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Mario Gomez debütierte 2007 für die deutsche Nationalmannschaft © getty

Nach der Niederlage im Test gegen Norwegen sitzt bei der DFB-Elf der Frust tief. Nur Schweinsteiger findet etwas Positives.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Düsseldorf - Der äußere Rahmen war fast schon eines Finales würdig. Doch die Leistung des Vize-Europameisters beim ersten Länderspiel des Jahres konnte mit dem Vorprogramm nicht einmal annähernd mithalten.

"Ich bin enttäuscht", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem blamablen 0:1 (0:0) gegen Norwegen. "Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, nicht umgesetzt."

Tempo, Spielwitz, Kampf, Laufbereitschaft, Leidenschaft - Löws Mannschaft fehlte es gegen die defensiv eingestellten Skandinavier an allem, was eine gute Fußballmannschaft ausmacht.

"Norwegen hat es gut gemacht, aber dennoch muss man in der Lage sein, gegen solche Mannschaften besser und schneller zu kombinieren", kritisiert der Bundestrainer.ad

Mit Pfiffen in die Halbzeit

Mit viel Tamtam und Täterätä - die obligatorische Bundeswehrblaskapelle spielte die Nationalhymnen - sollten die Zuschauer in Düsseldorf ein Spiel eingestimmt werden, das doch nur ein Test war. Ein wichtiger allerdings.

Zwar war die schmucke Arena nicht ausverkauft, aber immerhin 45.000 waren zum ersten Länderspiel des Jahres gekommen. Ein klarer Sieg des Vize-Europameisters sollte es doch bitteschön sein, schließlich war der Gegner nur 58. der Weltrangliste und zudem stark ersatzgeschwächt angereist.

Doch die Zuschauer wurden bitter enttäuscht. Das DFB-Team wurde zur Pause und nach dem Schlusspfiff mit einem Pfeifkonzert in die Kabine geschickt.

Keine Bewegung im Spiel

"Ich verstehe, dass die Leute pfeifen und für ihr Geld ein gutes Spiel sehen wollen", sagte Bastian Schweinsteiger, der allerdings während der 90 Minuten zumeist auch nur durch gescheiterte Schussversuche auffiel.

Norwegen war mit Blick auf die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein und in Wales als idealer Simulationsgegner auserkoren worden. Doch der Sparringspartner streckte den Champion auf die Bretter. (DATENCENTER: Alle Testspiele im Überblick)

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"Die Norweger haben es gut gemacht, haben teilweise mit zehn Mann in der eigenen Hälfte gestanden und dann schnell nach vorne gespielt", meinte Miroslav Klose.

"Wir haben einfach keine Lösung gefunden, uns nicht getraut, Risiko-Bälle zu spielen und uns zu wenig bewegt", fand der Münchner, der nach einer blassen Vorstellung nach der ersten Halbzeit wie abgesprochen ausgewechselt wurde.

Nur eine Torchance nach der Pause

Doch auch mit Patrick Helmes, der für Klose kam, dem für den am Fuß verletzten Per Mertesacker eingewechselten Serdar Tasci und Debütant Andreas Beck (für Hinkel) wurde es nicht besser.

Spielerisch gute Aktionen blieben Mangelware, ein Linksschuss und ein Kopfball von Mario Gomez waren die einzigen hochkarätigen Torchancen.

"Wenn einer von meinen beiden Bällen reingeht, läuft das Spiel anders", meinte Gomez, der vor zwei Jahren in Düsseldorf beim 3:1 gegen die Schweiz sein Länderspieldebüt mit einem Tor gefeiert hatte.

Ligabetrieb keine Entschuldigung

Am mangelnden Willen und dem Gedanken an die kommenden Bundesligaspiele habe es jedenfalls nicht gelegen. "Wenn der Eindruck entstanden ist, dass wir nicht alles geben, ist es natürlich schade. Denn es ist nicht so. Jeder, der hierher kommt will sein Bestes geben, und da denkt keiner an den Samstag", erklärte Gomez weiter.

"Ich glaube nicht, dass wir uns für die Bundesliga schonen wollten. Wir wollten das Spiel gewinnen", meinte auch Klose und versprach "gegen Liechtenstein und Wales eine andere Einstellung."

Schweinsteiger sieht etwas Positives

Am 28. März steht das Spiel gegen Liechtenstein auf dem Programm, am 1. April die Partie in Wales. "Wir müssen beide Qualifikationsspiele unbedingt gewinnen", meinte Torsten Frings, der im Mittelfeld klar in Ballacks Schatten blieb.

"Meine Leistung ist für mich nicht wichtig", sagte der Bremer. "Wichtig ist, dass wir als Team funktionieren, und das haben wir nicht gemacht."

Schweinsteiger betonte den einzig positiven Aspekt des enttäuschenden Abends. "Liechtenstein, Wales und Finnland spielen ähnlich. Von daher haben wir schon einmal ein bisschen mitbekommen, wie schlecht es laufen kann."

Man solle jedoch "nicht gleich alles so dramatisch sehen", schließlich sei es die Stärke der deutschen Mannschaft, sich im entscheidenden Moment zu steigern: "Wenn es darauf ankommt, sind wir auch wieder da."

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