Der DFB-Manager zeigt sich bei SPORT1 wieder angriffslustig. Zudem spricht er über das Österreich-Spiel, Özil und seine Zukunft.

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Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

München - Es ist ein besonderes Spiel für die deutsche Nationalmannschaft - das merkt man auch Oliver Bierhoff an.

Nicht nur, weil der frühere DFB-Kapitän selbst für Austria Salzburg spielte und seine Laufbahn als Teammanager der Nationalmannschaft vor fast genau neun Jahren mit einem 3:1 in Österreich begann.

Sondern auch, weil in diesem Prestigeduell mit dem kleinen Nachbarn seit der WM-Pleite 1978 von Cordoba immer Brisanz steckt und vor allem, weil die deutsche Auswahl mit einem Sieg gegen den Gruppenzweiten einen großen Schritt Richtung WM 2014 machen kann.

Vor dem siebten WM-Qualifikationsspiel (ab 20.15 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) nahm sich Bierhoff dennoch Zeit für ein Exklusiv-Interview für alle Plattformen von SPORT1 (Das Interview ist heute auch bei SPORT1.fm zu hören und ab 18.30 Uhr im TV auf Bundesliga AKTUELLzu sehen).

Der 45-Jährige spricht auch über den Wechsel von Mesut Özil, das Ziel WM-Titel und seine eigene Zukunft nach den Titelkämpfen in Brasilien.

SPORT1: Herr Bierhoff, nach dem 3:3 gegen Paraguay gab es viel Kritik, besonders an der Defensive. Hat das deutsche Team etwas gutzumachen?

Oliver Bierhoff: Gutzumachen vielleicht nicht, aber wir wollen die Qualifikation erfolgreich bestreiten und unsere Position weiter verbessern. Wir wollen uns direkt und souverän qualifizieren - und dürfen dazu natürlich nicht die Fehler machen, die wir gegen Paraguay gemacht haben.

SPORT1: Vor dem Prestigeduell gegen Österreich wird Michael Ballack offiziell vom DFB verabschiedet, zudem bestreitet Kapitän Philipp Lahm sein 100. Länderspiel. Ist die Partie daher etwas ganz Besonderes?

Bierhoff: Spiele gegen Österreich sind immer etwas Besonderes. Sie waren zuletzt immer sehr knapp und emotional. Es herrscht der Druck, gegen das "kleine" Österreich keinen Fehler machen zu wollen. Deshalb wollen wir jetzt vor heimischem Publikum das Spiel dominieren und die drei Punkte holen.

SPORT1: Ein großes Thema war diese Woche der Last-Minute-Wechsel von Mesut Özil. Welchen Eindruck macht er auf Sie?

Bierhoff: Er hat einen sehr aufgeräumten Eindruck gemacht. Er freut sich auf diese Aufgabe. Es ist ja auch toll, wenn sich so ein bekannter und bewährter Trainer wie Arsene Wenger derart intensiv um ihn bemüht.

SPORT1: Allerdings wollte Real ihn auch nicht mehr?

Bierhoff: Ein bisschen ist man als Spieler sicherlich immer enttäuscht, wenn der eigene Verein einem nicht mehr das hundertprozentige Vertrauen schenkt. Insgesamt sehe ich den Wechsel dennoch sehr positiv - auch wenn Arsenal momentan vielleicht nicht den Stellenwert von Real Madrid besitzt.

SPORT1: Was erwarten Sie von ihm beim neuen Klub?

Bierhoff: Mesut wird in dieser Mannschaft eine noch größere Führungsrolle übernehmen, er ist ein Hoffnungsträger. Er wird sich sicherlich aber auch auf einen neuen Fußball einstellen müssen, das wird ihn reifen lassen. Vor allem aber wird er kontinuierlich spielen. Es freut mich, dass Spieler wie er oder Mario Gomez in einem WM-Jahr diesen Aspekt als wichtig erachten.

SPORT1: Glauben Sie, dass der Abschied aus Madrid Özils Stimmung und Motivation abträglich sein kann?

Bierhoff: Nein. Bei Mesut hat man immer das Gefühl, dass er sich auf dem Platz nur mit Fußballspielen beschäftigt. Er ist hier bei der Nationalmannschaft immer mit viel Herz bei der Sache. Ich bin davon überzeugt, dass er eine entsprechende Antwort auf dem Platz geben wird.

SPORT1: Mit den Spielen gegen Österreich und die Färöer beginnt die WM-Saison. Sie haben zuletzt vor zu großem Optimismus gewarnt. Ist der Titel trotz der extremen Bedingungen in Brasilien dennoch das Ziel?

Bierhoff: Natürlich wird es unheimlich schwierig, den Titel zu gewinnen. Ich wollte damals einfach ein Stück von dem wegkommen, wozu die Deutschen sehr stark neigen - nämlich zu sagen: Wir sind so stark, wir überrennen alle. Man muss das realistisch betrachten. Aber natürlich gehen wir als DFB immer mit dem Anspruch in ein Turnier, dieses zu gewinnen. Dieses Ziel haben wir intern auch vor Augen und wir werden alles dafür tun. Allerdings sollte man das Ganze demütig angehen, schließlich wartet ein langer und schwieriger Weg auf uns.

SPORT1: Zuletzt hat ein Interview von Ihnen während der USA-Reise ziemlich hohe Wellen geschlagen. Es wurde so gedeutet, dass Sie sich nach der WM 2014 eher eine Zukunft außerhalb der Nationalelf sehen. Wurde das falsch interpretiert?

Bierhoff: Es ist überinterpretiert worden. Wenn man seinen Urlaub zehn Jahre lang am gleichen Ort verbringt und es einem dort gut gefällt, überlegt man ja trotzdem, ob man im nächsten Jahr wieder dorthin fährt oder sich einen neuen Ort aussucht. Das war mein Gedankengang. Der sollte aber nicht so interpretiert werden, dass ich schon an einen Abschied denke.

SPORT1: Das heißt, die Entscheidung, wohin Sie in Urlaub fahren, ist offen?

Bierhoff: Die ist offen. Und sie hängt auch von vielen meiner kommenden Aufgaben ab. Das ist in diesem Interview damals vielleicht zu kurz gekommen. Es gibt noch viele interessante Bereiche beim DFB. Das Leistungszentrum beispielsweise, wenn es denn mal kommen sollte.

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