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Per Mertesacker (r.) bestritt 93 Spiele für Deutschland © getty

Zwei Gewinner, ein Verlierer: Der Kampf um die Stammplätze in der DFB-Abwehr nimmt an Fahrt auf. Bei Experten steht Hummels weiter hoch im Kurs.

Vom DFB-Team berichtet Patrick Mayer

München - Die Harmonie war beinahe greifbar.

Hier saß Per Mertesacker, der mit seinen 28 Jahren inzwischen schon so etwas wie der Grandseigneur der deutschen Innenverteidigung ist. Dort Jerome Boateng, drei Jahre jünger als sein Kollege, und der große Gewinner beim 3:0-Sieg gegen Österreich.

Man versteht sich offenbar. Auf und abseits des Feldes. Und vielleicht ist diese Kombination tatsächlich die Lösung für das, was die deutsche Fußball-Nation in den vergangenen Wochen in Atem hielt: Die Defensivschwäche der Nationalmannschaft.

Mats Hummels war bei der Pressekonferenz hingegen nicht dabei. Und irgendwie trotzdem allgegenwärtig. Wo es Gewinner gibt, gibt es auch immer Verlierer. Momentan muss man den Dortmunder wohl der zweiten Kategorie zuordnen.

Merte wirbt für Boateng

Der Abwehrmann des BVB saß gegen Österreich auf der Bank. 90 Minuten lang. Dass sich dies am Dienstag im nächsten WM-Qualifikationspiel auf den Färöer Inseln (20.15 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) ändert, ist eher unwahrscheinlich.

Zumal Mertesacker und Boateng auch verbal Antworten auf die drängende Frage, wie die Anfälligkeit der deutschen Defensive zu beheben sei, lieferten.

Man müsse den Gegner früh und permanent attackieren, offensiv verteidigen und die Abwehrmitte bei Gegenstößen nicht im Stich lassen. Dabei waren sie sich einig.

Mertesacker ging dann noch einen Schritt weiter: Er warb indirekt für seinen neuen Partner. Schließlich habe dieser gegen Österreich "auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung" gespielt.

Klopp Co. pro Hummels

Kurz bevor sich Mertesacker und Boateng in München die verbalen Bälle zuspielten, hatte sich Jürgen Klopp zu der Defensiv-Thematik beim DFB geäußert. Klopp ist Dortmunder - durch und durch. Und damit der Klubtrainer von Hummels - durch und durch.

"Die bessere Defensivleistung hat wenig damit zu tun gehabt, dass wir eine andere Innenverteidiger-Besetzung hatten. Sondern ganz viel damit, wie der ganze Rest der Mannschaft gespielt hat", sagte der Coach im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1.

Klopp war mit den warmen Worten in Richtung seines Spielers allerdings nicht allein.

Unterstützung erhielt Hummels auch von den SPORT1-Experten Thomas Berthold und Thomas Strunz.

Experten stärken Hummels

"Wenn wir Weltmeister werden wollen, brauchen wir einen spielstarken Innenverteidiger. Da sehe ich Mats Hummels als Nummer eins", sagte Berthold.

Strunz ergänzte: "Mats ist unser komplettester Innenverteidiger. Aber er spielt in der Nationalmannschaft anders als im Verein. Da muss sich auch der Bundestrainer hinterfragen, warum das so ist."

Hummels, der die Münchner Arena am Freitagabend wortlos und naturgemäß wenig glücklich verlassen hatte, dürfte dies gern hören. Doch auch er weiß: Der Kampf um die Stammplätze für die WM hat mächtig an Fahrt aufgenommen.

Und momentan haben andere die Nase vorn.

Appell an Teamgeist

"Jeder muss sich dem Team unterordnen, sonst funktioniert das nicht, auch nicht bei der WM", sagte Mertesacker.

Er verdeutlichte: Es geht nicht um einzelne Personen: "Ich weiß, wie wichtig es ist, dass man die Mannschaft unterstützt, auch wenn man nicht spielt."

Aber: Hummels gilt nicht als Stinkstiefel. Er wird den Kampf annehmen, die Konkurrenten fordern und damit auch die Leistung der gesamten Mannschaft fördern.

"Es ist ja kein Wunschkonzert. Wir können ja nicht sagen, wir wollen jetzt bis zur WM spielen", sagte Boateng und blickte kurz auf den neben ihm sitzenden Mertesacker: "Wir wollen unsere Leistung bringen. Aber es gibt auch andere, die das tun werden."

Intensiver Kampf um die Plätze

Neun Monate vor der WM bleibt kein Raum für Rücksicht.

Und: Der Wettbewerb um einen Platz wird gerade in der Abwehrmitte intensiv geführt. Das kommt nicht von ungefähr.

Kein anderer Mannschaftsteil stand in den vergangenen Monaten heftiger in der Kritik. Keine Position im hochbegabten deutschen Kollektiv offenbarte haarsträubendere Fehler und fahrlässigere Nachlässigkeiten.

Vier Gegentore und teils kapitale Schnitzer in der WM-Qualifikation gegen die Schweden (4:4), vier Gegentore auf der Länderspielreise in den USA (2:4) und drei Gegentore beim Testspiel gegen Paraguay (3:3).

Baustelle muss geschlossen werden

Die Abwehr gilt immer wieder als Großbaustelle der Fußball-Nation.

Sie gilt es dauerhaft zu schließen, will die Nationalmannschaft um den WM-Titel mitspielen.

Mertesacker und Boateng machten gegen Österreich zumindest Hoffnung.

Löw: "Bin Fan von Hummels"

Dennoch: Vergessen wird Bundestrainer Löw auch Hummels ganz sicher nicht.

"Ich bin ein großer Fan von Hummels, er ist ein klasse Spieler, wir bauen natürlich weiterhin auf ihn", sagte er nach dem Sieg gegen Österreich. Der Dortmunder steht parat ? er hat im Kampf um die Stammplätze aber an Boden eingebüßt, aber bestimmt noch nicht aufgegeben.

Das wissen auch Mertesacker und Boateng.

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