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Ilkay Gündogan (l.) kam 2011 aus Nürnberg zu Borussia Dortmund © imago

Löw setzt in Frankreich auf Gündogan. Podolski und Gomez stehen nach langer Zeit wieder in der Startelf. Adler ist zurück.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Während in Deutschland am Dienstag Schnee-Chaos herrschte, nieselte es beim Abschlusstraining im Stade de France in St. Denis vor den Toren von Paris.

Als letzte der deutschen Nationalspieler standen Thomas Müller und Manuel Neuer auf dem Rasen. Neuer köpfte aufs Tor, Müller sprang als Aushilfskeeper nach den Bällen.

Auch am Abend gegen Frankreich (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) wird Neuer nicht zwischen den Pfosten stehen, Rene Adler wird ihn im Tor vertreten.

Etwas überraschend stehen Benedikt Höwedes und Ilkay Gündogan in der Startelf. Gündogan spielt neben Sami Khedira auf der Sechs, Höwedes darf links in der Viererkette ran, wo eigentlich Jerome Boateng erwartet worden war.

Podolski und Gomez im Sturm

Lukas Podolski steht erstmals seit dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) am 28. Juni 2012 wieder in der Startformation der deutschen Nationalmannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw gibt dem Arsenal-Profi den Vorzug vor dem Leverkusener Andre Schürrle.

Als Innenverteidiger beginnen der Dortmunder Mats Hummels und Podolskis Londoner Klubkollege Per Mertesacker.

Im offensiven Mittelfeld beginnen neben Podolski zentral Mesut Özil und rechts Thomas Müller. Als Sturmspitze kommt der in München zuletzt zum Bankdrücker degradierte Mario Gomez wie Podolski zu seinem ersten Länderspiel-Einsatz seit dem Italien-Spiel.

"Der Lohn harter Arbeit"

Der 28-jährige Adler feiert nach langer Pause sein Comeback im DFB-Team. 812 Tage nach seinem zehnten kommt der HSV-Schlussmann zu seinem elften Länderspiel.

"Zu sagen, dass sich mit dem Einsatz ein Kreis schließt, wäre ein bisschen hochgestochen. Es ist der Lohn einer harten Arbeit und freut mich ungemein", sagt Adler nüchtern.

Eine Kampfansage an Neuer hört man von ihm nicht.

"Ich bin weit davon weg, dieses eine Spiel zu nutzen, um Druck zu machen", betont der ehemalige Leverkusener, der die WM 2010 wegen einer Verletzung verpasste. Seitdem ist Neuer DFB-Stammkeeper.

[kaltura id="0_jihtv8m9" class="full_size" title="Video L w PK vor dem L nderspiel in Paris"]

Keine Torwartdiskussion

"Ich sehe das nicht als Chance, die Nummer eins zu werden. Das eine Spiel wird an der Rollenverteilung nicht viel ändern, da brauche ich mir nichts vorzumachen."

Worte, die Neuer, der in Frankreich "gern gespielt hätte", beschwichtigen dürften.

Die Torwartfrage stelle sich nicht, betont auch Bundestrainer Joachim Löw.

"Diese Debatten sind nicht von uns ausgelöst worden. Wir sehen das völlig entspannt. Wir müssen für den Fall, dass Manuel einmal ausfällt, Alternativen schaffen. Manuel bleibt die Nummer eins und steht in beiden Spielen gegen Kasachstan im Tor", erklärt Löw.

Adler gelassen

Auch Adler sieht die Situation gelassen. Über allem stehe, "dass wir das Spiel positiv gestalten und dazu will ich einfach meinen Teil beitragen."

Das gilt auch für Mario Gomez. Der Stürmer des FC Bayern war lange verletzt und wird am Abend sein erstes Länderspiel seit dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien Ende Juni absolvieren.

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"Ich freue mich auf das Spiel und bin froh, wieder schmerzfrei zu sein", sagt Gomez, der als Ersatz für den verletzten Miroslav Klose (Bänderriss im Knie) auflaufen wird.

