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Stefan Kießling (r.) bestritt 2010 sein letztes Länderspiel © getty

Bundestrainer Löw hievt das Spiel in Frankreich in die höchste Kategorie. Trotz Personalnot im Sturm lässt er Kießling außen vor.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Die Tasse Espresso stand schon auf dem Podium für ihn bereit, als Joachim Löw den Meeting Room "Neuilly" im Hotel Concorde La Fayette in Paris betrat.

Löw kam aber vor dem Spiel gegen Frankreich (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) nicht zum Kaffetrinken und Plaudern. Das machte er auch gleich den Reportern deutlich.

"Ich sehe das Spiel als einen Härtetest", erklärte der Bundestrainer.

"Frankreich hat zu alter Stärke gefunden", betonte Löw.

Angesichts der verletzungsbedingten Absagen von Leistungsträgern wie Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Marco Reus oder Mario Götze wird dies kein leichtes Unterfangen, doch Löw gibt sich trotz der schwierigen Personalsituation zuversichtlich.

Löw stöhnt nach Absagen

"Ich denke, dass wir einen sehr guten Kader beisammen haben", meinte der 53-Jährige zwei Tage nach seinem Geburtstag 636514 (DIASHOW: Der DFB-Kader für das Frankreich-Spiel)

Es sei "kein Rückschlag", aber "ärgerlich, dass viele Spieler fehlen", fand Löw: Aber die Partie gebe ihm die Möglichkeit, einiges zu testen und zu sehen.

An das Sturmzentrum hat er dabei offensichtlich nicht gedacht.

Denn obwohl Klose mit einem Bänderriss lange ausfällt und Mario Gomez nach viermonatiger Verletzungspause noch nicht bei 100 Prozent ist, nominierte Löw keinen Angreifer nach.

Der Leverkusener Stefan Kießling, immerhin momentan treffsicherster deutscher Angreifer der Bundesliga, scheint in Löws Planungen keine Rolle zu spielen.

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Name Kießling fehlt

Die "Bild" hatte berichtet, Kießling solle im März in den WM-Qualifikationsspielen gegen Kasachstan im DFB-Kader stehen und auch bei der USA-Reise Ende Mai/Anfang Juni in den Spielen gegen Ecuador und die USA seine Chance bekommen.

Doch am Dienstag wurde der Name Kießling nicht ein einziges Mal erwähnt.

"Es nutzt nichts, den Kies nach vorne zu reden. Der Bundestrainer hat die Spiele gesehen und weiß genau, wie Stefan spielt", hatte Kießlings Vereinskollege Andre Schürrle im SPORT1-Interview erklärt (INTERVIEW: Andre Schürrle).

Den Rest müsse "der Bundestrainer entscheiden, ob und wann er ihn dazuholt."

Löw hält an Linie fest

Der meinte vor kurzem zum Thema, es sei der "falsche Zeitpunkt. Ich werde Kießling nicht für ein Spiel zurückholen, sondern dann, wenn ich ihm eine berechtigte Hoffnung und Perspektive bieten kann."

Löw scheint sich um die Sturmsituation nicht wirklich zu sorgen, mehr Aufmerksamkeit widmete er der Abwehr.

[kaltura id="0_37hur6ph" class="full_size" title="Das Duell Frankreich gegen Deutschland"]

Lahm spielt auf rechts

Obwohl Marcel Schmelzer als Linksverteidiger nicht dabei sein kann, hat Löw nicht vor, Philipp Lahm auf dieser Position spielen zu lassen.

"Ich plane mit Philipp auf der rechten Seite. Das wird in Zukunft die Dauerlösung sein", erklärte der Bundestrainer: "Wir werden für links eine andere Lösung finden."

Gut möglich, dass der Münchner Jerome Boateng auf der linken Abwehrseite ran muss, wo er schon während der WM 2010 spielte.

FCB-Kapitän im Vereinsduell mit Ribery

Lahm wird es auf rechts mit seinem Vereinskollegen Franck Ribery zu tun bekommen.

"Es wird eine schwierige Aufgabe gegen Frankreich, auch gegen Ribery", meinte Bayern-Kapitän Lahm, das Spiel sei "ein richtiger Test".

Ein Duell, das auch Rückschlüsse darüber geben wird, wo die deutsche Mannschaft im internationalen Vergleich momentan steht.

Schließlich hat Frankreich zuletzt in Italien gewonnen und in der WM-Qualifikation gegen Spanien unentschieden gespielt.

2013 als "Jahr der Weiterentwicklung"

"Es ist ein Jahr der Weiterentwicklung, der Konzentration und der Vorbereitung. Die oberste Priorität hat die direkte WM-Qualifikation", betonte Bundestrainer Löw und ergänzte, der Konkurrenzkampf in der Mannschaft solle gefördert werden.

Für die Position des Stammtorwarts gelte dies allerdings nicht. Neuer sei die unangefochtene Nummer eins, versicherte Löw.

Der Bayern-Keeper hatte zuletzt seinen Unmut darüber geäußert, dass gegen die Franzosen der Hamburger Rene Adler zwischen den Pfosten stehen wird.

"Neuer bleibt Nummer eins"

"Es hätte mich gewundert, wenn Manuel etwas anderes gesagt hätte, aber er hat das zu akzeptieren", reagierte Löw gelassen und stellte fest: "Manuel bleibt die Nummer eins und steht in beiden Spielen gegen Kasachstan im Tor."

Adler wird nach 27 Monaten sein Comeback in der DFB-Auswahl feiern. Adlers ehemaliger Leverkusener Kollege Kießling, der zuletzt bei der WM 2010 im DFB-Trikotspielte, muss hingegen weiter auf seine Rückkehr warten.

Kießlings Comeback-Chancen stehen (noch) schlecht. Für ihn bleibt nur, sich mit guten Leistungen weiter zu empfehlen. Oder: Abwarten und Tee trinken.

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