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Trainer Joachim Löw wurde mit dem DFB-Team Vize-Europameister 2008 © getty

Vor den EM-Quali-Spielen gegen Liechtenstein und Wales schwelt der Konflikt zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft weiter.

Frankfurt/Main - Joachim Löw ist nicht erfreut.

Der Bundestrainer hat seine Kritik am deutschen Fußball mit Fakten belegt und sieht die Bundesliga im internationalen Vergleich läuferisch weiter deutlich im Rückstand.

"Die Anzahl der Sprints lässt zu wünschen übrig, da müssen wir an Intensität zulegen. Müssen! Nicht sollen! Es ist keine optische Täuschung, dass in England schneller gespielt wird", sagte Löw in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Der Konflikt zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft schwelt weiter.

Insbesondere die von zahlreichen Klubchefs vertretene These, dass der Vorsprung der englischen Premier League alleine auf die dort besseren finanziellen Möglichkeiten zurückzuführen sei, will Löw nicht gelten lassen.

"Das ist ein Totschlag-Argument, und das ist mir auch zu einfach. Ich bin da anderer Meinung. Es kommt darauf an, aus dem Vorhandenen das Optimale zu machen. Mehr Geld bedeutet nicht immer automatisch mehr Klasse", stellte Löw klar.

Erfolg mit wenig Geld

Qualität müsse erarbeitet werden und habe nicht immer nur mit finanziellen Möglichkeiten zu tun. "Es gibt in Deutschland auch Vereine, die viel Geld ausgeben und wenig Erfolg haben."

In seiner Rolle als Bundestrainer sieht sich Löw verpflichtet, den deutschen Fußball insgesamt nach vorne zu bringen.

Unterstützung erhielt Löw am Donnerstag von Oliver Bierhoff. Der DFB-Manager der bemängelte die Einstellung der deutschen Profis.

"Wir müssen an der Mentalität arbeiten. Es muss beispielsweise die Bereitschaft der Spieler vorhanden sein, im Training noch härter an sich zu arbeiten, auch auf taktischer Ebene", sagte Bierhoff der "Bild"-Zeitung.

Taktische Einheiten stehen vor den beiden anstehenden EM-Qualifikationsspielen gegen Liechtenstein (28. März) und in Cardiff gegen Wales (1. April) beim Treffpunkt der DFB-Auswahl am kommenden Montagabend in Leipzig allerdings erst einmal im Hintergrund.

Ballack im Blickpunkt

Nach einer deutlichen Ansprache wird Löw sein Team gleich am Dienstag zum Fitnesstest bitten, um mögliche Defizite mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika aufzudecken.

Im Blickpunkt steht dabei auch Kapitän Michael Ballack, der nach den Querelen um seinen Führungsstil bei der EM 2008 offenbar einen Sinneswandel vollzogen hat.

"Er geht mehr auf Spieler zu, das hat er vorher nicht so häufig gemacht, wie man das von einem Kapitän gewohnt ist", sagte Münchens Außenverteidiger Philipp Lahm dem "Stern".

Ballack rechtfertigte sein Auftreten bei der EM damit, dass der Ton im Fußball früher insgesamt rauer gewesen sei. "Das ist heute sicher anders. Ich muss mich als Kapitän der Nationalmannschaft dieser Herausforderung stellen und den richtigen Zugang zu den jungen Spielern finden", sagte Ballack.

Der derzeit verletzte Angreifer Miroslav Klose unterstrich, dass sich der Mittelfeldspieler vom FC Chelsea nicht nur außerhalb des Platzes, sondern auch auf dem Spielfeld wieder mehr in den Dienst der Mannschaft stellen müsse.

Hoffnung auf Podolski

"Man hat gemerkt, dass Michael sich wieder mehr einzugliedern versucht. Aber das muss er auch auf dem Platz tun. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber das muss er lernen, und das schafft er auch."

Topfit und mit frischem Selbstvertrauen wird Lukas Podolski zum Treffpunkt der Nationalmannschaft nach Leipzig reisen.

Nach dem Ausfall von Klose geht Podolski als Sturmführer in die Partie gegen Liechtenstein.

Beim 6:0 im Hinspiel gegen den Fußball-Zwerg in Vaduz hatte Podolski die ersten beiden Treffer erzielt.

An diesem Donnerstag gibt Löw seinen gesamten Kader bekannt.

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