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Markus Marin (l.) erzielte im zweiten Länderspiel sein erstes DFB-Tor © getty

Bundestrainer Löw schaut nach dem Erfolg mit gegen Belgien nach vorne: "Das war ein gutes Warm-up für die WM-Qualifikation."

Von der DFB-Elf berichtenMartin Volkmar und Martin van de Flierdt

Nürnberg - Joachim Löw machte einen aufgeräumten Eindruck nach dem Abpfiff.

"Der Sieg war absolut verdient", bilanzierte der Bundestrainer nach dem 2:0 gegen Belgien.

"Allerdings war das Ergebnis für mich zweitrangig. Es war uns wichtig, dass mutig gespielt wird, auch mit Mut zu Fehlern. Und das hat gut geklappt."

Löw war nicht nur zufrieden, er war auch ein Stück weit erleichtert über den Verlauf des Abends.

Euphorie weicht der Skepsis

Schließlich gab es vor dem ersten Länderspiel der neuen Saison einige Unsicherheitsfaktoren: Seine Stammelf der Europameisterschaft musste Löw aufgrund der Ausfälle mehrerer Stammspieler, darunter die beiden Leitwölfe Michael Ballack und Torsten Frings, komplett umkrempeln.

Angesichts des frühen Zeitpunkts der Saison hätte das Experiment, das gleichzeitig Generalprobe für die WM-Qualifikationsspiele Anfang September war, auch schief gehen können. "Das war nicht so einfach", gab Löw zu.

Die Tatsache, dass das Nürnberger WM-Stadion nicht ausverkauft war, war ein deutliches Zeichen dafür, dass die Euphorie nach der WM 2006 um die DFB-Auswahl einer gewissen Skepsis seit der EM gewichen ist.

Schockierende Kung-Fu-Einlage

Und als das deutsche Spiel nach gutem Beginn in Folge der Rippenverletzung von Lukas Podolski nach der Kung-Fu-Einlage des Gästekeepers Stijn Stijnen ins Stocken geriet, waren erste Pfiffe zu hören.

Löw und seinem Team dürfte spätestens in diesem Moment klar geworden sein, dass der 2006 und 2007 erspielte Bonus bei den Fans bei weiteren mäßigen Leistungen schnell dahin sein kann.

Binde befügelt Schweinsteiger

Umso schöner, dass der dänische Schiedsrichter Thomas Vejlgaard seine Fehlentscheidung beim Foul an Podolski nach der Pause mit einem umstrittenen Foulelfmeter nach Daniel van Buytens harmloser Attacke an Mario Gomez kompensierte.

Bastian Schweinsteiger, in der zweiten Hälfte Kapitän, nutzte die Chance zur verdienten Führung (59.). "Natürlich beflügelt einen die Binde", sagte der Münchner, der vielleicht deshalb auch die Verantwortung beim Strafstoß übernahm:

"Das war nicht abgesprochen, aber ich bin jetzt lange genug dabei und habe schon bei einigen Elfmeterschießen zugeschaut."

Lob für Duo

Danach lief es auch im Spiel nach vorne wesentlich runder, und der eingewechselte Marko Marin sorgte nach herrlichem Zusammenspiel mit dem starken Philipp Lahm mit dem 2:0 (77.) für den passenden Abschluss und die erhoffte Begeisterung beim nun wieder besänftigten Anhang.

Löw lobte die Aktion des Gladbachers, richtete seine Analyse aber vor allem auf die ordentliche Vorstellung im neu formierten Mittelfeld und in der Abwehr mit dem überzeugenden Dreieck Robert Enke, Heiko Westermann und Serdar Tasci.

"Ich freue mich, dass wir zu null gewonnen haben. Serdar und Heiko haben das aber auch sehr gut gemacht fürs erste Mal und alles vor mir abgeräumt", meinte der kaum geprüfte Keeper, dem Löw eine Einsatzgarantie für die nächsten Spiele gab.

Gelungenes Debüt von Tasci

Beeindruckend war vor allem die Vorstellung des erst 21-jährigen Tasci. "Er hat insgesamt einen sehr abgeklärten Eindruck gemacht. Er spielt einen guten Fußball, hat eine hervorragende Spieleröffnung nach vorne und ein enormes Potenzial", sagte Löw.

Der Stuttgarter war ebenfalls mit sich und der Welt zufrieden. "Ein bisschen nervös war ich schon, aber ich denke, dass es ein gelungenes Debüt war", meinte er selbstbewusst.

Auch die offenbar hart umkämpfte Entscheidung für sein Geburtsland Deutschland und gegen die Türkei, aus der seine Familie kommt, schien Tasci gut verarbeitet zu haben. "Der DFB hat sich einfach mehr um mich bemüht", erklärte er, ansonsten wolle er ab jetzt nichts mehr zu diesem Thema sagen.

Flaute im Sturm

Seinem Mentor Löw, der schon lange große Stücke auf Tasci hält, dürfte es recht gewesen sein. Auch die Tatsache, den Verteidiger nun nicht an die Türken mehr verlieren zu können, war ein Grund für Löws Erleichterung.

So blieb als einziger Wehrmutstropfen die anhaltende Torflaute im Angriff, in dem vor allem Ersatz-Kapitän Miroslav Klose erneut eine schwache Figur abgab. Doch Löw wollte sich den aus seiner Sicht gelungenen Abend nicht mehr mies machen lassen.

"Das beunruhigt mich relativ wenig", erklärte er. "Alle Stürmer sind in der Lage, Tore zu machen. Das haben sie oft genug bewiesen."

Aufwärmen für Qualifikation

Vielmehr verwies er auf den zusätzlichen Konkurrenzkampf für das etablierte Angriffs-Quartett durch den nachdrängenden Patrick Helmes. Und auch sonst wurden die Karten durch den mutigen Auftritt der Nachrücker neu gemischt.

"Wir haben den Spielern gesagt, dass sie darauf drängen müssen, in die Mannschaft zu kommen. Konkurrenzkampf ist sicherlich gut für die Mannschaft", so Löw.

"Das war ein gutes Warm-up für die WM-Qualifikation."

Sagte es und verschwand gut gelaunt in die laue Nürnberger Nacht.

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