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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Heinrich Schmidtgal in Fürth zum Interview © getty

Der Fürther Heinrich Schmidtgal spricht bei SPORT1 über das Deutschland-Spiel und den schwierigen Rivalen Lahm.

Von Reinhard Franke

München - Heinrich Schmidtgal freut sich auf den großen Moment.

Der 27-Jährige zählt die Stunden bis zum Länderspiel mit Kasachstan gegen die deutsche Nationalmannschaft (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Der Linksverteidiger von Greuther Fürth ist quasi der Star in seinem Team. Und auch die klare Außenseiterrolle ist für den Fürther und seine nahezu unbekannten Kasachen kein Problem. Es gehe nur darum, von den Großen zu lernen und ein gutes Spiel abzuliefern, sagt Schmidtgal (DATENCENTER: WM-Qualifikation).

Der gebürtige Kasache, der beide Staatsbürgerschaften hat, spricht im SPORT1-Interview über das Duell gegen das DFB-Team, seine Vergangenheit und den Stellenwert des Fußballs für sein Land.

SPORT1: Herr Schmidtgal, wie groß ist nach den ernüchternden Monaten im Abstiegskampf mit Fürth Ihre Vorfreude auf die zwei Länderspiele gegen die Deutschen?

Heinrich Schmidtgal: Ich freue mich sehr, weil ich zuletzt auch mit einer Verletzung zu kämpfen hatte (Patellasehnenentzündung, Anm. d. Red.). Jetzt bin ich wieder fit und trainiere seit drei Wochen komplett mit der Mannschaft. Natürlich hatten wir in dieser Saison in Fürth nicht so viel Grund zum Jubeln und deshalb freue ich mich umso mehr auf die zwei Duelle gegen die DFB-Elf.

SPORT1: Die zwei Spiele sind echte Highlights für Sie?

Schmidtgal: Absolut. Sowas erlebt man nicht alle Tage. Ich hatte früher nur die deutsche Staatsbürgerschaft, aber durch die Nationalelf konnte ich auch den kasachischen Pass beantragen. Ich müsste daher lügen, wenn das kein besonderes Spiel für mich wäre.

SPORT1: Wie schwer ist für Sie der Spagat zwischen Abstiegskampf mit der Spielvereinigung und so zwei fußballerischen Leckerbissen?

Schmidtgal: Vom Kopf her ist das kein großes Problem. Anderer Wettbewerb, andere Ausgangssituation. Natürlich ist Deutschland in den beiden Spielen haushoher Favorit, aber wir wollen auch einige gute Aktionen in den zwei Duellen haben und unseren Fans etwas bieten.

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SPORT1: Sie werden es in den beiden Spielen gegen die Deutschen mit Philipp Lahm zu tun haben.

Schmidtgal: In Astana waren das rassige Duelle. Lahm hat ungefähr meine Größe, aber manchmal ist es besser, wenn man gegen einen bulligeren Typen spielt, da habe ich es als kleiner, wendiger Spieler oft leichter. Lahm ist einer der besten Außenverteidiger der Welt und da bin ich natürlich top motiviert. Wir alle werden gut vorbereitet in das Spiel gehen, aber es wird brutal schwer. Es geht uns nicht um das Ergebnis, wir wollen zwei gute Spiele abliefern.

SPORT1: Erzählen Sie doch mal etwas über Ihre Herkunft...

Schmidtgal: Meine Großeltern haben ihr ganzes Leben in Kasachstan verbracht. Meine Vorfahren sind aus Deutschland in die UdSSR ausgewandert, weil ihnen dort Land versprochen wurde, wo sie arbeiten konnten. Sie haben dort über mehrere Generationen gelebt und hatten schon den Wunsch, wieder nach Deutschland zurück zu gehen. Wir hatten auch andere Verwandte, die den Schritt zurück nach Deutschland gemacht hatten. 1987 sind wir dann nach Deutschland zurückgekehrt, da war ich gerade zwei Jahre alt.

SPORT1: Wie oft sind Sie noch in Kasachstan?

Schmidtgal: Leider nicht mehr so oft. Fast die komplette Verwandtschaft ist mittlerweile wie gesagt in Deutschland, nur ein Onkel von mir lebt noch in meiner Heimat. Ihn versuche ich so oft wie möglich zu besuchen, wenn ich auf Länderspielreise bin, weil der nicht so weit weg wohnt von unserem Sporthotel.

SPORT1: In der WM-Qualifikation gab es aus vier Spielen erst einen Punkt. Brasilien wäre eher utopisch, oder?

Schmidtgal: (lacht) Stimmt. Das ist nicht unser primäres Ziel. Wir hatten schon das eine oder andere Spiel, wo wir hätten punkten können zum Beispiel gegen Irland, wo wir bis zur 89. Minute 1:0 führen und dann noch 1:2 verlieren. Wir wollen einfach in unserer Gruppe so viele Punkte wie möglich holen.

SPORT1: Und auch von den Großen lernen?

Schmidtgal: Auf jeden Fall. Das musst du in solchen Duellen. Wir haben eine sehr junge Mannschaft und da lernt man viel gegen eine Weltklasse-Mannschaft wie die Deutschen. Ich kenne die meisten Jungs aus der Liga ganz gut, aber für die meisten Spieler bei uns ist das natürlich etwas ganz Besonderes.

SPORT1: Wie kann man überhaupt gegen die DFB-Elf bestehen?

Schmidtgal: Das ist für uns als Fußball-Entwicklungsland sehr schwer. Beim letzten Aufeinandertreffen in Astana haben wir das nicht so schlecht gemacht. Da stand es zur Halbzeit noch 0:0, wir hatten einige gute Offensivaktionen, haben dann am Ende leider mit 0:3 verloren, aber die Fans waren dennoch zufrieden mit unserem Spiel. Wenn wir so eine Leistung wieder abrufen könnten, wäre das prima.

SPORT1: Welche Bedeutung hat der Fußball für Ihr Land?

Schmidtgal: Fußball in Kasachstan hat schon einen hohen Stellenwert, es ist aber nicht so, dass es wie in Europa nur den Fußball gibt und danach nichts kommt. Wir haben schon andere Sportarten, die mit dem Fußball auf Augenhöhe sind wie Ringen, Boxen oder Eishockey. Die Fans unterstützen uns aber immer super in den Heimspielen und es macht einfach irre viel Spaß.

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Entwicklung in der Nationalmannschaft?

Schmidtgal: Ich habe zehn Länderspiele auf dem Buckel und kann unseren jungen Spielern schon einiges erzählen, wie es in Deutschland ist Fußball zu spielen. Die hören immer sehr gespannt zu und ich merke, dass ich innerhalb der Mannschaft einen hohen Stellenwert habe. Natürlich bin ich in einem größeren Fokus als die Jungs, die in Kasachstan spielen. Ich bin stolz für mein Land zu spielen und genieße die Zeit dort sehr.

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