Bundestrainer Löw schätzt die Titelchancen optimistischer ein als Manager Bierhoff. Die Neuner-Debatte nennt er "schwachsinnig".

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Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Herzogenaurach - Joachim Löw machte einen vollauf zufriedenen Eindruck, als er am Montagmittag im Hauptquartier des DFB-Ausrüsters in Herzogenaurach vor die Medien trat.

"Ich sehe für uns eine sehr, sehr gute Position, wir haben es selber in der Hand", sagte der Bundestrainer zur Situation der deutschen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation vor dem Rückspiel am Dienstag gegen Kasachstan (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel in Astana und dem Punktverlust des ärgsten Verfolgers aus Schweden kann das DFB-Team in Nürnberg mit einem weiteren Sieg gegen den 139. der Weltrangliste einen großen Schritt in Richtung WM-Endrunde machen. (NACHBERICHT: Spanische Experimente)

Dass der Titel in Brasilien nur äußerst schwer zu erringen sein wird, ist Löw bewusst. Schließlich hat noch nie eine europäische Mannschaft ein WM-Turnier in Süd- oder Nordamerika gewonnen.

Löw gibt Bierhoff recht

"Nach menschlichem Ermessen ist es wahnsinnig schwer, in Südamerika den Titel zu gewinnen, absolut", meinte Löw und gab damit im Prinzip Oliver Bierhoff recht, schätzt die Chancen auf den Titel aber etwas optimistischer ein als der DFB-Teammanager.

Bierhoff hatte am Sonntag erklärt, dass der Titel für eine europäische Mannschaft "ein Ding der Unmöglichkeit" sei.

"Bierhoff hat gesagt 'eigentlich' ist es schwierig, in Südamerika eine WM zu gewinnen. Aber das heißt nicht, dass wir unsere Arbeit mit weniger Nachdruck und Konzentration angehen", betonte Löw.

"Nach menschlichem Ermessen"

"Eigentlich ist es wahnsinnig schwierig nach menschlichem Ermessen. Eigentlich. Aber eigentlich hat auch niemand erwartet, dass 2004 Griechenland Europameister wird", ergänzte der Bundestrainer.

Ein Triumph der DFB-Auswahl im kommenden Jahr wäre zwar keine so große Überraschung wie der Sensations-Triumph von Otto Rehhagels Griechen in Portugal, aber angesichts der starken Konkurrenz ein äußerst schwieriges Unterfangen.

"Wir werden alles tun, damit wir um den Titel mitspielen können", kündigte Löw an: "Wir fahren als Mitfavorit nach Brasilien, aber es gibt eine ganz Reihe von Mannschaften, die eine unglaublich hohe Qualität haben."

Niersbach zählt DFB-Team zum Favoritenkreis

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zählt das deutsche Team bei der WM 2014 durchaus zum Favoritenkreis.

"Wir werden mit einer Mannschaft nach Brasilien fahren, die zu den Titelanwärtern gehört", betonte Niersbach am Sonntag im Volkswagen Dopppelpass auf SPORT1.

Zusätzlichen Druck auf Löw, dessen Arbeit er ausdrücklich lobte, wolle er aber nicht ausüben: "Wir werden aus Sicht des Verbandes ganz gewiss nicht sagen: Er muss einen Titel gewinnen. Kein Trainer dieser Welt kann Titel garantieren", sagte Niersbach.

Löw fodert eine Entwicklung

Löw legte am Montag die Konzentration auf das Hier und Jetzt. "Wir müssen uns erst einmal qualifizieren, die WM ist noch viel zu weit weg. Wir müssen uns als Mannschaft entwickeln", forderte Löw vor dem Rückspiel gegen die Kasachen.

Gegenüber dem 3:0-Sieg in Astana am Freitag werde es "zwei, drei Veränderungen" geben, kündigte der Bundestrainer an.

Für den gelbgesperrten Bastian Schweinsteiger wird der Dortmunder Ilkay Gündogan in die Mannschaft rücken. Auch Marco Reus, der in Kasachstan gelbgesperrt aussetzen musste, darf sich Hoffnungen auf einen Platz im Team machen.

Hinter Mario Gomez und Benedikt Höwedes stehen noch Fragezeichen. Sollte Gomez, der das Hinspiel wegen einer Zerrung verpasste, nicht spielen können, wird wohl Mario Götze erneut den Platz im Angriffszentrum einnehmen.

Stürmer-Debatte nervt Löw

"Was die Position vorne betrifft, kann ich im Moment nichts Konkretes sagen", erklärte Löw, der sich gegen Mutmaßungen wehrte, er habe etwas gegen den Stürmer an sich.

"Es ist schwachsinnig zu sagen, Löw will den Stürmer abschaffen. Wir spielen natürlich mit einem Stürmer", meinte der 53-Jährige und ergänzte: "Die ganze Diskussion geht mir in die falsche Richtung."

Man brauche immer einen Spieler, der sich in vorderster Linie bewege. "Ein Stürmer muss handlungsschnell, technisch stark und im Abschluss gut sein", nannte Löw das Anforderungsprofil eines Angreifers.

"Wir haben diese Stürmer mit Gomez und (Miroslav) Klose, wenn sie in einer guten Form sind. Es können aber auch andere Typen auf dieser Position spielen", meinte Löw. Es gebe in der Entwicklung gewisse Anpassungen, "dem muss man Rechnung tragen."

Boateng vor Einsatz

Sollte in der Innenverteidigung Höwedes nicht rechtzeitig fit werden, könnte der Münchner Jerome Boateng neben Per Mertesacker zum Einsatz kommen.

Mertesacker musste am Montag eine teaminterne Niederlage einstecken. Bei einem WM-Quiz mit Mitarbeitern des DFB-Ausrüsters unterlag der Arsenal-Profi dem Team von Sven Bender. Dessen Team antwortete schneller auf die entscheidende Frage, wann die WM in Brasilien beginnt.

Am 12. Juni startet das Turnier in Sao Paulo. Bis dahin hat Löw mit seiner Mannschaft noch viel zu tun. Er ist, so scheint es, auf einem guten Weg.

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