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Spielen gegen Brasilien um Bronze: Die belgische U-23-Mannschaft © getty

Belgien ist im Olympia-Fieber. Die halbe Mannschaft ist noch in Peking. In Belgien wird das Spiel nicht einmal live übertragen.

Von Martin van de Flierdt

Nürnberg ? Belgiens Sportbegeisterte beschäftigen derzeit ganz andere Dinge. Auch am elften Tag der Olympischen Sommerspiele von Peking warten Flamen und Wallonen noch auf die erste Medaille.

"Was läuft falsch im belgischen Spitzensport?", fragt daher die Tageszeitung "De Standaard" nicht ganz ohne Grund. Besonders die 1:4-Halbfinalniederlage der Fußballer gegen Nigeria hat die Stimmung gedrückt.

Das Auftreten der "Jonge Duivels" in China hatte bislang für Begeisterung gesorgt. Nun geht es im Spiel um die Bronzemedaille am Freitag gegen Brasilien, das schon im Gruppenspiel mit 1:0 die Nase vorne hatte. Es gibt leichtere Aufgaben.

Dass Belgiens A-Team heute (ab 20.30 Uhr LIVE ) in Nürnberg gegen Deutschland antritt, ist im Nachbarland beinahe untergegangen. Der Zeitpunkt der Partie ist für Nationaltrainer Rene Vandereycken auch alles andere als ideal.

Halbe Mannschaft in China

Nicht weniger als sechs Spieler, die beim letzten Länderspiel gegen Italien (1:3) noch in seinem Aufgebot standen, sind noch in Peking aktiv. Den Hamburger Vincent Kompany ließ er zudem bewusst außen vor.

"Ich habe ihm gesagt, dass es besser ist, wenn er erst einmal bei seinem Klub zur Ruhe kommt", begründete der ehemalige Bundesligaprofi von Blau-Weiß 90 Berlin diese Maßnahme.

Nach dem Hin und Her um den China-Trip des Abwehrspielers könne Kompany "weiteren Rummel um seine Person nicht gebrauchen, zumal das Spiel in Deutschland stattfindet".

Ohne Mpenza, Fellaini und Tchite

Mit dem an einer Rückenblessur laborierenden Angreifer Mbo Mpenza (AE Larisa) und dem erkrankten Mittelfeldmann Marouane Fellaini (Standard Lüttich) müssen die "Roten Teufel" kurzfristig auf zwei weitere Akteure verzichten.

Der eingebürgerte Kongolese Mohammed Tchite (Racing Santander) hat seinen belgischen Pass nicht rechtzeitig erhalten und steht ebenfalls nicht zur Verfügung.

Vandereycken, im EM-Finale 1980 gegen Deutschland (1:2) Schütze des zwischenzeitlichen Ausgleichstores, verzichtete auf Nachnominierungen.

Daems kehrt zurück

In seinem Aufgebot stehen mit unter anderem dem 35 Jahre alten Ex-Herthaner Bart Goor und dem Mönchengladbacher Filip Daems, der erstmals seit seinem Debüt am 31. März 2004 in Köln beim 0:3 gegen Deutschland wieder für seine Heimat spielen wird, ohnehin schon Routiniers, mit denen für die Zukunft nicht zwangsläufig geplant wird.

Der Einsatz des früheren Bremers Jelle van Damme (RSC Anderlecht) ist wegen Oberschenkelproblemen fraglich.

Angreifer Tom De Sutter (Cercle Brügge) wird hingegen gegen den Willen seines Vereinstrainers Glen De Boeck neben dem Ex-Gladbacher Wesley Sonck (FC Brügge) seine Länderspielpremiere feiern, obwohl er nach einer Knieoperation gerade erst wieder fit geworfen ist.

Schwere WM-Qualifikationsgruppe

Die WM?Qualifikation beschert der Mannschaft um Bayern Münchens Innenverteidiger Daniel Van Buyten am 6. September den Gegner Estland, vier Tage später tritt sie in der Türkei an.

Dass unter den übrigen Gruppengegnern neben Armenien und Bosnien-Herzegowina auch Europameister Spanien ist, schmälert die Hoffnung der belgischen Fußballfreunde im Nachbarland, nach 2002 endlich wieder den Sprung zu einem Großereignis zu schaffen.

Zumal Vandereycken trotz Vertrags bis 2010 nicht zuletzt aufgrund seiner Defensivtaktik ? nach einem derben 1:4 gegen Marokko bot er gegen Italien ein 3-6-1 auf ? wenig zugetraut wird.

Kritik von Wilmots

"Ich habe mit Vandereycken bei Standard Lüttich zusammengearbeitet. Da spielten wir auch mit sieben, acht Spielern in der Abwehr", berichtet der langjährige Schalke Marc Wilmots. "So eine Taktik mag ich nicht."

Sollte Belgien dennoch die WM-Endrunde in Südafrika erreichen, wird auch das öffentliche Interesse an der Nationalmannschaft wieder deutlich größer sein.

Die Begegnung gegen Deutschland ist gar die erste seit sechs Jahren, die im belgischen Fernsehen nicht live übertragen wird. Damals hieß der Gegner übrigens Andorra. Das darf durchaus zu denken geben.

Belgiens voraussichtliche Aufstellung:

Stijnen - Swerts, Van Buyten, Simons, Daems - Witsel, Mudingayi, Defour, Goor ? Sonck, De Sutter.

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