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SPORT1-Onlinechef Martin Volkmar (r.) traf Jerome Boateng zum Interview © intern

Vor dem Färöer-Spiel spricht Jerome Boateng im SPORT1-Interview über den Konkurrenzkampf im Nationalteam und seine Entwicklung.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

München - Jerome Boateng hat seine Chance genutzt und ist auf dem besten Weg, sich auch im Nationalteam auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung festzuspielen.

Gegen Österreich (Bericht) gab Bundestrainer Joachim Löw dem Triple-Sieger von Bayern München den Vorzug vor Mats Hummels - Boateng punktete mit einer starken Vorstellung und zählte mit SPORT1-Note 2,5 zu den besten Deutschen.

Im SPORT1-Interview vor der WM-Qualifikation gegen die Färöer (Di., ab 20.15 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Boateng über den Konkurrenzkampf im DFB-Team, seine Entwicklung, die WM und Bruder Kevin-Prince.

SPORT1: Wie gut tat das 3:0 gegen Österreich, nachdem es zuletzt sehr viel Kritik an der Mannschaft und vor allem der Defensive gegeben hatte? (773303DIASHOW: Bilder des Spiels)

Jerome Boateng: Wir können sehr zufrieden sein. Es war auf jeden Fall eine Steigerung gegenüber den letzten Spielen. Wichtig war, dass wir gewinnen - und 3:0 gegen den Gruppenzweiten ist ja auch nicht so schlecht. Jetzt geht der Blick nach vorne auf die Partie gegen die Färöer.

SPORT1: Kann gegen einen international eher drittklassigen Gegner überhaupt etwas schief gehen?

Boateng: Das ist ein Fußballspiel, da kann immer etwas passieren. Es wird definitiv ein Spiel werden, in dem wir über 90 Minuten voll konzentriert sein müssen und uns keine Unachtsamkeit erlauben dürfen.

SPORT1: Haben Sie noch Zweifel an der direkten WM-Qualifikation?

Boateng: Ich habe keine Zweifel, aber bin mir erst sicher, wenn es punktemäßig auch perfekt ist.

SPORT1: Und dann ist das Ziel der WM-Titel?

Boateng: Das muss unser Ziel sein, denn wenn wir zu einem Turnier fahren, dann sind wir ja nicht da, um nur "Hallo" zu sagen und einfach mal mitzuspielen. Aber wir werden nicht überheblich sein und sollten immer auch Respekt haben.

SPORT1: Wie sehen Sie die Chancen?

Boateng: Es sind viele gute Mannschaften und ein paar sehr, sehr gute Mannschaften. Wir sind mit Sicherheit auch im Kreis der sehr guten Mannschaften. Am Ende kommt es aber immer auch ein bisschen auf die Tagesform und das Glück an. Wenn alles passt, dann kann es mit dem Titel klappen, garantieren kann ihn aber niemand.

SPORT1: Würden Sie die angeblich schon feststehende Vertragsverlängerung von Jogi Löw als Bundestrainer über 2014 hinaus begrüßen?

Boateng: Ja klar. Man sieht ja, was für einen Riesen-Anteil er an der positiven Entwicklung der Nationalmannschaft hat. Die Turniere unter ihm waren auch erfolgreich. Wir haben zwar keinen Titel geholt, aber tollen Fußball gezeigt und sind immer weit gekommen.

SPORT1: Derzeit haben Sie bei ihm gute Karten. Er hat gesagt, er habe Sie selten so stark wie im Moment gesehen. Hat er Recht?

Boateng: (lacht) Schwer zu widersprechen. Ich fühle mich gut und nach der letzten Saison habe ich natürlich auch Selbstvertrauen. Ich spiele beim FC Bayern, habe dort mit Pep Guardiola einen super Trainer, eine super Mannschaft und bin selber ruhiger geworden im Spiel.

SPORT1: Welchen Anteil hat Jogi Löw an Ihrer Entwicklung?

Boateng: Ich habe sicherlich ein paar Trainer gehabt, die mir viel mit auf den Weg gegeben haben. Er gehört zu denjenigen, die mir geholfen haben, mich zu verbessern.

SPORT1: Hatten Sie eine Vorahnung, dass er Ihnen gegen Österreich den Vorzug geben wird?

Boateng: Nein, die hatte ich nicht, aber ich war vorsichtig optimistisch.

SPORT1: Wie lief die Abstimmung mit Per Mertesacker, mit dem Sie noch nicht so oft zusammengespielt haben?

Boateng: Ich habe ja überhaupt noch nicht so oft bei der Nationalmannschaft Innenverteidiger gespielt. Es hat aber gut geklappt, wir haben uns ganz gut ergänzt.

SPORT1: Wie sehen Sie nun Ihre Chancen auf einen WM-Startplatz?

Boateng: Ich bin keiner, der seinen Platz mit Worten einfordert. Ich will mir das durch Leistung verdienen. Und ich denke, im Moment sieht es nach den Erfolgen der letzten Saison mit Bayern ganz gut aus. Aber das heißt nicht, dass ich jetzt meinen WM-Platz sicher habe. Dafür muss ich weiter meine Leistung bestätigen.

SPORT1: Aber im Moment haben Sie offenbar klar die Nase vorn vor Mats Hummels ?

Boateng: Man weiß doch, wie schnelllebig das Geschäft ist. Mats ist ein super Verteidiger und wir haben privat ein ganz normales Verhältnis. Wichtig ist letztlich, dass die Mannschaft gut spielt. Wenn ich meinen Beitrag dazu leisten kann, dann freue ich mich. Es ist auch klar, dass jeder spielen will. Und wenn man phasenweise mal nicht spielt, dann muss man Geduld haben, bis die Chance wiederkommt.

SPORT1: Seit Jahren bestätigen Ihnen Trainer und Experten ein unglaubliches Potenzial. Wo sehen Sie die Gründe, dass Sie in den letzten Monaten nochmal einen Schritt nach vorne gemacht haben?

Boateng: Ich mache mir nicht mehr so viel Druck vor dem Spiel. Natürlich ist immer die Anspannung da, ich mache mir aber nicht noch zusätzlich Druck wie früher. Ich vertraue jetzt noch mehr auf meine Fähigkeiten.

SPORT1: Wie Sie wirkt auch Ihr Bruder Kevin Prince gereift. Stimmt dieser Eindruck?

Boateng: Durch die Zeit beim AC Mailand ist er auf jeden Fall reifer geworden. Er ist immer noch sehr dynamisch und impulsiv und spielt mit Vollgas, aber neben dem Platz ist er ruhiger geworden. Er ist ja auch inzwischen Vater. Dass die Dinge von früher immer wieder hochkommen, nervt einfach, auch wenn man sich damit auseinandersetzen muss.

SPORT1: Es hat viele überrascht, dass er von Milan zu Schalke gewechselt ist. Sie auch?

Boateng: Klar war es überraschend, dass es dann so schnell ging. Ich wusste aber schon, dass er gerne wieder in der Bundesliga spielen wollte. Aus sportlichen, aber auch aus familiären Gründen. In Düsseldorf wohnt sein Sohn.

SPORT1: Freuen Sie sich auf die Duelle gegen ihn?

Boateng: Ja klar.

SPORT1: Werden Sie Ihn auch foulen?

Boateng: Foul spielen will ich generell nicht. Aber natürlich will ich immer alles geben, auch gegen ihn. Ich hoffe, dass ich es immer fair schaffe.

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