Der Bundestrainer soll dem Verband bis 2016 erhalten bleiben. Dennoch kann das Ende früher kommen. Und: Es stehen Veränderungen bevor.

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Vom DFB-Team berichtet Tom Vaagt

München - Die Zukunft des deutschen Fußballs hängt an den Füßen von Sergej Chischnitschenko.

Zumindest so ein bisschen. Der junge Mann ist 22 Jahre alt, stürmt für Schachtjor Karaganda und - in diesem Zusammenhang viel wichtiger - für die kasachische Nationalmannschaft.

Am Dienstag geht es im Nationaltrikot gegen Schweden. Und da kommt der deutsche Fußball ins Spiel.

Sollten Chischnitschenko und seine Kollegen den Skandinaviern mindestens einen Punkt abtrotzen und das DFB-Team kurz darauf den Pflichtsieg auf den Färöer Inseln (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) einfahren, hätten Philipp Lahm Co. das WM-Ticket vorzeitig gelöst.

Nicht die einzige Folge, sondern eher der Anfang einer Kausalkette mit reichlich Papier und ein paar Unterschriften.

Planungen bis 2016

Bundestrainer Joachim Löw soll bis 2016 beim Verband bleiben, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff auch, Bundestorwarttrainer Andreas Köpke ebenfalls und Löw-Assistent Hansi Flick sowieso - das alles scheint mehr oder minder perfekt.

Nur unterzeichnet ist eben noch nichts. Das versicherte Löw am Montag in der "ARD".

Doch: Diese Formalie wird erfolgen, wenn die Teilnahme an der Endrunde 2014 unter Dach und Fach ist. Also vielleicht schon am Mittwoch, spätestens jedoch auf dem DFB-Bundestag am 24. und 25. Oktober.

Dass es so kommt, ist für Verbandsboss Wolfgang Niersbach "naheliegend". Er habe "große Sympathien" dafür, "den Weg mit den Vieren weiterzugehen, die es seit sieben Jahren hervorragend machen."

Löw bei der WM unter Druck

Drei Turniere hat der DFB in der derzeitigen Konstellation bisher bestritten. 2008 wurde man Vize-Europameister, bei der WM 2010 Dritter und bei der EURO 2012 kam das Aus im Halbfinale.

Es hat stets für einen Platz unter den besten Vier gelangt - sagen die, die es gut meinen. Es hat nie für einen Titel gereicht - sagen die anderen.

Doch egal, welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt: Löw steht in Brasilien unter Druck. Unter großem Druck.

Er hat einen Kader beisammen, der offensiv allerhöchsten Ansprüchen genügt und defensiv ganz sicher auch gehobenes Niveau besitzt. Eine Truppe also, die Weltmeister werden kann. Manche sagen sogar, die Weltmeister werden muss.

Vornehmliches Ziel: Ruhe

Umso gewagter erscheint auf den ersten Blick die "Komme-was-wolle-Treue" des DFB zu seiner sportlichen Führung.

Was passiert, wenn der Ausflug nach Brasilien mit einer Enttäuschung endet?

Angeblich wird für solch einen Fall vorgesorgt. Per Ausstiegsklausel sollen beiden Seiten das Arbeitsverhältnis vorzeitig beenden können.

Die Sinnhaftigkeit der frühen Vertragsverlängerung kann angesichts dieses Hintertürchens durchaus infrage gestellt werden. Sie muss es aber nicht.

Geben Verband, Löw Co. schon jetzt ihre weitere Zusammenarbeit bekannt, haben sie vor allem eines: Ruhe.

Keine Kaugummi-Debatte

In der DFB-Zentrale dürften die Erinnerungen an 2010 noch lebendig sein. Nach einigem Hin und noch mehr Her einigte man sich erst gut eine Woche nach dem Ende der WM in Südafrika auf neue Verträge.

Eine derartig zähe Kaugummi-Debatte will man sich dieses Mal ersparen.

Und ganz nebenbei geht es schließlich nicht nur um die Personalie des Bundestrainers. Planungssicherheit ist auch in anderen Bereichen dringend erforderlich. Vor allem Flick nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein.

Flick vor Beförderung

Dem derzeitigen Co-Trainer steht wohl eine Beförderung bevor. Im Anschluss an die WM soll er dem Vernehmen nach den momentan vakanten Posten des DFB-Sportdirektors übernehmen.

Ein Amt, für das der 48-Jährige selbst bei einem frühen Aus in Brasilien nicht zwangsläufig verbrannt wäre.

Und: Löw würde den Aufstieg seines treuen Gefolgsmannes in jedem Fall begrüßen - auch wenn Flick am Ende vielleicht sogar sein Vorgesetzter wäre. Die beiden Trainer verstehen sich als Duo, als Team. Dies würde sich auch bei veränderter Rollenverteilung wohl kaum ändern.

Wird die DFL ausgebremst?

Sollte es so kommen, würde man vielleicht eher andernorts die Faust in der Tasche ballen: Bei der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Die DFL hatte nach dem plötzlichen Abgang des letzten DFB-Sportdirektors Robin Dutt zu Werder Bremen dafür plädiert, dass der Posten künftig mit größeren Kompetenzen versehen und in der Hierarchie über dem Bundestrainer angesiedelt wird. Als Regulativ, als Kontrollinstanz.

Angesichts der bisherigen beruflichen Nähe zwischen Löw und seinem Assistenten ist ein Auftreten Flicks als starker, die Richtung vorgebender Mann nur schwer vorstellbar.

Dienstag mit Folgen

In den WM-Qualifikationsspielen am Dienstag steht für die Zukunft des deutschen Fußballs also so manches auf dem Spiel.

Man sollte Sergej Chischnitschenko besser nicht damit konfrontieren. Er könnte sonst verkrampfen.

Das wäre schade. Übrigens auch für Kasachstan.

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