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SPORT1-Redakteur Martin Volkmar (l.) traf Mario Götze in Frankfurt zum Interview © getty

Vor dem Länderspiel in Kasachstan spricht Dortmunds Mario Götze bei SPORT1 über den BVB, die Nationalelf und seine Zukunft.

Aus Frankfurt berichtet Martin Volkmar

Frankfurt/Main - Viel hat sich geändert in den letzten zwölf Monaten für Mario Götze.

Damals triumphierte Borussia Dortmund zwar in der Meisterschaft und im Pokal, aber das Supertalent war meist nur Bankdrücker.

Auch bei der EM kam der 20-Jährige gerade mal zehn Minuten zum Einsatz, weil er nach seiner Verletzung nicht topfit war.

In der neuen Spielzeit aber startete Götze dann durch und hatte mit seinen starken Leistungen großen Anteil am BVB-Erfolgszug in der Champions League.

Auch in der DFB-Auswahl ist er inzwischen Stammkraft und dürfte am Freitag in Kasachstan (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) sein 21. Länderspiel absolvieren (DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Sonntag ab 11 Uhr zu Gast im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1).

Vorher sprach Götze im SPORT1-Interview über das Duell gegen den Außenseiter, die Lage in Dortmund, seine Zukunft und seine Ziele.

SPORT1: Michael Zorc will Ihnen einen Rentenvertrag geben, damit Sie bis 35 beim BVB spielen. Wie ist Ihre Zukunftsplanung?

Mario Götze: Ich lasse mir das offen. Vereine wie Real Madrid, Barcelona oder Manchester United sind reizvoll, andere Top-Ligen würden einen prägen und man könnte sich weiterentwickeln. Aber so weit denke ich im Moment nicht. Ich bin glücklich in Dortmund und sehr froh, wie es läuft. Deshalb ist das noch ein Stück weg.

SPORT1: Also die Vertragsverlängerung bis 2016 im März war ein klares Zeichen für Dortmund?

Götze: Ja, sonst hätte ich nicht verlängert. Dann hätte es ja keinen Grund dafür gegeben.

SPORT1: Wie sehen Sie insgesamt Ihre Saison bislang? Sie hatten sich sicherlich viel vorgenommen, nachdem die Rückrunde 2012 und die EM wohl nicht nach Wunsch verlaufen sind...

Götze: Ich hatte mich gerade erst von der Verletzung am Schambein erholt, hatte im DFB-Pokalfinale nicht gespielt und war bei der Europameisterschaft nicht fit. Dieses halbe Jahr war schwer für mich. Ich habe mich dann ganz auf die neue Saison konzentriert. Das Wichtigste ist dabei, gesund und fit und immer in einem Top-Zustand zu sein. Das ist die Priorität, die ich mir gesetzt habe.

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SPORT1: Wenn man auf Ihre bisher starke Spielzeit schaut: Die Umsetzung hat gut geklappt, oder?

Götze: Ich hatte mir nach der Verletzung viel vorgenommen und wollte noch stärker zurückkommen. So wie es bislang gelaufen ist, abgesehen vom DFB-Pokal, war es als Mannschaft okay. Individuell möchte ich immer mehr - mehr Tore, mehr Assists, noch mehr spielen.

SPORT1: Trotzdem läuft es für den Verein zumindest nicht so gut wie in den letzten zwei Jahren. Finden Sie, dass der BVB abseits der Champions League zu kritisch bewertet wird in dieser Saison?

Götze: Ich glaube, in der Champions League hätte man tatsächlich nicht besser spielen können. Im Pokal sind wir gegen die Bayern ausgeschieden. Das kann passieren. Und in der Bundesliga sind wir voll im Plan, uns wieder für die Champions League zu qualifizieren. Dass der Abstand zu Platz eins jetzt so riesig ist, ist natürlich ärgerlich. Ich muss gestehen, dass die Bayern eine sehr, sehr gute Saison spielen und wir in unseren Spielen Punkte liegengelassen haben.

SPORT1: Ist das bei der Nationalmannschaft ein Thema zwischen Bayern- und BVB-Spielern?

Götze: (lacht) Vielleicht wird ab und an mal geflachst, aber das ist ja nicht böse gemeint. Hier bei der Nationalmannschaft ist etwas anderes als der Verein wichtig.

SPORT1: Aktuell sind es die zwei Spiele in der WM-Qualifikation gegen Kasachstan. Wie schafft es die deutsche Nationalmannschaft, dass dieser Doppelspieltag nicht zum Stolperstein wird?

Götze: Wichtig ist, dass wir mit der richtigen Einstellung ins Spiel gehen. Wir müssen überzeugt sein davon, dass wir das Spiel gewinnen. Offensiv müssen wir dominant auftreten und gleichzeitig darauf achten, dass wir keine blöden Fehler machen und durch eine Standardsituation oder einen Konter ein Gegentor kassieren. Sie werden sich weit zurückziehen und vor dem eigenen Tor einigeln. Es liegt an uns, die richtige Lösung zu finden.

SPORT1: Über ihre Position wird ja viel spekuliert, womöglich spielen Sie in einem System ohne echten Mittelstürmer ganz vorne. Könnten Sie damit leben?

Götze: Auf jeden Fall. Gegen einen tief stehenden Gegner bietet sogar das einige Vorteile. Da werden die Positionen oft gewechselt, das sorgt für Verwirrung. Dadurch sind wir nicht so leicht zu packen. Bei hohen Bällen wird es zwar schwierig für mich, aber den Aspekt vernachlässige ich jetzt mal (lacht).

SPORT1: Ist die Zeitumstellung ein Problem. Sie spielen um 24 Uhr Ortszeit?

Götze: Damit beschäftigen wir uns gar nicht. Wir bleiben ja in unserer Zeit. Wir machen alles einfach so wie immer, gefühlt ist es für uns dann ja 19 Uhr.

SPORT1: Zuletzt haben Sie ja mit Borussia Dortmund echte Fußballfeste auf der internationalen Bühne gefeiert. Müssen Sie sich gegen einen Gegner wie Kasachstan noch einmal extra motivieren?

Götze: Das ist ja das Gefährliche an dieser Partie. Wenn wir das Spiel auf die leichte Schulter nehmen und nicht mit der richtigen Einstellung antreten würden, dann ginge der Schuss ganz schnell nach hinten los. Das wollen wir natürlich nicht. Ich habe keine Bedenken, wir wollen unbedingt aus den zwei Spielen sechs Punkte holen.

SPORT1: Sind zwei Siege schon ein wichtiger Schritt in Richtung WM-Qualifikation?

Götze: Das hängt ja nicht nur von uns ab, sondern auch von den anderen Teams. Wir tun gut daran, sechs Punkte zu holen und zwei gute Spiele zu machen. Dann wird sich alles andere zeigen.

SPORT1: Berti Vogts hat erklärt, dass Deutschland Favorit bei der WM in Brasilien ist. Hat er Recht?

Götze: Es ist noch über ein Jahr bis zur Endrunde. Deshalb tun wir einfach gut daran, von Spiel zu Spiel zu denken. Erst mal müssen wir uns qualifizieren. Klar ist aber auch: wir sind eine gute Mannschaft mit hohen Zielen und wenn wir zu einem Turnier fahren, wollen wir es auch gewinnen.