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Franck Ribery (l., mit Deschamps) wechselte 2007 von Olympique Marseille nach München © getty

Der Bayern-Profi hat sich seit der WM 2010 zum Hoffnungsträger für Frankreich entwickelt. Gegen Lahm und Co. will er auftrumpfen.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Franck Ribery wirkte fast ein bisschen verloren im riesigen Auditorium des Stade de France.

Ganz unten auf der Bühne in dem Raum mit weichen blauen Sesseln, der an ein Theater oder ein Multiplex-Kino erinnert, saß der kleine Flügelflitzer des FC Bayern.

Neben ihm sein Nationaltrainer Didier Deschamps, der Pressesprecher des französischen Verbands und ein Dolmetscher.

Doch den braucht Ribery nicht, denn er spricht vor dem Freundschaftsspiel der Franzosen gegen Deutschland (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) die Sprache der Gäste.

Positive Entwicklung seit 2010

"Wir spielen als Mannschaft viel besser und haben viel Spaß zusammen", antwortet Ribery auf die SPORT1-Frage, wie er die Entwicklung der Equipe Tricolore seit der WM 2010 sehe.

Damals in Südfrankreich galt Ribery als Rädelsführer und Unruhestifter und wurde zum Sündenbock für das skandalöse Auftreten der Franzosen in Südafrika gestempelt.

Noch bis zur EM in Polen und der Ukraine hatte er einen schweren Stand bei den Fans, doch mittlerweile hat sich das Verhältnis der Anhänger zum Deutschland-Legionär deutlich verbessert.

Ribery stolz und zufrieden

"Seit der EM habe ich sehr gut gespielt, zuletzt habe ich auch drei Tore gemacht", sagt Ribery mit einer Mischung aus Stolz und Zufriedenheit. "Die Probleme sind vergessen, die Beziehung zu den Fans ist wieder in Ordnung. Ich bin glücklich und habe Spaß auf dem Platz."

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Dass sich Franck Ribery wieder geliebt fühlt im französischen Team, liegt auch an Didier Deschamps.

Der ehemalige Kapitän, der mit Frankreich 1998 Welt- und zwei Jahre später Europameister wurde, hat einen sehr guten Draht zu seinen Akteuren, besonders zu Ribery.

Ribery vergleicht Deschamps mit Heynckes

"Er ist ein Trainer, der sehr fürsorglich mit den Spielern umgeht", findet der Münchner Dribbelkünstler. "Ich spreche viel mit ihm, nicht nur über Fußball. Es ist ein bisschen so wie mit Jupp Heynckes bei Bayern."

Wie der Bayern-Trainer versteht es Deschamps, auf die Bedürfnisse der Spieler zu achten. Und das schlägt sich auch in den Resultaten nieder.

"Wir haben 2:1 in Italien gewonnen und in der WM-Qualifikation ein 1:1 in Spanien geholt", zählt Ribery auf. "Und jetzt spielen wir gegen Deutschland, die nächste große Mannschaft."

Warnung an Lahm

Es klingt fast wie eine Drohung an das Team von Bundestrainer Joachim Löw - und es ist auch durchaus so gemeint.

"Wir nehmen das Spiel sehr ernst. Es ist kein Freundschaftsspiel", betont Ribery und schickt noch eine Warnung an Philipp Lahm, der es als Rechtsverteidiger direkt mit seinem Münchner Klubkollegen zu tun bekommt.

"Ich freue mich auf das Spiel und die Duelle mit Philipp", fiebert Ribery dem Spiel entgegen. "Ich kenne seine Schwächen und wenn ich ein gutes Spiel mache, wird es sehr schwierig für ihn."

[kaltura id="0_jihtv8m9" class="full_size" title="Video L w PK vor dem L nderspiel in Paris"]

Löw lobt den Dribbelkünstler

Wenn Ribery sein großes Potenzial ausschöpft, ist er nur schwer zu stoppen, das weiß auch Joachim Löw.

"Ribery ist für jede Mannschaft gefährlich, vor allem wenn er ins Tempo gerät", lobt der Bundestrainer die Qualität des Nordfranzosen.

Ribery habe aufgrund seines Könnens "eine sehr hohe Bedeutung für Frankreichs Mannschaft", findet der ehemalige Bayern-Profi Bixente Lizarazu.

"Er spielt mit den Bayern sehr gut, aber in der Nationalmannschaft hat er nicht auf dem gleichen Niveau gespielt. Er muss sein Können auch mit der Nationalmannschaft abrufen", sagt Lizarazu zu SPORT1.

"Wenn er das schafft, kann er der größte Spieler der französischen Nationalmannschaft werden."

Deschamps ist davon überzeugt, dass Ribery alle Voraussetzungen dazu mitbringt.

Deschamps schwärmt

"Er ist erfahren, ein Führungsspieler, alle mögen ihn. Ich freue mich, so einen Spieler zu haben", schwärmt der Nationalcoach, der neben Ribery noch andere Spieler mit großem Potenzial in seiner Mannschaft hat.

Karim Benzema zum Beispiel. Der Stürmer von Real Madrid, der am Abend auf seine Klubkollegen Mesut Özil und Sami Khedira trifft, spielt in den Planungen des Trainers neben Ribery eine tragende Rolle.

"Benzema hat mein volles Vertrauen", sagt Deschamps und lobt die Vielseitigkeit des Angreifers.

Der 25-Jährige, der 2009 von Olympique Lyon nach Madrid gewechselt war und 2003 in Frankreichs U-16 seine Nationalmannschaftskarriere begann, gehört neben Patrice Evra (Manchester United) sowie Torwart und Kapitän Hugo Lloris (Tottenham Hotspur) zu den tragenden Säulen des Teams.

Talente rücken nach

Dazu kommen viele hochtalentierte jüngere Spieler wie Mamadou Sakho (22), Blaise Matuidi (25, beide Paris St. Germain), Mapou Yanga-Mbiwa (23), Moussa Sissokho (23, beide Newcastle) oder Raphael Varane (19, Real Madrid), der gegen Deutschland jedoch verletzungsbedingt fehlt.

Ribery soll für die jüngeren Kollegen ein gutes Beispiel sein. Und er geht mit seiner Aufgabe gelassen um.

"Es ist viel entspannter als früher", meint er lächelnd. "Und das ist viel besser so."

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