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Götze (Mitte) erzielte gegen Kasachstan im 21. Länderspiel sein viertes Tor © getty

Die DFB-Verantwortlichen sind mit dem Spiel ohne Keilstürmer zufrieden, Müller will Schweinsteiger das Führungstor abluchsen.

Aus Astana berichtet Gregor Derichs

Astana - Der Auftritt in Astana ohne einen echten Stürmer hatte Folgen, er führte zu leichten innerbetrieblichen Schwierigkeiten beim FC Bayern München.

Beim glanzlosen 3:0 (2:0) der deutschen Nationalmannschaft in Astana gegen Kasachstan trafen mit Bastian Schweinsteiger (20.), Mario Götze (22.) und Thomas Müller (74.), drei Spieler, die der DFB in seiner Kaderliste als Mittelfeldakteure führt (Bericht: Glanzloser Sieg in Kasachstan).

Um das erste Tor entwickelte sich dann ein Münchner Tauziehen.

Müller reklamiert Tor für sich

Schweinsteiger hatte nach einem technischen Glanzstück, abgeschlossen mit einem satten Schuss, seinen ersten DFB-Treffer seit langer Zeit erzielt. Doch Müller reklamierte das Tor wegen einer leichten Berührung für sich.

"Das Komitee muss entscheiden. Ich würde mich freuen, wenn es meins war." Schweinsteiger wies die Ansprüche zurück: "Der hat es doch nur mit seiner Hühnerbrust leicht berührt."

Schweini fehlt in Nürnberg

Müller, der an allen drei Toren beteiligt war, wurde auch so zum Kunstrasenkönig von Astana. Und am Dienstag, wenn Schweinsteiger in Nürnberg wegen seiner zweiten Gelben Karte gesperrt sein wird, kann Müller seinen Ruf als Kasachstan-Experte weiter ausbauen (Diashow: DFB-Team - Einzelkritik).

Beim 4:0 in Kaiserslautern im März 2011 traf er gegen die Zentralasiaten zweimal.

Damals wurde Mario Gomez vom Lauterer Publikum bei seiner Einwechslung brutal ausgepfiffen. Ob er in Nürnberg dabei ist, steht noch nicht fest. In Astana fiel der 27-Jährige wegen einer "kleinen, leichten Zerrung" (Löw) im Oberschenkel aus, die er sich beim Abschlusstraining zugezogen hatte.

Zur Systemänderung sanft gezwungen

Bundestrainer Joachim Löw wurde also zu dem System, ohne echte Stürmer zu spielen, gezwungen. Wobei er möglicherweise das Konzept auch mit einem ganz gesunden Gomez durchgezogen hätte. Und wie verletzt der Mittelstürmer wirklich war, war eine oft gestellte Frage in Astana.

Da auch Miroslav Klose noch wegen Verletzung im Kader fehlt und Löw bei der Nominierung mit Stefan Kießling wieder den aktuell erfolgreichsten deutschen Torjäger ignoriert hatte, machte Götze den Mittelstürmer.

Auch Marco Reus, der in Astana gesperrt war, kommt am Dienstag dafür in Frage.

"Das ist eine Variante für unser Spiel. Wir werden nie ohne eine Nummer neun spielen", betonte Löw. Als ehemaliger Mittelstürmer der Kategorie, die nun abgeschafft werden könnte, täte ihm die Diskussion weh, sagte Manager Oliver Bierhoff.

Positionen müssen besetzt sein

"Wichtig ist, dass die Positionen immer besetzt sind. Gerade beim Flachpassspiel, das wir bevorzugen, ist es nicht immer ganz so wichtig, vorne einen Keilstürmer zu haben", sagte Bierhoff.

Die kleinen, wuseligen Zwerge wie Götze, Reus oder auch Mesut Özil sollen sich also auf der Neuner-Position bewegen und nicht orientierungslos als eine Art freie Radikale rumlaufen. Aber schwierig ist das Ganze für Götze sowieso nicht (Diashow: Die Bilder des Spiels).

"Ich habe kein Problem mit der Position. Das ist kein allzu großer Unterschied zur Zehn. Das macht uns unberechenbarer."

Schweden patzt gegen Irland

Die beste Nachricht erfuhren die Spieler erst nach der Rückkehr um kurz nach 5 Uhr am Samstagmorgen. Der Sieg gewann auf dem Flughafen in Nürnberg durch das 0:0 des wohl härtesten Gruppengegners Schweden zu Hause gegen Irland nachträglich an Wert.

Damit führt die deutsche Nationalmannschaft die Gruppe C in der WM-Qualifikation fast wieder ungefährdet an. Der lästige Abstecher nach Astana war zu einem großen Schritt zur WM 2014 in Brasilien geworden.

Bei der Nachtschicht auf Kunstrasen waren aber kleinere Schäden zu beklagen. Gomez angeschlagen, Schweinsteiger gesperrt, und Julian Draxler musste bei seinem Startelf-Debüt früh ausgewechselt werden.

Heftiger Brummschädel bei Draxler

Nach einem Zusammenprall mit einem Kasachen klagte der Schalker über einen ordentlichen Brummschädel und Sehproblemen und verließ für Lukas Podolski den Platz. "Poldi" war wegen seines aus Arsenal mitgebrachten Fußproblems zunächst geschont worden.

Mit der Landung nach Halbschlaf in den Business-Seats begann mit der Fahrt ins Quartier nach Herzogenaurach die Vorbereitung auf Teil II der Kasachstan-Spiele.

Löw nominiert Bender nach

Den Kader füllte Löw deswegen mit Sven Bender auf. Der Dortmunder hatte die Astana-Reise wegen einer Grippe, die wieder abgeklungen ist, absagen müssen.

Zudem hofft Löw, dass am Dienstag auch Draxler und Gomez wieder einsatzfähig sind.

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