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Die Färöer-Inseln belegen in der FIFA-Weltrangliste Platz 175 © imago

Der Fußball ist auf den Färöer-Inseln zum Nationalsport geworden. Und der Trainer weiß sogar, wie man Deutschland schlägt.

München/Torshavn - Sie sind Schäfer und Walfänger, nur eine Handvoll Spieler ist Profi - kurz: Die Fähringer haben am Dienstag im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland eigentlich keine Chance (20.15 Uhr im LIVE-TICKER)

Doch würde das Duell auf "Thors Platz" von der politischen Elite beider Länder bestritten, dürften die Schafsinseln mit einem Kantersieg rechnen.

Färor-Premierminister mit Länderspielerfahrung

Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre keine Gegnerin für Kaj Leo Johannesen, den Premierminister der Färöer. Der 49-Jährige hat vier Länderspiele bestritten - und war Teil des größten fußballerischen Erfolges der Inselgruppe im Nordatlantik.

"Mit diesem Spiel hat alles angefangen", sagt Johannesen über jenes 1:0 in der EM-Qualifikation gegen Österreich am 12. September 1990. Torwart Johannesen saß damals auf der Bank und sah zu, wie sein zipfelbemützter Keeper-Kollege Jens Martin Knudsen zum Held wurde.

Es war erst das fünfte Länderspiel in der Geschichte der Färöer - und der Urknall für die Fußball-Entwicklung dort. "Danach wuchs das Interesse enorm", sagt Johannesen. ((DATENCENTER: Die WM-Qualifikation)

Heute, genau 23 Jahre und immerhin 16 Siege in 149 Länderspielen später, habe Fußball "eine extrem wichtige Bedeutung für die Leute auf den Färöern", sagt Johannesen: "Ja es ist sogar vergleichbar mit der Bedeutung des Fußballs für die Brasilianer."

Fußball als Nationalsport

Fußball hat Rudern als Nationalsport abgelöst. "Es ist bemerkenswert, was in so einem kleinen Land erreicht wurde", lobte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bei einem Besuch im Oktober 2012. Zehn Prozent der 50.000 Einwohner sind als Fußballer registriert, mehr als in Deutschland (über acht).

Johannesen trieb die Entwicklung mit voran, zunächst als Aktiver. Er bestritt 299 Pflichtspiele für Rekordmeister HB Torshavn, wenn er nicht für Kyndil Torshavn auf dem Handballfeld unterwegs war (163 Spiele, 625 Tore). Nebenbei stieg er im Fischhandel auf und startete in der Partei der Unionisten seine Politikkarriere. Seit 2008 ist er Ministerpräsident; Fußballer aus Leidenschaft ist er geblieben.

Entiwcklungshilfe aus Bayern

"Der Fußball ist ein wunderbarer Eisbrecher, wenn man neue Leute trifft. Und er hat den Rest der Welt darauf aufmerksam gemacht, dass es uns überhaupt gibt", sagt er. Seit 1990 ist einiges passiert auf den Färöern, die politisch zu Dänemark gehören.

Mit Hilfe der FIFA hat der nationale Verband FSF in Torshavn ein Zentrum bekommen und das dortige Nationalstadion Torsvíllur ("Thors Platz"), wo der DFB antritt, einen Kunstrasenplatz. Angelegt hat ihn übrigens die Firma Polytan Sportstättenbau aus dem oberbayerischen Burgheim.

Dennoch sind die Färöer einer der kleinsten Fußball-Zwerge geblieben. Der Transferwert der Startelf beim jüngsten 1:2 in Kasachstan betrug 1,15 Millionen Euro - dafür bekommt man gerade einmal den kleinen Finger von Manuel Neuer oder den großen Zeh von Mesut Özil.

Das Team von Trainer Lars Olsen belegt Platz 175 der Weltrangliste (von 209), hinter Mauritius und vor Taiwan. Schlechter sind in Europa nur Andorra und San Marino. Die vergangenen 13 Spiele hat das "Landslidid" allesamt verloren, darunter das Hinspiel 0:3.

Olsen weiß, wie man Deutschland schlägt

In der erwarteten Startelf stehen sechs Legionäre. Torhüter Nielsen spielt beim schottischen Vizemeister FC Motherwell, darüber hinaus sind zwei Spieler in der ersten dänischen Liga aktiv sowie je einer in der ersten norwegischen. Der Rest spielt unterklassig oder zu Hause in Teilzeit.

Einer aber weiß, wie man die Deutschen schlägt: Coach Olsen (52) war Kapitän der dänischen Nationalmannschaft, die 1992 im EM-Finale über den Weltmeister triumphierte. Wiederholung am Dienstag? Nein, sagt Olsen, "wir sind immer Außenseiter".

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