vergrößern verkleinern
Die WM 2014 wird für Joachim Löw (l.) das vierte große Turnier als Bundestrainer © getty

Oliver Bierhoff übt sich mit Blick auf die WM 2014 in Understatement. Löw fordert im Rückspiel gegen Kasachstan Seriosität.

München - Durch den souveränen, aber glanzlosen 3:0 (2:0)-Erfolg im Qualifikationsspiel am vergangenen Freitag in Kasachstan hat die deutsche Nationalelf zwar einen weiteren wichtigen Schritt Richtung WM 2014 gemacht.

Ob die DFB-Auswahl in Brasilien um den Titel mitspielen kann, wagt Oliver Bierhoff aber zu bezweifeln.

"Ich habe großen Respekt vor einer WM in Brasilien", sagte der Nationalmannschafts-Manager am Sonntag und führte aus: "Für Europäer ist es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dort zu gewinnen. Das wird ein ganz harter Brocken. Südamerikanische Mannschaften haben dort einen Vorteil."

Die Geschichte gibt Bierhoff recht: Noch nie hat eine europäische Mannschaft bei einer WM in Süd- oder Nordamerika den Titel gewonnen.

Niersbach: "Gehören zu den Titelanwärtern"

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hingegen zählt das deutsche Team bei den Titelkämpfen im kommenden Jahr durchaus zum Favoritenkreis.

"Wir werden mit einer Mannschaft nach Brasilien fahren, die zu den Titelanwärtern gehört", betonte der 62-Jährige Volkswagen Dopppelpass auf SPORT1.

Zusätzlichen Druck auf Bundestrainer Joachim Löw wolle er aber nicht ausüben: "Wir werden aus Sicht des Verbandes ganz gewiss nicht sagen: Er muss einen Titel gewinnen. Kein Trainer dieser Welt kann Titel garantieren."

Mit Blick auf die Trainerfrage fügte Niersbach hinzu: "Wir haben keinen Plan B."

[kaltura id="0_4s92vf9g" class="full_size" title="Bierhoff schreibt WM Titel jetzt schon ab"]

Jansen und Herrmann rücken nach

Einen Plan B braucht stattdessen Löw selbst, sind die Personalnöte im deutschen Team vor dem zweiten Duell mit Kasachstan am Dienstag (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) doch noch einmal größer geworden.

So nominierte der 53-Jährige nach den Ausfällen von Julian Draxler (Gehirnerschütterung) und Bastian Schweinsteiger (Gelbsperre) neben dem Dortmunder Sven Bender am Sonntag auch noch den Hamburger Marcell Jansen und Gladbachs Patrick Herrmann nach.

Mentalität als größtes Problem

Nachdem sein Team in Astana den widrigen Umständen mit Kunstrasen und Zeitumstellung trotzte und das neue System mit einem "falschen Neuner" eine erfreuliche Pflichtspiel-Premiere erfuhr, betrachtet der Bundestrainer aber weniger die Personalsorgen als die Mentalität als aktuell größtes Problem.

In der zweiten Halbzeit seien "Nachlässigkeiten im Spiel" gewesen, analysierte er: "Wir haben den Faden verloren, das Tempo rausgenommen, zu leicht den Ball verloren. Das hätte nicht passieren dürfen, und das ärgert mich." (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Bierhoff und Niersbach warnen

Auch Niersbach forderte bei SPORT1: "Es muss intern kritisch aufgearbeitet werden, warum es in einem Spiel, das man eigentlich im Griff hat, so eine Phase gibt."

Bierhoff ergänzte: "Auch gegen Kasachstan ist es passiert, dass wir den roten Faden und die Linie verloren haben. Gegen Kasachstan ist das gut ausgegangen, aber gegen starke Gegner wird es anders aussehen."

Deshalb sei es nun wichtig, den Spielern "einzutrichtern, welche Entwicklungen in solch einem Spiel passieren". Gerade bei der WM 2014 sei die Mentalität wichtig, um andere Nachteile auszugleichen.

Löw fordert Seriösität

Diese Signale sind für Löw vor dem erneuten Kräftemessen mit dem 139. der Weltrangliste fatal.

"Es ist schon ungewöhnlich, dass man zweimal hintereinander in so kurzer Zeit gegeneinander spielt. Wenn man dann auswärts 3:0 gewinnt, entsteht schon die Gefahr im Unterbewusstsein, dass man sagt, zu Hause wird man das Spiel gewinnen, egal was man dafür tut", sagte er:

"Also müssen wir die Spieler daran erinnern, dass wir nur dann gewinnen können, wenn die Seriösität und die Einstellung zu 100 Prozent vorhanden sind."

Gomez und Höwedes wackeln

Das Auftreten am Dienstag wird aber nicht zuletzt auch von den personellen Voraussetzungen abhängen.

Nominell stehen Löw auch dank des nach einer Gelbsperre zurückkehrenden Dortmunders Marco Reus zwar mehr Profis zur Verfügung als beim Hinspiel, die Einsätze von Mario Gomez (Oberschenkelzerrung) und Benedikt Höwedes (Oberschenkelverhärtung) sind aber weiter fraglich.

Hinter dem Einsatz der beiden, die individuell im Hotel trainierten, steht laut Bierhoff ein "kleines Fragezeichen". Vor allem bei Gomez werde erst "kurzfristig" eine Entscheidung fallen.

Podolski voll belastbar, Özil trainiert allein

Dagegen sei Lukas Podolski, der sich seit Wochen mit einer Knöchelverletzung herumplagt, voll belastbar.

Mittelfeld-Star Mesut Özil pausierte zwar beim Mannschaftstraining und absolvierte eine Individual-Einheit, ist aber uneingeschränkt einsatzbereit.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel