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Torschütze Sami Khedira (2.v.l.) wechselte 2010 vom VfB Stuttgart zu Real Madrid © getty

Nach 78 Jahren gewinnt Deutschland wieder in Frankreich. Zur Pause führen die Gastgeber, Müller und Khedira drehen die Partie.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Paris - Die deutsche Nationalmannschaft hat ihren Frankreich-Fluch hinter sich gelassen und das Länderspieljahr 2013 mit einem Sieg begonnen.

Knapp ein Jahr nach der 1:2-Niederlage in Bremen revanchierte sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit einem 2:1 (1:0) bei den Franzosen.

Es war der erste Erfolg einer DFB-Auswahl gegen die Equipe Tricolore seit 1987 und der erste Sieg in Frankreich seit 1935.

Mathieu Valbuena (44.) traf im nicht ganz ausverkauften Stade de France in Saint Denis vor den Toren von Paris für die Franzosen, Thomas Müller (51.) und Sami Khedira (74.) erzielten die Tore für das DFB-Team, das eine ansprechende Leistung zeigte und für den Doppelpack in der WM-Qualifikation gegen Kasachstan im März bestens gerüstet scheint.

Müller zufrieden

"Es gab viele Möglichkeiten auf beiden Seiten. In der ersten Halbzeit hatten wir eine gute Spielanlage, bekommen aber ein unglückliches Gegentor. Wir haben vermutlich unsere Siegermentalität wieder in uns", meinte Torschütze Müller.

Und Khedira ergänzte: "Zur Pause war es ein ungerechtes Ergebnis, weil wir schon in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt haben. Das Gegentor war unnötig, aber 90 Minuten lang die Franzosen ausschalten kann man nicht. In der zweiten Halbzeit haben wir die richtige Antwort gegeben."

Löw muss umbauen

Löw war durch das verletzungsbedingte Fehlen von Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Marcel Schmelzer, Mario Götze und Marco Reus zum Experimentieren gezwungen. (672344DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Für Schmelzer spielte - etwas überraschend - Benedikt Höwedes auf der linken Abwehrseite.

Ilkay Gündogan ersetzte Schweinsteiger an der Seite von Sami Khedira, Lukas Podolski übernahm Reus' Platz auf der linken Offensivseite und Mario Gomez spielte zum ersten Mal seit dem EM-Halbfinale gegen Italien in der Sturmspitze.

Rene Adler, der zum ersten Mal seit dem 17. November 2010 wieder im DFB-Tor stand, bekam in seinem elften Länderspiel zunächst kaum etwas zu tun.

Özil dreht auf

Deutschland war in der Anfangsphase die deutlich aktivere Mannschaft, von den Franzosen kam überraschend wenig.

Die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps, die zuletzt mit einem 2:1-Testspielsieg in Italien und einem 1:1 in Spanien in der WM-Qualifikation aufgetrumpft war, verhielt sich auffallend passiv.

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Im Mittelfeld glänzte Mesut Özil mit technisch ausgefeiltem Spiel und schönen Pässen, vergab aber die erste gute Chance.

Dem Spanien-Legionär fehlte im Abschluss die letzte Konsequenz und bei seinen Zuspielen ein Tick Genauigkeit. Dennoch war Özil in den ersten 25 Minuten der auffälligste und beste Spieler auf dem Platz.

Mertesacker trifft die Latte

In der 21. Minute brachte Özil eine Ecke von rechts hoch in den Strafraum, Per Mertesacker köpfte den Ball an die Latte.

Neben Özil beschäftigte auch Müller immer wieder die französische Defensive, doch auch dem Münchner gelang nicht alles.

Adler hält stark

Auf der anderen Seite war von seinem Klubkollegen Franck Ribery und auch von Real Madrids Karim Benzema zunächst kaum etwas zu sehen.

Erst nach 25 Minuten fanden die Gastgeber besser ins Spiel und hatten in der 27. Minute ihr erste Großchance.

Eine Flanke von Philipp Lahm blieb hängen, Valbuena spielte in den Lauf von Benzema, der frei vor Adler zum Schuss kam. Doch der Hamburger wehrte mit einer starken Parade ab.

Frankreich wurde stärker, während sich im deutschen Spiel die Schwachpunkte hervortaten: Höwedes hatte auf der ungewohnten linken Seite Probleme mit Valbuena, zudem kamen die meisten seiner Hereingaben nicht an, und Podolski agierte viel zu statisch und blieb ungefährlich.

Valbuena trifft

Für Gefahr sorgte zunehmend Ribery, der viel unterwegs war, mit Benzema rochierte und in der ersten Halbzeit nur selten direkt auf Lahm traf.

Etwas überraschend war die französische Führung aber dennoch.

Ein Freistoß von Benzema klatschte an die Latte, Adler und seine Vorderleute reagierten zu langsam und der kleine Valbuena traf aus kurzer Distanz per Kopf.

Gomez spielt schwach

Mit dem Rückstand ging es in die Pause. Das DFB-Team kam unverändert aus der Kabine, Frankreich wechselte zweimal.

Wieder erwischte Deutschland den besseren Start und nach einem feinen Pass von Gündogan traf Müller in der 51. Minute zum Ausgleich.

Löw wechselte erstmals, nahm Gomez, dem nicht viel gelungen war und sich nicht aufgedrängt hatte, vom Feld und brachte Toni Kroos. Der Münchner nahm Özils Position ein und der Madrilene spielte als hängende Spitze.

Frankreich macht Druck

Doch dem deutschen Spiel fehlte es an Durchschlagskraft, Frankreich übernahm das Kommando und hatte nach einer Stunde die nächste Chance: Ribery spielte zu Patrice Evra, und dessen Hereingabe verpasste Benzema nur um Zentimeter.

Frankreich machte Druck, die deutsche Abwehr wackelte leicht, aber sie fiel nicht.

Khedira erzielt die Führung

Löw brachte Andre Schürrle für den schwachen Podolski, und fünf Minuten nach dem Wechsel klingelte es zum zweiten Mal im Tor der Gastgeber.

Özils Zuckerpass verwertete Khedira mit einem Flachuss gegen den heraus eilenden Lloris.

Özil und Müller stark

Neben Özil war Müller der beste deutsche Akteur, kurz vor dem Siegtreffer rettete der Münchner im eigenen Strafraum.

In der 89. Minute hinderte Mertesacker Ribery nicht am Abschluss, doch Adler rettete mit einer Faustabwehr den Sieg im Klassiker.

Es war der achte Erfolg im 25. Spiel gegen die Grande Nation.

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