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Joachim Löw (r., mit Toni Kroos) hat beim DFB einen Vertrag bis 2014 © getty

Der Bundestrainer steht vorm WM-Quali-Spiel gegen Österreich unter Erfolgszwang. Bei SPORT1 erklärt er, was besser werden muss.

Vom DFB-Team berichtet Tom Vaagt und Martin Volkmar

München - Am 22. September ist WM-Finale.

Naja, nicht so ganz. Aber es geht zumindest um die deutsche Meisterschaft. Angela Merkel oder Peer Steinbrück. Schwarz oder rot. Dazu noch gelb, grün und so manch andere Farbschattierung.

Eine bunte Welt ist das bei der Bundestagswahl. Eine Welt, von der Joachim Löw nur träumen kann. Sein Alltag ist schwarz oder weiß - zumindest in der öffentlichen Beurteilung.

Der Sport ist emotional. Die Spielräume zwischen richtig und falsch sind winzig. Sieg? Alles super. Unentschieden oder gar Niederlage? Alles mies.

Es ist wahrscheinlich nicht immer einfach, der Bundestrainer Löw zu sein.

"Können noch einiges verbessern"

Vor dem WM-Qualifikationsspiel am heutigen Freitagabend gegen Österreich (20.15 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) lauten die Problemfelder in ungeordneter Reihenfolge:

Neun Gegentore in den vergangenen drei Länderspielen, eine fortwährende Debatte über die deutsche Wackel-Abwehr, Personalnot auf der für die Defensivarbeit nicht ganz unerheblichen Sechser-Position. Vor allem resultiert daraus aber: jede Menge Druck.

"Wir können noch einiges verbessern und werden auch daran arbeiten", sagte Löw im Gespräch mit SPORT1: "Es war ja in einigen Spielen zu erkennen, dass uns irgendwelche Unwägbarkeiten aus dem Konzept bringen können."

Drei Niederlagen prägen Amtszeit

Problem erkannt. Problem auch gelöst? Noch nicht so richtig.

Doch: Der Bundestrainer soll die DFB-Elf im kommenden Jahr zum WM-Titel führen. In den Köpfen vieler Beobachter muss er das sogar. Endlich. Die Nation lechzt nach dem ersten Titel seit 1996.

64 von 95 Spielen hat Löw in seiner gut siebenjährigen Amtszeit als Bundestrainer gewonnen. Dennoch wirkt es gerade nach unbefriedigenden Resultaten stets so, als würden vor allem drei Niederlagen sein Schaffen prägen:

Das 0:1 im EM-Finale 2008 gegen Spanien, das 0:1 im WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien und das 1:2 im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien. Löw ist unvollendet - und mit ihm eine Spielergeneration, wie man sie hierzulande schon lange nicht mehr hatte.

Löw fordert: "Alle Konsequenz"

"Wenn wir unsere Spielweise mit aller Konsequenz über 90 Minuten durchziehen, sind wir schon sehr gut. Dann kämpfen wir mit unglaublich starken Waffen", sagte Löw und verlieh seinen Worten kurz darauf noch einmal Nachdruck:

"Daran müssen wir arbeiten, unser Spiel mit aller Konsequenz durchzuziehen." Andernfalls bekäme man Probleme. Als Beispiele könnten die EM-Pleite gegen Italien oder das bizarre 4:4 im vergangenen Oktober gegen Schweden gelten.

Konsequent soll seine Mannschaft also handeln. Unbeirrbar, geradlinig und unverrückbar ihren Weg gehen. Ganz so, wie es der Bundestrainer in der Öffentlichkeit selbst tut.

Liebe zur Offensive

Er wehrt sich gegen jegliche Abwehrdiskussion und sagt mit einem Satz dennoch mehr über seine Philosophie, als bei längeren Ausführungen über taktische Grundordnungen und Defensivverhalten.

"Wir schießen gegen Österreich auf jeden Fall mehr Tore, als wir bekommen. Davon gehe ich mal aus", sagte Löw.

Er hätte auch sagen können: "Wichtig ist, es hinten sicher zu stehen. In der Offensive haben wir immer die Qualität, das eine oder andere Tor zu schießen."

Löw liebt das schöne Spiel und den Angriffsfußball. Er kann nicht aus seiner Haut.

Vertrag läuft nach der WM aus

Am 13. Juli 2014 ist WM-Finale.

Also so richtig. Im Maracana von Rio de Janeiro vor rund 77.000 Zuschauern.

Deutschland kann sich gegen Österreich und am kommenden Dienstag auf den Färöer-Inseln bereits vorzeitig für das Turnier qualifizieren. Ein Erfolg. Und doch nicht mehr als eine Randnotiz auf dem Weg zu Größerem.

"Es muss einfach alles passen"

"Jeder Trainer weiß, dass bei so einem Turnier für den Erfolg einfach alles passen muss. Da dürfen keine Sperren, Verletzungen oder sonstige Unwägbarkeiten passieren", sagte Löw:

"Ein schwaches Spiel bedeutet in der K.o.-Runde möglicherweise das Aus."

Löw ist sich seiner Lage bewusst. Sein Alltag ist schwarz und weiß. Und: In letzter Konsequenz muss ein Titel her. Der Vertrag des Bundestrainers endet nach der WM.

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