vergrößernverkleinern
Rene Adler (M.) stand beim letzten WM-Qualifikationsspiel gegen Wales im Tor © getty

Vor dem Spiel gegen Norwegen stellt sich Bundestrainer Joachim Löw erneut die Frage: Wer hütet das deutsche Tor?

Von Thorsten Mesch

Düsseldorf - Lange hatte man nichts von ihr gehört. Die meisten haben sie auch überhaupt nicht vermisst. Nun ist sie wieder da: die Torwart-Diskussion.

Vor der WM 2006 hielt die Frage, ob Oliver Kahn oder Jens Lehmann die Nummer eins sein würde, ganz Fußball-Deutschland in Atem. Zwei Jahre später wurde Lehmann aufgrund mangelnder Spielpraxis vor der EM zum unsicheren Kantonisten.

Jetzt heißt es: Wer steht bei der WM 2010, vorausgesetzt die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich, im Tor?

Rene Adler, Tim Wiese, Robert Enke, oder vielleicht doch Manuel Neuer? Diese Antwort ist noch offen, doch für das Testspiel der DFB-Auswahl am Mittwoch gegen Norwegen (ab 20 Uhr LIVE) fällt die Wahl auf Rene Adler.

Noch nichts entschieden

"Rene Adler wird 90 Minuten spielen", erklärte Bundestrainer Joachim Löw auf der Pressekonferenz zur Partie.

Das Trainerteam mit Löw und Torwarttrainer Andi Köppke will sich aber bewusst noch nicht langfristig festlegen. Was wohl auch den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit geschuldet ist.

Nachdem Jens Lehmann nach der Europameisterschaft seinen Rücktritt erklärt hatte und eine neue Nummer eins gesucht wurde, waren Robert Enke und Rene Adler die aussichtsreichsten Aspiranten auf den Platz zwischen den Pfosten.

Als Adler sich im Sommer verletzte, war Enke plötzlich allein in der Pole Position. Doch als er wie der Sieger des Duells aussah, brach sich der Hannoveraner das Kahnbein - und der Leverkusener war die Nummer eins.

Adler mit Fehler gegen Stuttgart

Im vergangenen November, als Adler im Länderspiel gegen England eine schwache Vorstellung zeigte, bekam Tim Wiese seine Chance. Der Bremer bedankte sich für das Vertrauen des Bundestrainers mit einer starken Leistung in der zweiten Halbzeit. Die 1:2-Niederlage konnte aber auch er nicht verhindern.

Adler sah auch bei Leverkusens Niederlage in Bielefeld Ende November und beim 2:4 am Samstag gegen Stuttgart nicht gut aus.

"Da, wo er reingeht, darf er nicht reingehen. Da sehe ich schlecht aus", erklärte der Leverkusener selbstkritisch nach dem Freistoßgegentreffer von Thomas Hitzlsperger zum 0:2.

"Den Ball kann man halten"

Köpke betonte, das Bundestrainer-Team bewerte "nicht nach einzelnen Aktionen oder Fehlern", sondern betrachte die Gesamtsituation.

Das könnte Adler zugute kommen.

Dessen Figur beim Freistoß von Hitzlsperger sah zwar auch der Bundestrainer als nicht glücklich an. "Den Ball kann man halten", sagte Löw der "Bild". "Grundsätzlich ist Adler aber psychisch so stark, dass ihn das Tor nicht aus der Bahn wirft."

Wieses Nominierung nicht überraschend

An Selbstbewusstsein mangelt es auch Tim Wiese nicht. "Mit der Konkurrenz-Situation habe ich kein Problem. Ich schaue nur auf mich", so der Bremer.

"Seine Nominierung ist keine Überraschung für uns. Tim hat seine Qualitäten in den letzten Wochen und Monaten unterstrichen", sagt Bremens Sportdirektor Klaus Allofs.

Für Allofs ist Wieses Nominierung "ein Fingerzeig für die Hierarchie der Torleute. Tim kann jetzt zeigen, dass er eines Tages die Nummer eins sein will!"

Enke ist enttäuscht

Wiese konnte sich zuletzt in einer schwachen Werder-Mannschaft zwar nicht besonders auszeichnen, leistete sich aber auch keine gravierenden Fehler und bekam bei der Nominierung für das Norwegen-Spiel den Vorzug gegenüber Enke.

Der Hannoveraner zog trotz einer sehr starken Leistung bei seinem Comeback im 96-Tor den Kürzeren.

Enke reagierte auf seine Nicht-Nominierung enttäuscht, aber mit Verständnis. "Einerseits hätte ich mich natürlich über eine Nominierung gefreut. Andererseits hatte ich ein sehr gutes Gespräch mit Andi Köpke", sagte der Keeper von Hannover 96 im Interview mit Sport1.de.

Neue Chance gegen Liechtenstein

Da er nach seiner Verletzung lange pausieren musste, sei die Absage des Bundestrainers nachvollziehbar. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das nächste Mal wieder dabei bin", glaubt Enke.

Schon bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Liechtenstein und Wales wird er seine nächste Chance bekommen.

"Robert weiß von uns, dass er bei den Länderspielen im März dabei sein wird", verrät Löw, und Enke ist sich sicher, dass "der Kampf weiter offen" ist.

Vierter Keeper im Gespräch

Das bestätigt auch der Bundestorwarttrainer. "In Adler, Wiese und Enke stehen uns drei gute Schlussleute zur Verfügung", sagt Köpke, der noch einen vierten Kandidaten für die WM ins Gespräch bringt.

"Manuel Neuer hat seine kurze Schwächephase überwunden. Er ist sicherlich ein Kandidat für uns. Wichtig ist, dass er bei der U-21-EM-Endrunde ein gutes Turnier spielt."

Wer wird also bei der WM 2010 im deutschen Kasten stehen? Adler, Wiese, Enke, Neuer oder gar ein Überraschungsmann? Die Torwartfrage wird Fußball-Deutschland wohl noch länger beschäftigen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel