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Sami Khedira scheiterte mit Deutschland bei der EM 2012 im Halbfinale © getty

Der Real-Star fordert eine andere Spielphilosophie beim DFB-Team. Bierhoff ruft Özil zur Konzentration und ist zuversichtlich.

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München - Nun schlagen sogar die Spieler Alarm:

Nach der heftigen Kritik hat in Sami Khedira der nächste Nationalmannschafts-Star angesichts der massiven Defensivprobleme ein Umdenken bei der DFB-Auswahl gefordert.

Der 26-Jährige ging dabei noch weiter als zuvor Per Mertesacker (Bericht) und forderte sogar eine andere Spiel-Philosophie beim Weltranglisten-Zweiten.

"Wir dürfen nicht nur spektakulär offensiv spielen, sondern müssen auch zurück zu den alten Tugenden", sagte der defensive Mittelfeldakteur von Real Madrid.

Er fügte an: "Es ist alles schön und gut, wenn wir in jedem Spiel drei oder vier Tore schießen. Aber wenn man längerfristig denkt - und das tun wir - müssen wir schauen, dass wir diese Quote an Gegentoren schnellstmöglich korrigieren. Dafür müssen alle Mann daran denken, dass wir hinten ein Tor haben, dass wir verteidigen müssen."

Gegentorflut ggegen Underdogs

In den letzten drei Länderspielen gegen Paraguay (3:3), die USA (3:4) und Ecuador (4:2) hat die deutsche Nationalmannschaft neun Gegentore kassiert. Gegen international eher zweitklassige Kontrahenten und im Paraguay-Spiel sogar annähernd in Bestbesetzung.

"Gegen starke Gegner wird es entscheidend sein, möglichst gar kein Gegentor zu bekommen", mahnte Khedira schon mit Blick auf die WM in Brasilien, bei der Deutschland möglichst den ersten Titel seit 1996 holen will.

"Natürlich ist der ein oder andere Fehler in der Abwehr passiert", erklärte der 26-Jährige: "Aber das ist nicht nur ein Frage der Abwehr. Wir müssen insgesamt kompakter werden. Auch jeder Offensivspieler muss mithelfen, dass wir nicht mehr so anfällig sind."

Löws Balance-Suche ohne Fortschritt

Löw hatte schon vor drei Wochen nach dem Abpfiff in Kaiserslautern erklärt, dass man die Probleme vor den vorentscheidenden WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich am Freitag in München und auf den Färöern am 10. September (jeweils 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) "sowohl auf dem Platz als auch im Videostudium ansprechen und angehen" wolle.

Die "Balance im Team" hat der 53-Jährige sich seit langem auf die Fahne geschrieben, ohne in diesem Punkt ernsthafte Fortschritte erwirkt zu haben. Gegen den Begriff "deutsche Tugenden" - unter dem der Fußball-Fan im allgemeinen Einsatz, Laufbereitschaft und Zweikampfstärke versteht - hatte er sich jedoch stets gewehrt.

Kreativität und spielerische Klasse sollten die neuen deutschen Tugenden sein, hatte Löw stets gesagt: "Deutsche Tugenden sind mittlerweile eben auch sehr guter Angriffsfußball."

Bierhoff fordert Fokus auf Österreich

Die spektakuläre Flucht von Mesut Özil zum FC Arsenal hat derweil die Vorbereitung der Nationalmannschaft auf das Prestige-Duell gegen Österreich erst einmal in den Hintergrund gedrängt.

Nachdem der überraschende Wechsel des 24 Jahre alten Mittelfeldstars von Real Madrid am Montag kurz vor Mitternacht festgestanden hatte, drehte sich am Dienstag auch im Kreise der DFB-Auswahl fast alles um das Thema Özil.

Da half es auch wenig, dass Oliver Bierhoff "vollen Fokus" auf das wichtige WM-Qualifikationsspiel gegen den Erzrivalen forderte. Es sei jetzt auch für Özil wichtig, betonte der Teammanager, "nicht die ganze Woche den Transfer aufzuarbeiten. Es ist entscheidend, konzentriert zu trainieren. Jetzt ist der Zeitpunkt, die Nationalmannschaft im Kopf zu haben." Auch wenn es ein äußerst schwieriges Unterfangen ist.

Özil verspricht Sieg

Gegen Österreich soll der jetzt teuerste deutsche Spieler und wertvollste Profi der Arsenal-Geschichte für Deutschland den Unterschied ausmachen.

Und trotz des ganzen Wirbels um seine Person zeigt er sich zuversichtlich, dass dies auch klappt. "Wir werden den Fans etwas bieten und das Spiel auch für uns entscheiden. Davon bin ich überzeugt", sagte Özil, zumal Bierhoff bei ihm "eine neue Lust" ausgemacht hat.

Bierhoff will kein zweites Cordoba

Ohnehin ist der Optimismus trotz der jüngsten Rückschläge bei der DFB-Auswahl groß. Ein zweites Cordoba soll laut Bierhoff definitiv "nicht passieren".

Man wolle vielmehr "gut in das WM-Jahr starten, unsere Position in der Gruppe ausbauen und dominieren. Wir wollen von Beginn an zeigen, dass Österreich keine Chance hat.

Doch dazu muss die DFB-Auswahl, die sich mit Siegen gegen Österreich und auf den Färöern im Optimalfall sogar schon das WM-Ticket sichern kann, erst wieder einmal die Abwehrprobleme in den Griff bekommen.

Möglicherweise durch ein Umdenken, wie von Khedira gefordert.

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