Der Arsenal-Kapitän führt die DFB-Kicker zum Pflichtsieg auf den Färöer Inseln. Das WM-Ticket ist so gut wie gesichert. Doch: Es gibt auch zwei Verlierer im deutschen Team.

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Von Tom Vaagt

München/Torshavn - Per Mertesacker hat ein Tor geschossen.

Sein drittes im 93. Länderspiel. Das ist also schon ein wenig außergewöhnlich, aber auch nicht gerade fesselnd. Und doch war es noch so ziemlich das Aufregendste am 3:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft auf den Färöer Inseln (Bericht).

Ein Pflichtsieg. Ohne ganz große Erkenntnisse, aber immerhin mit großer Perspektive: Am 11. Oktober kann im Heimspiel gegen Irland die Qualifikation für die WM-Endrunde in Brasilien unter Dach und Fach gebracht werden. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Das zählt. Aber: Will man in Südamerika den ersten Titel seit dann 18 Jahren einfahren, muss eine Steigerung her. Im kommenden Jahr warten andere Gegner als die braven Kicker von den Schafsinseln.

Löw fehlt "die Konsequenz"

"Wir müssen unser Spiel im letzten Drittel noch verbessern, unsere Spielanlage ist gut", sagte Bundestrainer Joachim Löw, dessen Vertragsverlängerung nun wohl noch bis Oktober auf sich warten lassen wird: "In den letzten Monaten hat man jedoch gesehen, dass wir viele Chancen brauchen. Da fehlt mir die letzte Konsequenz."

In der Tat. Mesut Özil Co. ließen Ball und Gegner am Dienstagabend streckenweise ansehnlich laufen. Doch wenn es ernst wurde, sprich der Abschluss gesucht werden musste, wollte auf dem Kunstrasen von Torshavn nicht mehr ganz so viel gelingen.

Da war Mertesacker, der den Ball in Kung-Fu-Manier über die Linie bugsierte (22.). Dann Özil, der einen Foulelfmeter zum 2:0 nutzte (74.). Und Thomas Müller, der die deutsche Überzahl nach der Roten Karte für den Färinger Atli Gregersen (73.) zumindest noch einmal nutzte (84.). ( 775052 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

Soverän, klar. Weltmeisterlich, eher nicht.

Mertesacker plötzlich unumstritten

"Richtig zwingend war es nicht, was wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben", gestand Mertesacker: "In den entscheidenden Momenten haben wir im Angriff nicht so konsequent gespielt. Das müssen wir noch besser machen."

Der Arsenal-Kapitän gehörte erneut zu den Besseren einer durchschnittlich agierenden Mannschaft. Man kann ihn getrost als Gewinner der beiden Spiele am Freitag gegen Österreich (3:0) und nun auf den Färöer Inseln bezeichnen.

Mertesacker ist in der Innenverteidigung plötzlich unumstritten. Der einstige Wackelkandidat geht voran und führt. Ein Abwehrchef eben.

Auch Boateng erneut sicher

Das Vertrauen, das ihm Arsene Wenger in London entgegenbringt, tut dem 28-Jährigen spürbar gut.

Zudem bildete sich in den Tagen von München und Torshavn zuletzt der Mann neben Mertesacker heraus: Jerome Boateng verteidigte konsequent, stand sicher und beendete im Verbund mit seinen Kollegen die Abwehrdebatte der vergangenen Wochen.

Der Dortmunder Mats Hummels blieb hingegen außen vor. Mehr als ein Fingerzeig in Richtung WM-Elf?

Seelenschmeichler für Hummels

"Es war jetzt erst einmal eine Entscheidung für diese beiden Spiele. Mertesacker und Boateng haben mir gut gefallen, vor allem gegen Österreich", sagte Löw: "Färöer war natürlich nicht so druckvoll, aber sie haben konzentriert dagegen gehalten."

Dann lobte der Bundestrainer Hummels - wie er es in diesem Zusammenhang in den vergangenen Tagen immer tat. Seelenschmeichler statt Stammplatz.

Dem Dortmunder Innenverteidiger dürfte Letzteres lieber gewesen sein.

Bankdrücker Gomez

Ebenso wie Mario Gomez.

Sein Konkurrent Miroslav Klose hatte sich gegen Österreich in den DFB-Bestenlisten nach ganz vorn geschossen und war durch seinen 68. Länderspieltreffer mit Gerd Müller gleichgezogen.

Als sich auf den Färöer Inseln andeutete, dass es für den 35-Jährigen an diesem Abend wohl nichts mit der alleinigen Rekordmarke werden würde, brachte Löw den Gladbacher Max Kruse.

Gomez blieb 90 Minuten auf der Bank. Wie schon gegen Österreich.

Neuer Torjäger via Facebook

Die Ausgangsposition im Kampf um einen Stammplatz könnte für den Neu-Fiorentina derzeit wohl kaum schlechter sein.

Zumal sich auch noch ein neuer Konkurrent positioniert.

Via Facebook schickte Mertesacker nach dem Sieg auf den Färöer Inseln ein paar Grüße an seinen derzeit verletzten Arsenal- und DFB-Kollegen Lukas Podolski. Neben Genesungswünschen feierte sich der Abwehrspieler als "neuen Torjäger".

Sicher nicht ganz ernst gemeint. Aber es war noch so ziemlich das Aufregendste nach diesem 3:0.

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