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Zu Beginn der "neuen Periode" ist auf jeder Position der Konkurrenzkampf entfacht © getty

Wenn es am Mittwochabend für das DFB-Team gegen Belgien geht, stehen alle Positionen auf dem Prüfstand.

Von Martin van de Flierdt

Nürnberg ? Den Beginn einer "neuen Periode" hat Bundestrainer Joachim Löw für das heutige Länderspiel in Nürnberg gegen Belgien (ab 20.30 Uhr LIVE) ausgerufen. Erbhöfe soll es nicht mehr geben.

Alle Positionen stehen auf dem Prüfstand.

Das Tor hütet Robert Enke, in der Abwehr werden Serdar Tasci und Heiko Westermann zum Einsatz kommen, im Mittelfeld nehmen Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger zumindest vorübergehend die Plätze von Torsten Frings und Kapitän Michael Ballack ein.

Und im Angriff ist ein völlig neuer Konkurrenzkampf entbrannt. Waren zu Beginn der EM Miroslav Klose und Mario Gomez unbestritten erste Wahl, so darf sich inzwischen nicht einmal der WM-Torschützenkönig von 2006 seines Stammplatzes sicher sein.

"Miro hat mir gesagt, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist", berichtete Löw. "Er lebt aber von seiner Schnelligkeit und Dynamik." Möglich, dass Klose heute zunächst auf der Bank bleibt.

Die Konkurrenz schläft nicht

Sämtliche Konkurrenten des Münchners, der seit dem 1. März in 559 Bundesligaminuten ohne eigenen Treffer blieb, haben sich zum Liga-Auftakt bereits in Position gebracht. Gomez, Lukas Podolski und Patrick Helmes trafen ein, Kevin Kuranyi gleich zwei Mal.

"Jetzt geht es wieder von vorne los, und mein Ziel ist es, mir durch gute Leistungen bei Schalke auch einen Stammplatz in der Nationalelf zu erkämpfen", redet Kuranyi nicht um den heißen Brei herum. "Die WM in Südafrika ist mein Ziel, und da möchte ich dann auch spielen."

Gomez, der eine unglückliche EM hinter sich hat, gab sich im Sport1.de-Gespräch gelassen: "Die aktuell elf Besten spielen. Wenn ich im Verein gut spiele, spiele ich auch bei der Nationalmannschaft eine gute Rolle."

Podolski stellt Ansprüche

Podolski, am Dienstag für seine drei Tore bei der EM mit dem Silbernen Schuh geehrt, bescheinigte der Bundestrainer "einen optimalen Start" bei Bayern München, sieht den ehemaligen Kölner aber weiterhin zumindest als Alternative für das linke Mittelfeld.

Ähnlich verhält es sich mit Patrick Helmes auf der rechten Seite. "Ich habe lange genug auf der Bank gesessen, ich will dieses Jahr auf Dauer spielen", formulierte Podolski seine Ansprüche für Verein wie Nationalmannschaftsplatz.

Wer die Nase derzeit vorne hat, wollte Löw noch nicht verraten. "Insgesamt ist es nach wie vor so, dass wir viele gute Stürmer haben, die im Zentrum spielen können", äußerte er sich diplomatisch.

Sport1.de hat die Fakten zum Spiel:

Die Statistik:

Das DFB-Team spielt zum 23. Mal gegen Belgien. Bei 17 Siegen und vier Unentschieden steht bislang lediglich eine Niederlage zu Buche. Zuletzt trafen sich die beiden Teams am 31. März 2004 in Köln. Deutschland siegte durch Tore von Michael Ballack, Dietmar Hamann und Kevin Kuranyi mit 3:0.

Das wichtigste Duell, das EM-Finale 1980, entschied Horst Hrubesch mit zwei Toren für die DFB-Auswahl. Das Gegentor beim 2:1 erzielte der heutige belgische Nationaltrainer Rene Vandereycken.

Das Personal:

Mit Tasci wird heute der 18. Spieler der Ära Löw sein Länderspieldebüt feiern. Ob der Sohn türkischer Gastarbeiter von Beginn an spielt oder eingewechselt wird, ist noch offen.

"In den vergangenen zehn Jahren war es meist so, dass sich zwei Innenverteidiger um zwei Stürmer gekümmert haben", sagt Löw. "Das hat sich geändert und wir hatten nicht nut bei der EM unsere Probleme damit."

Auf der Position des Innenverteidigers "beginnt die intelligente Spielkultur". Der technisch starke Tasci sei als "hervorragender Innenverteidiger mit einer starken Spielauslösung".

Opfer des neuen Leistungsprinzips könnte Christoph Metzelder werden, denn den zweiten Platz im Abwehrzentrum besetzt Heiko Westermann. "Er hat sich den Einsatz verdient", meint Löw.

Bei den Belgiern stehen mit Daniel Van Buyten (Bayern München) und Filip Daems (Mönchengladbach), der nach vier Jahren Pause wieder für die "Roten Teufel" spielt, zwei aktuelle Bundesligalegionäre in der Startelf.

Bart Goor und Wesley Sonck sind aus ihren Zeiten in Berlin beziehungsweise Gladbach ebenfalls noch bekannt. Angreifer Tom De Sutter (Cercle Brügge) gibt seinen Einstand für die Auswahl, der neben Vincent Kompany sechs Peking-Fahrer fehlen.

Das sagen die Trainer:

Joachim Löw: "Das Spiel gegen Belgien ist der Beginn einer neuen Periode. Wir wollen in Nürnberg aufs Tempo drücken und dominant spielen. Jeder, der spielt, kann sich einen Vorteil erarbeiten. Form und Fitness kommen vor Namen."

Rene Vandereycken : "Der Termin ist nicht ideal. Aber er stand ja nicht erst seit gestern fest. Wir werden das Beste daraus machen. Wir werden uns gegen Deutschland auf das erste WM-Qualifikationsspiel gegen Estland vorbereiten und ich werde einiges ausprobieren."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Deutschland:Enke - Fritz, Tasci (Metzelder), Westermann, Lahm - Schweinsteiger, Rolfes, Hitzlsperger, Podolski - Kuranyi (Klose), Gomez

Belgien: Stijnen - Swerts, Van Buyten, Simons, Daems - Witsel, Mudingayi, Defour, Goor ? Sonck, De Sutter

Schiedsrichter: Thomas Vejlgaard (Dänemark)

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