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Thorsten Mesch (l.) traf Michael Ballack in Düsseldorf © SPORT1

Michael Ballack spricht im Interview mit Sport1.de über seine Aufgaben als Kapitän, die Chancen in der WM-Qualifikation und die Torwartfrage.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Düsseldorf - Die deutsche Nationalmannschaft hat ihren Kapitän zurück.

Nachdem Michael Ballack im letzten Länderspiel des Jahres 2008 gegen England verletzungsbedingt pausierte, ist der 32-Jährige nun wieder dabei.

Der Test des DFB-Teams am Mittwoch in Düsseldorf gegen Norwegen war Ballacks erster Auftritt im DFB-Dress nach dem Zwist mit Bundestrainer Joachim Löw.

Nachdem Ballack bei Sport1.de bereits zur Entlassung von Trainer Luiz Felipe Scolari beim FC Chelsea Stellung bezog (Interview: "Das ist immer unangenehm"), wurde am Mittwoch das Engagement Guus Hiddinks als neuem Coach des Deutschen in London bekannt gegeben.

Im Sport1.de-Interview, das bereits vor dieser Entwicklung geführt wurde, spricht Ballack über seine Aufgaben als Kapitän, die Chancen in der WM-Qualifikation und die Torwartfrage.

Sport1.de: Herr Ballack, Sie haben vergangenes Jahr in einem Interview ein paar Dinge kritisiert, was sehr hohe Wellen geschlagen hat. War das ein "reinigendes Gewitter", auch wenn der gewählte Weg über die Öffentlichkeit vielleicht nicht der richtige war?

Michael Ballack: Wenn man es intern sagt, kommt es ja nicht raus (lacht). Dann wird es nicht diskutiert.

Sport1.de: Sie haben den Weg also bewusst gewählt?

Ballack: Es war ja kein Interview, das ich abgehetzt nach einem Spiel gegeben habe. Ich habe gewusst, was ich sage. Man kann es kritisch sehen, ganz klar. Wichtig ist aber, dass so etwas zu einem positiven Ergebnis kommt. Man kann auch einmal Kritik üben. Und Reibung wird es immer geben. Aber man darf nicht gegeneinander arbeiten. Sicherlich hat das Interview hohe Wellen geschlagen, aus meiner Sicht auch zu hohe, aber entscheidend ist, dass wir alle Energie daraus ziehen, positiv zusammen arbeiten und es in die richtige Richtung läuft. Davon gehe ich aus, weil die Ergebnisse stimmen.

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Sport1.de: Sie würden also jederzeit wieder Missstände ansprechen?

Ballack: Das ist meine Pflicht als Kapitän. Man muss sich immer an der aktuellen Situation orientieren. Wenn alles toll ist, muss man nichts kritisieren. Aber ab und zu gewinnt man, aber es ist trotzdem nicht alles zu hundert Prozent in Ordnung. Es ist besser, dann etwas zu sagen, als wenn man Spiele verliert. Dann ist es immer einfach zu kritisieren.

Sport1: Stichwort gewinnen. In der WM-Qualifikation ist es bislang sehr gut gelaufen. Planen Sie schon mit der WM-Teilnahme?

Ballack: Planen sollte man noch nicht. Mit Russland haben wir einen gleichwertigen Gegner in der Gruppe, der sehr guten Fußball spielt. Das Hinspiel haben wir knapp gewonnen, aber es hätte auch 2:2 ausgehen können. Dementsprechend vorsichtig sind wir. Wir müssen versuchen, so wenig Punkte wie möglich liegen zu lassen. Wir wissen aber, dass die Partie in Russland entscheidend sein kann. Es wird bis zum Schluss spannend.

Sport1.de: Denken Sie auch über die WM hinaus?

Ballack: Nein. Mein Ziel ist jetzt erstmal 2010, und dann schauen wir mal weiter.

Sport1.de: Die Frage, wer bei der WM im Tor steht, ist völlig offen. Finden Sie es richtig, dass sich das Trainerteam noch nicht festlegt?

Ballack: Wir haben jetzt eine ganz andere Situation als in den vergangenen Jahren. Oliver Kahn war jahrelang die klare Nummer eins, dann kam Jens Lehmann. Jetzt haben wir viele junge Leute, die nicht über die große internationale Erfahrung verfügen und da erst rein wachsen müssen. Deshalb ist es völlig normal, dass der Trainer erst einmal schaut und abwartet. Warum sollte er sich keine Zeit lassen? Wir haben viele gute und junge Torhüter, von denen mehrere die Chance haben, in den nächsten Jahren eine sehr gute Rolle zu spielen.>>Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews mit Michael Ballack

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