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Bastian Schweinsteiger (M.) erzielte im 98. Länderspiel das 24. Tor © getty

Die Löw-Elf lässt sich weder vom Kunstrasen noch von der späten Stunde irritieren. Schweinsteiger, Götze und Müller treffen in Astana.

Astana - Die deutsche Nationalmannschaft war auch zur "Geisterstunde" hellwach:

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw erledigte seine Pflichtaufgabe in Kasachstan auch ohne echten Stürmer weitgehend souverän und trotzte beim glanzlosen 3:0 (2:0) in lockerer Manier auch den außergewöhnlichen Umständen mit Kunstrasen und fünf Stunden Zeitverschiebung.

Durch den verdienten Sieg im 4300 Kilometer entfernten Astana festigte die DFB-Auswahl auf dem Weg zur WM 2014 in Brasilien mit nunmehr 13 Punkten ihre Tabellenführung in der Qualifikations-Gruppe C.

Bereits am Dienstag in Nürnberg kann der dreimalige Welt- und Europameister erneut gegen die Kasachen nachlegen.

"Es war Pflicht, hier zu gewinnnen. In der Halbzeit war das Spiel irgendwie entschieden. Danach haben wir das Tempo rausgenommen, deswegen war weniger Rhythmus im Spiel. Aber wir haben gewonnen, das war wichtig", bilanzierte Löw.

Götze als Sturmspitze

Mittelfeld-Chef Bastian Schweinsteiger brachte Deutschland, das erstmals in einem Pflichtspiel im "spanischen System" auflief, vor 30.000 Zuschauern in der 20. Minute in Führung.

Die "falsche Neun" Mario Götze sorgte dann schon zwei Minuten später für die Vorentscheidung. Thomas Müller erzielte in einer schwachen zweiten Hälfte das 3:0 (74.).

"Es war sehr schwierig, weil Kasachstan sehr tief stand und die Räume eng gemacht hat. Es war wenig Platz, offensiv vernünftig zu spielen", sagte Götze und nannte das System ohne Stürmer "eine Variante, um flexibel zu bleiben."

Müller fasste das Spiel kurz und knapp zusammen: "Drei Punkte bleiben hängen, und das war's

Die deutsche Elf ließ sich gegen den schwachen 139. der Weltrangliste über weite Strecken weder vom ungewohnten Untergrund noch vom Anstoß um Mitternacht Ortszeit aus dem Rhythmus bringen.

Schweinsteiger fehlt im nächsten Spiel

Die Maßnahme von Löw, im "europäischen Modus" zu bleiben, zahlte sich aus. Vor allem in der ersten Hälfte ließ das flexibel agierende DFB-Team so keinen Zweifel am 62. Erfolg unter Löw aufkommen.

Nach der Pause baute die deutsche Elf, die in Nürnberg auf den gelbgesperrten Schweinsteiger verzichten muss, dann aber ab.

Die Mannschaft trat direkt nach der Begegnung den sechsstündigen Rückflug an und wurde am Samstagmorgen um 5.15 Uhr in Nürnberg erwartet.

Im Gepäck hatte der Bundestrainer immerhin die Gewissheit, dass es auch ohne klassischen Mittelstürmer gehen kann.

Kasachstan mit Schmidtgal

Der 53-Jährige hatte im Vorfeld des Partie ohnehin zu dieser Variante tendiert, die er zuvor schon in den Tests gegen Franreich (2:1) und die Niederlande (0:0) probiert hatte.

Kurzfristig war ihm die Entscheidung aber abgenommen worden, da sich Mario Gomez, der einzige echte deutsche Stürmer im Aufgebot, im Abschlusstraining eine leichte Zerrung zugezogen hatte.

Die Kasachen, bei denen der Fürther Heinrich Schmidtgal in der Startformation stand, zogen sich wie erwartet weit zurück und überließen den Gästen komplett die Initiative.

So entwickelte sich fast ein Powerplay der Deutschen, die immer wieder bemüht waren, schnell in die Spitze zu spielen.

So wurde es bereits in der 5. Minute für das Abwehr-Bollwerk der Gastgeber gefährlich, als Götze bei einem Alleingang vier Spieler abschüttelte, dann aber an Torwart Andrej Sidelnikow scheiterte.

Draxler muss verletzt raus

Genau solche Aktionen in Richtung Tor wünschte sich Löw im Vorfeld von seinen Offensivspielern.

Nur zwei Minuten später war es dann Julian Draxler, der in aussichtsreicher Position zum Schuss kam, aber das Ziel knapp verfehlte. Der 19 Jahre alte Schalker, der überraschend begann, prüfte in seinem vierten Länderspiel kurz danach noch Sidelnikow, ehe seine Startelf-Premiere schon nach 19 Minuten vorbei war.

Draxler musste nach einem Zusammenprall mit Mark Gurman mit Verdacht auf eine leichte Gehirnerschütterung ausgewechselt werden.

Für ihn kam England-Legionär Lukas Podolski zu seinem 108. Länderspiel und holte damit in der "ewigen" DFB-Rangliste Jürgen Klinsmann auf Rang drei ein.

Özil legt auf

Kaum im Spiel durfte der 27-Jährige schon jubeln. Nach Zuspiel von Özil war es Schweinsteiger, der mit seinem 24. Treffer im 98. Länderspiel für das erhoffte frühe Tor sorgte.

Der Münchner Mittelfeldchef hatte sich elegant in Position gebracht, sein Schuss wurde von Thomas Müller noch leicht abgefälscht. Für Schweinsteiger war es das erste Tor aus dem Spiel heraus seit August 2009.

Götze rollte nur wenig später nach einem Gewühl im Strafraum der Ball vor den Fuß: Der 20 Jahre alte Dortmunder ließ sich die Chance zu seinem vierten Tor im DFB-Dress nicht entgehen.

In der Folge blieb Deutschland klar am Drücker, ließ aber nach vorne die letzte Entschlossenheit vermissen. 73 Prozent Ballbesitz vor der Pause sprachen trotzdem eine klare Sprache.

Konysbajew trifft die Latte

Nach dem Wechsel schaltete die Löw-Elf über weite Strecken einige Gänge zurück.

Immer wieder schlichen sich Unkonzentriertheiten ein. Glück hatte Torwart Manuel Neuer bei einem Lattenschuss von Ulan Konysbajew (69.).

Zudem musste der Münchner Keeper gegen Schmidtgal (70.) retten, ehe Müller für klare Verhältnisse sorgte.

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