Löw feierte sein Debüt als DFB-Trainer im August 2006 gegen Schweden © getty

Bundestrainer Joachim Löw lässt im Gespräch mit SPORT1 das Jahr 2012 Revue passieren. Er spricht über Kritik und seine Zukunft.

Von Thomas Herrmann

Frankfurt am Main - 2012 war ein bewegtes Jahr für Bundestrainer Joachim Löw.

Zwischen Huldigungen für das zauberhafte Kombinationsspiel der DFB-Elf bis hin zu der Kritik über Taktik und Personalrotation beim Halbfinal-Aus gegen Italien bei der EM in Polen und der Ukraine.

Zum Abschluss des Länderspieljahres 2012 gab es ein 0:0 in Amsterdam gegen die Niederlande, dennoch blickt der Nationaltrainer auf eine positive Bilanz zurück.

In 14 Spielen stehen acht Siege, zwei Unentschieden und vier Niederlagen zu Buche, bei einer Tordifferenz von 32:22

Im Gespräch mit SPORT1 lässt der 52-Jährige das Jahr 2012 noch einmal Revue passieren.

Joachim Löw über...

... die vergangenen zwölf Monate:

"Es war ein Jahr, das einigen Schwankungen unterlegen war. Es war ein Jahr der Grenzerfahrungen, die wir gemacht haben. Wir haben Spiele gemacht, die gut waren, aber auch Spiele, wo wir nachher enttäuscht waren - wie gegen Italien oder Schweden. Wenn ein Gegner angreift, haben wir noch nicht immer die richtigen Antworten. Diese Spiele haben uns schon weh getan."

... die Kritik nach dem EM-Aus:

"Die Kritik tut natürlich auch dem Bundestrainer weh, aber ich lasse mich davon nicht aus der Bahn werfen, so lange diese Kritik sachlich ist. Wir haben auch Anlass zur Kritik gegeben. Ich wusste, dass wir große Schritte nach vorne gemacht haben, aber wir haben es leider verpasst, den Titel zu gewinnen. Das war bei den Fans in Deutschland die Erwartungshaltung, da wir die Messlatte selbst sehr hoch gelegt haben."

... Leader im DFB-Team:

"In Situationen wie gegen Schweden brauchen wie diese Körpersprache, die wir vorher hatten und in den letzten beiden Jahren in vielen Spielen, zum Beispiel bei der WM 2010, gezeigt haben. Wir haben gute Führungsspieler, die in der Lage sind, eine starke Ausstrahlung auf die Mannschaft zu haben. In solchen Momenten wie gegen Schweden müssen wir lernen, diese Ausstrahlung beizubehalten."

... den Erfolg der Bundesligisten im Europapokal:

"Ich bin sehr zufrieden, dass wir vor allem drei Mannschaft haben, die in der Champions League die Gruppenphase überstanden haben. Besonders die Dortmunder haben gegen starke Mannschaften ihre Klasse bewiesen. Das wird den jungen Spielern weiterhelfen. Die Bundesliga ist im Kommen. Ich hoffe, dass wir das auch im kommenden Jahr unter Beweis stellen können. Das kann uns auch einen Schub für die Nationalmannschaft geben."

... die Torwart-Situation beim DFB:

"Manuel Neuer ist sein zweieinhalb Jahren unsere Nummer eins und hat uns nie enttäuscht. Wir halten ganz große Stücke auf ihn. Dahinter haben wir Rene Adler oder die jungen Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler. Auch das Thema Roman Weidenfeller haben wir nie gestrichen, weil wir wissen, dass er die letzten Jahre klasse gehalten hat."

die kommenden Monate und die WM 2014:

"Das Jahr 2013 steht unter dem Motto Konzentration, weitere Fortschritte zu erzielen, aber auch zu experimentieren. Ich möchte, dass sich nach dem Jahr 2013 alle Fußball-Fans auf die Mannschaft und das Turnier 2014 freuen."

seine Zukunft nach der WM 2014:

"Ich habe mir ehrlich gesagt darüber noch keine Gedanken gemacht. Erst mal die Qualifikation schaffen, und dann werden wir uns mit dem Verband vielleicht mal zusammensetzen. Aber letztendlich wird man sehen, wie die WM 2014 läuft, und daran lassen wir uns messen."

die Frage, ob ihn der Vereinsfußball reizt:

"Irgendwann vielleicht schon wieder. Im Moment ist der Zeitpunkt nicht da. Ich bin unheimlich stolz, Nationaltrainer zu sein - das ist für mich die vergangenen Jahre das Größte gewesen. Irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt zu sagen: Ok, es ist vielleicht auch gut, mal wieder jeden Tag mit einer Mannschaft zu arbeiten."