vergrößernverkleinern
Robert Enke absolvierte bisher ein Spiel für die deutsche Nationalmannschaft © getty

Beim DFB sucht man weiter nach der neuen Nummer eins. Gegen Belgien erhält Robert Enke die Chance, sich zu beweisen.

Von der DFB-Elf berichtet Martin van de Flierdt

Herzogenaurach - Zumindest zu einer klaren Aussage rang sich Bundestorwarttrainer Andreas Köpke im Vorfeld des Benefiz-Spiels der deutschen Nationalmannschaft in Nürnberg (Mi., ab 20.30 Uhr LIVE) gegen Belgien dann doch durch.

"Am Mittwoch spielt Robert Enke auf jeden Fall", kündigte Köpke das zweite Länderspiel des Schlussmanns aus Hannover nach dem 0:1 gegen Dänemark im März 2007 an.

"Das ist sicherlich auch dadurch bedingt, dass Rene Adler, Manuel Neuer oder Roman Weidenfeller verletzt sind."

Ein deutliches Vertrauensbekenntnis hört sich anders an.

Weiter auf der Suche

"Im Moment haben wir im Tor einen offenen Konkurrenzkampf", meinte Köpke. "Sobald wir das Gefühl haben, dass einer unsere Nummer ist, werden wir uns auch festlegen und diesem Torwart bedingungslos den Rücken stärken." Keine Nachrückerregelung.

So weit ist es bei Enke ganz offensichtlich noch nicht. "Wir haben nicht die Situation wie früher schon häufiger, dass eine langjährige Nummer zwei zur Nummer eins aufrückt", beschrieb Köpke den Status quo.

Schulter-OP stoppt Adler

Der Vermutung, dass gegen die Belgier eigentlich die Länderspielpremiere von Adler angedacht war, ehe eine Schulteroperation beim Leverkusener diese Planspiele zunichte machte, liegt daher nahe.

Dass sowohl Adler als auch Enke für den ersten und einzigen Test vor Beginn der WM-Qualifikation am 6.September in Liechtenstein nominiert würden, stand für den DFB-Trainerstab allerdings außer Frage.

Bonus für EM-Duo

"Beide haben während der sechs Wochen bei der EM einen hervorragenden Eindruck hinterlassen und daher einen kleinen Bonus", begründete Bundestrainer Joachim Löw im "kicker".

Wer von den beiden vorerst zur Nummer eins erklärt wird, habe man, so Köpke, "noch nicht entschieden gehabt", als die Nachricht der Verletzung Adlers eine derartige Diskussion überflüssig machte.

"Eine Schulteroperation ist für einen Torwart sicher keine einfache Angelegenheit", meinte der Europameister von 1996. "Es ist wichtig, dass er nicht zu früh wieder anfängt. Auf eine Woche Pause mehr oder weniger kommt es nicht an."

"Robert hat es in der Hand"

Die Zwischenzeit bietet Enke die Möglichkeit, sich in den Spielen gegen Belgien, in Liechtenstein und Finnland (10. September) als Stammtorwart zu empfehlen.

"Robert ist ein erfahrener Bundesligaprofi, auf den man sich 100-prozentig verlassen kann. Er hat es in der Hand, durch Leistung zu überzeugen", sagte Köpke.

Enke selbst sieht die Lage entspannt: "Ich freue mich auf das Spiel, auch wenn es mir für Rene leidtut, dass er nicht dabei sein kann."

Er wisse nicht, wie die Trainer sich entschieden hätten, wenn es anders gekommen wäre.

Große Chance für Enke

"Aber warum soll ich mir das jetzt überlegen? Ich war die Nummer zwei bei der EM, ohne dass ich daraus irgendeinen Anspruch abgeleitet hätte", meinte er. "Wenn ich aber nun die Möglichkeit bekommen sollte, zwei, drei Spiele am Stück zu machen, dann ist das die Chance, die man nutzen muss."

Dass sein nüchternes Spiel selten schlagzeilenträchtig ist und er in der Öffentlichkeit daher womöglich nicht so gut wegkommt, stört Enke nicht.

"Es gibt sicher Torhüter, die spektakulärer spielen als ich", bekennt der 30-Jährige. "Aber ich kann das nicht, ich will das nicht und ich werde das auch nie tun."

Gespräche mit Wiese und Hildebrand

Mit Tim Wiese ist ein Vertreter dieser Spezies nun als Ersatz für Adler in den DFB-Kader nachgerückt. "Er hat in unserer Beurteilung eine sehr positive Beurteilung erhalten", erläuterte Löw die Benennung des als nicht pflegeleicht geltenden Bremers.

"Wir werden mit ihm erst einmal ein Gespräch führen, wie man sich das insgesamt weiter vorstellt", kündigte Köpke an. Ein solches Gespräch soll zeitnah auch mit Timo Hildebrand folgen.

Dem Keeper des FC Valencia sei inzwischen ein Brief zugegangen, in dem die Gründe dargelegt waren, warum er sich nicht im deutschen EM-Kader wiederfand.

Rensing vorerst kein Thema

"Einige seiner Aussagen in Interviews gingen in eine Richtung, die uns nicht gefallen hat", äußerte Köpke. "Deshalb wollten wir ihn bis zu diesem Gespräch nicht mehr nominieren." Die Tür sei prinzipiell aber für alle offen, deshalb werde künftig auch des Öfteren wieder ein dritter Torwart eingeladen, damit sich der DFB-Trainer stab von mehreren Kandidaten ein Bild machen könne.

Keine Rolle spielt vorerst allerdings Bayern Münchens neuer Stammtorhüter Michael Rensing. "Er ist sicherlich auf unserem Zettel", meinte Köpke zwar. "Aber man tut ihm keinen Gefallen, wenn man ihn jetzt schon ins Gespräch bringt oder sogar nominiert. Er soll erstmal seine Leistung konstant bringen."

Sollte Enke dies im DFB-Tor ebenfalls tun, dürfte es für die Konkurrenz ohnehin schwierig werden, ihn von dort wieder zu verdrängen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel