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Miroslav Klose hat bislang 68 Tore in 130 Länderspielen erzielt © imago

Die drohende Absage des Lazio-Stürmers bringt Bundestrainer Löw in Not. Ein Duo empfiehlt sich. Lazios Präsident zürnt.

Von Tobias Wiltschek

München - Das eine oder andere Tor braucht die DFB-Auswahl noch für die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien.

Doch wer soll treffen, wenn es für die DFB-Elf im Oktober in die entscheidenden Qualfikationspartien gegen Irland und nach Schweden geht?

Mario Gomez? Verletzt.

Stefan Kießling? Nicht erwünscht.

Und jetzt auch noch das: Miroslav Klose? Verletzt!

Klose muss operiert werden

Der 35 Jahre alte Rekordtorjäger in Diensten von Lazio Rom muss nach einer Operation wegen einer Nervenreizung am rechten Mittelfuß wohl länger pausieren als zunächst angenommen. Der Eingriff wurde am Mittwoch in München vorgenommen.

Die Operation sei "gut" verlaufen, sagte der Stürmer der "Bild": "Der Eingriff musste gemacht werden, weil ich schon seit Wochen mit Schmerzen gespielt habe. Ich tue alles dafür, möglichst schnell wieder für Lazio und die DFB-Elf spielen zu können."

Eine Prognose über die Ausfalldauer gab er nicht ab. Sein Klub Lazio Rom geht davon aus, dass der Stürmers zwei Wochen ausfällt. Zur Reha wird er in Italien zurückerwartet.

Eine Meldung, die nicht nur für Klose selbst, sondern auch für die Nationalmannschaft doppelt bitter ist, fällt der Angreifer doch wohl auch für die beiden letzten Gruppenspiele auf dem Weg nach Brasilien aus.

Löw informiert

"Ich bin über Miros Eingriff informiert, werde auch direkt mit ihm sprechen", wurde Bundestrainer Joachim Löw auf "dfb.de" zitiert:

"Welche Auswirkungen seine Pause auf die Nominierung für die beiden Länderspiele gegen Irland und Schweden hat, kann ich jetzt noch nicht sagen."

Er werde den Kader Ende nächster Woche bekannt geben, und bis dahin, meinte Löw weiter, "haben wir ja auch noch ein wenig Zeit".

Verletzung im Derby

Lazio-Profi Klose hatte sich die Blessur im Hauptstadtderby der Serie A am vergangenen Wochenende gegen den AS Rom zugezogen und fehlte schon beim 3:1-Sieg unter der Woche gegen Catania Calcio.

Mit der Verletzung des Routiniers hat Löw vor den entscheidenden Partien auf dem Weg zum Zuckerhut ein Sturm-Problem. Denn der natürliche Ersatzmann, Gomez, fällt mit einem Innenbandteilriss und eine Zerrung im rechten Knie definitiv aus.

Löw bleibt, wenn er seiner Linie treu bleibt, somit wohl nur, den Nachrückern eine Chance zu geben. Favorit auf die Planstelle im Sturmzentrum wäre dann der Gladbacher Max Kruse.

Der 25-Jährige war der Gewinner der Länderspiel-Reise in die USA im Sommer und wurde beim bislang letzten Qualifikationsspiel bei den Färöern für Klose eingewechselt. Auch in der Bundesliga präsentiert sich der Angreifer in guter Form. In den ersten sechs Spielen markierte der ehemalige Freiburger drei Tore und glänzte als Vorbereiter.

Alternative Volland?

Als Alternative empfiehlt sich zudem seit Monaten Kevin Volland. Der Hoffenheimer führte die U-21-Auswahl in der EM-Qualifikation zu zwei souveränen Auftaktsiegen gegen die Färöer und Irland.

Löw könnte sich aber auch für die Variante ganz ohne nominellen Stürmer entscheiden - so wie er das in diesem Jahr schon beim 3:0-Sieg in Kasachstan probiert hat. In diesem Fall wäre in der Offensive wohl die "falsche Neun" Mario Götze mit den Flügelspielern Thomas Müller und Marco Reus erste Wahl.

Das Problem hier: Götze tastet sich nach langer Verletzungspause gerade wieder an den Kader des FC Bayern heran. Spielpraxis? Mangelware.

Eher unwahrscheinlich ist, dass sich Löw zu einer Nominierung von Kießling durchringen wird. Den Leverkusener Torjäger und Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison ignoriert der Bundestrainer nach wie vor. Auch Kießling selbst verkündete vor wenigen Wochen, unter Löw nicht mehr spielen zu wollen - es sei denn, es sei Not am Mann.

Wie groß die Not ist, das muss dann wohl der Bundestrainer entscheiden.

Ernüchterung in Italien

In Italien ist indes die lang anhaltende Euphorie um Klose Ernüchterung gewichen. Der Deutsche wird immer häufiger kritisiert.

Die "Gazzetta dello Sport" spottete: "Er machte zuletzt nicht mal die einfachen Tore. Die Befürchtung ist, dass die 35 Jahre schwer auf den Leistungen von Klose lasten. Das ist auch mehr als begründet."

Seinem Vereinspräsidenten stößt zudem Kloses Entscheidung übel auf, sich zur Behandlung nach Deutschland zu begeben. "Es ist nicht so, dass die Lazio-Ärzte nichts wert seien. Wie lange geht er schon nach Deutschland, um sich wegen dem Fuß behandeln zu lassen? Das Problem wurde dennoch nicht gelöst", sagte Claudio Lolito.

Wie Löw sein Sturmproblem zu lösen gedenkt, wird er spätestens mit der Verkündung des Quali-Kaders in der nächsten Woche bekanntgeben.

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