Gomez: "Ich bin in Tritt"

Auch in München ist der 27-Jährige momentan nur Ersatz hinter Mario Mandzukic, doch die fehlende Spielpraxis sieht er nicht als Nachteil:

"Ich bin in Tritt. Oft ist der Kopf entscheidend, nicht der Rhythmus. Ich habe bei den Bayern auch nach vier Monaten Pause bereits nach 27 Sekunden wieder getroffen", sagt der 57-malige Nationalspieler (25 Tore).

Gomez' Treffsicherheit könnte Löws Mannschaft gut gebrauchen.

Im für die WM 1998 erbauten Stade de France gelang Deutschland bei bislang zwei Auftritten noch kein Tor. 2001 verlor das DFB-Team 0:1, 2005 hieß es am Ende 0:0.

SPORT1 fasst die Fakten zum Spiel zusammen:

Direkter Vergleich:

Die Länderspielbilanz des DFB gegen Frankreich ist negativ. ( 524206 DIASHOW: Deutschland vs. Frankreich - legendäre Duelle )

In 24 Begegnungen gab es für Deutschland sieben Siege, sechs Unentschieden und elf Niederlagen.

Das Torverhältnis lautet 40:40. Den letzten Sieg gab es am 12. August 1987 in Berlin (2:1), der letzte Auswärtserfolg gegen Frankreich liegt sogar 78 Jahre zurück: am 17. März 1935 in Paris (3:1).

Spieler im Fokus: Franck Ribery

Der Bayern-Profi hat lange in seiner Heimat gefremdelt, doch jetzt fühlt er sich auch in Frankreich so wohl wie in München. "Seit der EM habe ich sehr gut gespielt", sagt Ribery: "Die Probleme sind vergessen, die Beziehung zu den Fans ist wieder in Ordnung. Ich bin glücklich und habe Spaß."

Ribery erzielte zuletzt drei Tore für die Equipe Tricolore, die mit dem Testspiel-Sieg in Italien (2:1) und dem 1:1 in der WM-Qualifikation in Spanien ihre starke Form unterstrich. (BERICHT: Vom Sündenbock zum Vorbild)

"Es geht gegen eine der besten Mannschaften der Welt. Dann auch noch in Paris, das ist herausragend", sagt Innenverteidiger Mats Hummels voller Vorfreude zu SPORT1.

"Frankreich ist ein renommierter Gegner, der stark im Kommen ist", meint DFB-Teammanager Oliver Bierhoff zu SPORT1: "Wir dürfen die Testspiele nicht zu klein reden. Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass es immer noch Dinge gibt, die wir abstellen müssen."

Das sagen die Trainer:

Bundestrainer Joachim Löw: "Ich sehe das Spiel als Härtetest. Frankreich hat zu alter Stärke gefunden. Wir müssen eine absolute Top-Leistung abrufen, wenn wir ihnen auf Augenhöhe begegnen wollen."

Frankreichs Trainer Didier Deschamps: "Wir wollen weiter Selbstvertrauen tanken und hoffen auf ein gutes Spiel. Wir müssen das vor unseren Fans genießen."

Personalsituation:

Löw muss verletzungsbedingt auf Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Marcel Schmelzer, Mario Götze und Marco Reus verzichten.

Bei Frankreich fehlt Real Madrids Raphael Varane verletzungsbedingt. Der Innenverteidiger wäre aber wohl nur Ersatzspieler gewesen.

Aufstellungen:

So spielt Deutschland: Adler - Lahm, Mertesacker, Hummels, Höwedes - Khedira, Gündogan - Müller, Özil, Podolski - Gomez

Voraussichtliche Aufstellung Frankreich: Lloris - Sagna, Koscielny, Sakho, Evra - Cabaye, Matuidi, Sissoko, Valbuena, Ribery - Benzema.

Schiedsrichter: Mazzoleni (Italien)