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Joachim Löw (r.) will das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen © getty

Klopps Seitenhieb auf Löw zeigt Wirkung: Der Bundestrainer sieht Redebedarf und betont Hummels' Stellenwert.

München/Dortmund - Joachim Löw sucht das offene Gespräch mit Jürgen Klopp: Weil sich in den letzten Tagen das Verhältnis der beiden renommierten Fußballlehrer zunehmend angespannt hatte, geht der Bundestrainer in die Offensive.

Es war zu Unstimmigkeiten gekommen, nachdem BVB-Innenverteidiger Mats Hummels bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich und die Färöer nur auf der Bank gesessen hatte.

Klopp hatte sich darüber beklagt, dass immer wieder verstärkt Dortmunder Spieler in der Nationalmannschaft in die Kritik geraten.

Watzke will genau hinsehen

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte derweil an, Löws Umgang mit den Dortmunder Spielern in der nahen Zukunft mit Argusaugen beobachten zu wollen.

"Viele sagen, dass Dortmunder Spieler leichter kritisiert werden. Wir werden in den nächsten Wochen unsere Antennen ausrichten und unsere Sinne dafür schärfen", sagte Watzke in der Sendung "Sky90".

Und kündigte an: "Es ist unser natürlicher Reflex, dass wir uns mit allem was wir haben, dazwischen werfen werden, wenn einer unserer Spieler ein bisschen angegangen wird."

"Halte Löw für guten Bundestrainer

Ob die These Bestätigung finden werde, wollte Watzke noch nicht beurteilen. "Da lege ich mich noch nicht fest", sagte er: "Ich glaube das ehrlich gesagt nicht, weil ich Löw für einen guten und den richtigen Bundestrainer halte. Aber wir werden aufpassen, ob wir unseren Spielern vielleicht mal etwas zur Seite springen müssen."

Watzke betonte jedoch, dass es von Seiten der Dortmunder "nie in Frage gestellt werde, dass Löw die Mannschaft aufstellt und dass es Argumente für Mertesacker und Boateng gab."

Diese beiden spielten bei den letzten WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich und auf den Färöern (jeweils 3:0) stets 90 Minuten, während Hummels auf der Bank saß.

Klopp sieht Redebedarf mit Löw

Klopp hatte sich über die Behandlung seiner Spieler in der Nationalmannschaft gewundert und Redebedarf mit Löw gesehen.

"Ich glaube nicht, dass Löw ein Problem mit Borussia Dortmund hat. Aber es ist auch Tatsache: Wenn Fehler Namen kriegen, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass es ein Borussia-Dortmund-Spieler ist", hatte der ehemalige Meistertrainer bei "sky" gesagt:

"Ich habe mich damals bei Marcel Schmelzer ein wenig gewundert und jetzt bei Mats (Hummels, Anm.d.Red.). Solche Dinge müssen dann auch mal aufgeklärt werden. Die Fehler beim Paraguay-Spiel stehen bis heute so da, als hätte die Mats alleine verbockt."

Hummels hatte beim 3:3 gegen die Südamerikaner Mitte August zwei Mal unglücklich ausgesehen.

Vorgeschichte mit Schmelzer

Vor einem Jahr hatte der DFB-Coach über Außenverteidiger Marcel Schmelzer gesagt, er müsse mit ihm mangels Alternativen "die nächsten zwei, drei, vier, fünf Monate weiterarbeiten".

Löw selbst hatte die Aussagen kurz danach als "sehr unglücklich" relativiert. Der Bundestrainer will sich einem Gedankenaustausch mit Klopp nicht verweigern.

"Generell aber muss ein Trainer das Recht haben, die Dinge, die ihm nicht gefallen, anzusprechen, nur so können wir uns verbessern", sagte der Bundestrainer der "Bild":

"In den Spielen gegen Österreich und die Färöer habe ich Jerome Boateng neben Per Mertesacker den Vorzug gegeben, weil ich der Meinung war, dass er sich aufgrund seiner konstant starken Leistungen in den letzten Monaten beim FC Bayern diese Chance verdient hat."

Und weiter: "Insgesamt ist es doch normal und positiv, dass in der Nationalmannschaft ein großer Konkurrenzkampf herrscht."

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