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Mesut Özil, Lukas Podolski und Per Mertesacker (v.l.n.r.) spielen bei Arsenal © getty

Sechs Spieler aus dem DFB-Kader für das Färöer-Spiel verdienen ihr Geld im Ausland. Das weckt Erinnerungen an die WM 1990.

Von Tom Vaagt und Martin Volkmar

München - Manchmal wird die Gegenwart von Erinnerungen überlagert.

Gianna Nannini weiß ein Lied davon zu singen. Damals, während der WM 1990, konnte man ihrer rauchigen Stimme einfach nicht entkommen.

Ob Fernseher oder Radio - irgendwo schien sie ständig vom italienischen Sommer zu trällern.

Eigentlich recht nervig. Doch mit jedem Sieg der deutschen Nationalmannschaft klang das Lied besser. Lothar Matthäus gab den Rhythmus vor, Rudi Völler sorgte für die Melodie.

Was für eine Komposition. Am Ende war das DFB-Team Weltmeister und Nannini landete einen Welthit.

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Erinnerungen. Beide konnten bis heute nicht an diese Erfolge anknüpfen.

Legionäre im Fokus

Aber der Song und das Flair des Gastgeberlandes sind nicht die einzigen Aspekte, die den letzten deutschen WM-Titel für immer mit Italien verbinden werden. Fünf deutsche Spieler verdienten ihr Geld damals in der Serie A.

Die Legionäre gaben in der Nationalmannschaft den Takt an.

So könnte es auch 2014 sein. In Brasilien. Bei der WM. Heute streicht zwar eher eine kosmopolitische Brise durch den DFB-Kader. Und nicht wie damals pures "Dolce Vita". Aber Parallelen sind durchaus zu erkennen.

Die Wichtigste: Deutsche Profis sind im Ausland gefragt. Das spricht für ihre Qualität und sorgt dafür, dass die Kicker aufgrund ihrer Erfahrungen in fremder Umgebung weiter wachsen. Zu Persönlichkeiten. Zu Führungsspielern.

1990 verhalf Italien den Deutschen so indirekt zum Titel. Kann sich Derartiges im kommenden Jahr erneut wiederholen? Macht uns das Ausland zum Weltmeister?

Startrainer machen DFB-Elf besser

Derzeit tragen sogar sieben Legionäre regelmäßig den Adler auf der Brust.

Da sind die Londoner Per Mertesacker, Lukas Podolski, Mesut Özil (alle FC Arsenal) und Andre Schürrle (FC Chelsea). Dazu Sami Khedira von Real Madrid. Sowie die beiden Italiener Miroslav Klose von Lazio Rom und Mario Gomez vom AC Florenz.

Ein namhaftes Ensemble, das in den kommenden Monaten sicherlich nicht schlechter wird. Unter Startrainern wie Arsene Wenger, Jose Mourinho oder Carlo Ancelotti.

Auch beim DFB verfolgt man dies wohlwollend. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff erklärt dies bei SPORT1 am Beispiel des Neu-Fiorentinas Gomez:

"Mario erlebt nun ein neues Land, eine neue Sprache, einen neuen Fußball. So etwas lässt jeden Spieler reifen."

"Spieler sind international gefragt"

Bierhoff, der Deutschland 1996 zum EM-Titel schoss und selbst zwölf Jahre in Italien spielte, führt weiter aus:

"Dass unsere Spieler international gefragt sind, spricht für ihre Qualität. Auch als beispielsweise die Franzosen 1998 so erfolgreich waren, spielte ein Großteil der Spieler bei den internationalen Topklubs."

Im Vergleich zu Deutschlands Weltmeistermannschaft von 1990 macht der 45-Jährige beim heutigen Kader aber einen Unterschied aus: "Es geht nicht darum, dass die Spieler im Ausland tätig sind, sondern dass sie bei solch etablierten Vereinen wie Real Madrid, Chelsea oder Arsenal gefragt sind."

Viele der übrigen Nationalspieler seien schließlich auch hierzulande bei absoluten Spitzenklubs beschäftigt: Vorrangig beim FC Bayern oder Borussia Dortmund.

Bundesliga hat aufgeschlossen

In der Tat: Hinkte die Bundesliga vor 23 Jahren international ein wenig hinterher, marschiert sie heute vorne weg. Das Champions-League-Finale zwischen den Münchnern und dem BVB ist der beste Beleg.

Fügt man die Puzzleteile zusammen, müsste die derzeitige Nationalmannschaft also eigentlich noch stärker sein als jene von 1990. Wenn es doch so einfach wäre.

So oder so: Das WM-Qualifikationsspiel beim Fußballzwerg Färöer Inseln (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) kann allerdings kaum als adäquates Beweismittel dienen. Als zu schwach erscheint der Gegner.

Klassentreffen in Brasilien

In Brasilien werden andere Herausforderer warten.

England zum Beispiel. Oder Spanien. Oder Italien. Özil, Khedira, Klose Co. werden dann auf den einen anderen Klubkollegen treffen. Spieler also, die sie im täglichen Training fordern und damit auch ein kleines Stückchen besser machen.

Und bei aller Wertschätzung für Gianna Nannini: Irgendwann mag man auch "Un'estate italiana" nicht mehr mitsummen.

Es ist Zeit für eine neue deutsche Erfolgshymne. Samba zum Beispiel. Das ist die Zukunft.

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