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Ilkay Gündogan wechselte 2011 vom 1. FC Nürnberg zu Borussia Dortmund © imago

Der Dortmunder ersetzt gegen Kasachstan Schweinsteiger. Löw und Gündogans Ex-Trainer sehen ihn am Beginn einer großen Karriere.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Nürnberg - Ilkay Gündogan ist kein Freund großer Worte.

"Ich mag es nicht besonders, über mich zu reden", sagt er gern, wenn es um die Einschätzung seiner eigenen Leistung geht. "Das sollen andere beurteilen."

Zum Beispiel Joachim Löw. "Er hat alle Voraussetzungen, um ein Weltklassespieler zu sein", sagte der Bundestrainer am Vortag des WM-Qualifikationsspiels gegen Kasachstan (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Gündogan werde spielen, legte sich Löw wie selbstverständlich fest. Der Dortmunder wird den gelbgesperrten Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld ersetzen.(DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Rückkehr nach Nürnberg

Die Partie in Nürnberg ist für Gündogan die siebte im Nationaltrikot und eine ganz besondere, schließlich spielte er von 2009 bis 2011 im Frankenland.

Der in Gelsenkirchen geborene Deutsch-Türke ist ein bodenständiger Typ, seine Wurzeln sind ihm wichtig.

Dass er am Montagabend zusammen mit Jerome Boateng und Sami Khedira bei der Verleihung des DFB-Integrationspreises auftrat, bei dem Jugend- und Sozialprojekte im Fußball ausgezeichnet wurden, passt ins Bild.

Gündogan erst am Anfang seiner Entwicklung

"Es ist toll, in der alten Heimat auflaufen zu dürfen. Ich hatte tolle Jahre hier, habe dem Verein und der Stadt viel zu verdanken", erklärte Gündogan.

Auch Michael Oenning hat "Illy", wie er von seinen Mitspielern genannt wird, einiges zu verdanken.

Nürnbergs damaliger Coach, der ihn bis 2008 bei der U 19 des VfL Bochum trainierte, holte zum Club und verschaffte ihm den Start in den großen Fußball.

"Ich habe Ilkay damals schon nach dem ersten Training gesagt, dass er mal Profi werden wird", sagte Oenning der "Bild". "Der Junge hat alles und ist mit 22 Jahren noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung", glaubt Oenning.

Sehr gutes Zwischenzeugnis

"In den Spielen, die er bei uns gemacht hat, war ich absolut zufrieden mit ihm", stellt Löw dem Abiturienten ein sehr gutes Zwischenzeugnis aus: "Er war wahnsinnig präsent, hat das Spiel schnell gemacht, die richtigen Pässe gespielt."

So zum Beispiel beim 2:1-Sieg in Frankreich Anfang Februar, als Gündogan einen diagonalen Traumpass in den Lauf von Thomas Müller zauberte, den der Münchner zum 1:1 verwertete.

Als ein Journalist ihn anschließen auf ein perfektes Spiel ansprach, wehrte Gündogan ab.

"Perfekt würde ich nicht sagen, da ist noch vieles ausbaufähig. Eine perfekte Leistung will man auch nie bringen, weil man sonst keine Ziele mehr hat", erklärte er und nannte seinen Auftritt "ordentlich".

"Wie der junge Schweinsteiger"

Löw äußerte sich euphorischer. Er fand den Dortmunder "wahnsinnig präsent, extrem ballsicher und aggressiv gegen den Ball."

Gündogan sei spielintelligent und "ein bisschen so wie der junge Schweinsteiger", hatte Löw die Spielweise des 22-Jährigen in der Vorbereitung auf die EM 2012 charakterisiert.

In Polen und der Ukraine war der Ex-Nürnberger dann aber nur als Beobachter dabei. Er spielte zwar keine Minute, konnte jedoch viel lernen.

Gegenüber der vergangenen Spielzeit, in der er schon zu den Leistungsträgern beim BVB gehörte, hat sich der Dortmunder noch einmal verbessert, gerade auch in der Balleroberung.

Nachweis der Klasse

Bei Dortmunds glanzvollen Auftritten in der Champions League gegen Manchester City und Real Madrid zeigte er, dass er auf internationalem Top-Niveau mithalten kann.

Nach dem Frankreich-Länderspiel äußerten einige Fachleute, darunter SPORT1-Experte Olaf Thon, Gündogan habe Schweinsteiger schon den Rang abgelaufen.

Die Diskussion dürfte Gündogan selbst eher unangenehm gewesen sein.

Oenning warnt vor verfrühtem Wechsel

Das angebliche Interesse des FC Barcelona dürfte ihm eher geschmeichelt haben. Er steht bei Spaniens Topklub auf der Liste, lautete zuletzt ein Gerücht auf dem Transfermarkt.

Für seinen ehemaligen Trainer käme dieser Schritt zu früh. "So einen Schritt kann er immer noch machen, wenn er 25 oder älter ist", findet Oenning.

2009 zahlte Nürnberg für Gündogan noch 50.000 Euro, zwei Jahre später kassierten die Franken von Borussia Dortmund schon 4,5 Millionen. Zwei weitere Jahre später wird der Marktwert des Mittelfeld-Strategen bereits auf 20 Millionen geschätzt.

Die Gefahr, das Gündogan abhebt, besteht trotz der gehandelten Summen nicht.

Lob von allen Seiten

"Er ist charakterlich unglaublich stark und sehr intelligent", sagt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Und auch Marco Reus ist voll des Lobes. "Ilkay ist eine Art Kopf für uns", berichtet sein Dortmunder Vereinskollege: "Und ich bin sicher, dass er auch in der Nationalmannschaft eine tragende Rolle spielen kann."

Am Dienstag gegen Kasachstan ist Gündogan noch Ersatzmann für Schweinsteiger.

Der Münchner ist sechs Jahre älter. Wenn der Dortmunder sich weiter so entwickelt wie zuletzt, könnte ihm schon bald die Zukunft gehören.