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Robert Enke (r.) ist einer der vier Kandidaten für den Stammplatz im deutschen Tor © imago

Der "Titan" ist beunruhigt über die Form der deutschen Nationalkeeper. Er rät Löw, den Konkurrenzkampf nicht zu überreizen.

Von Martin Hoffmann

München - Deutschland, Brutstätte der weltbesten Torhüter - ein Selbstverständnis, das in jüngster Zeit Risse bekommen hat.

Adler, Enke, Neuer - nahezu keiner der aktuell besten Keeper hat zuletzt immer den sichersten Eindruck hinterlassen (Verkehrte Welt im Torwart-Land).

Und das bereitet auch Torwart-Idol Oliver Kahn Sorgen.

"Die Entwicklung, die mir momentan gar nicht gefällt, ist dass bei den Torhütern alle in ein kleines Loch gefallen sind und nicht mehr die höchste Konstanz haben", meint der "Titan" in einem Interview mit der "tz".

Empfehlung an Löw

Kahn empfiehlt Bundestrainer Joachim Löw, nicht mehr zu lange damit zu warten, sich auf eine Nummer eins festzulegen 66576(DIASHOW: Die Ahnengalerie der deutschen Keeper).

"Jeder Konkurrenzkampf ist eine gewisse Zeit lang gut", meint Kahn, dessen berühmtes Duell vor der WM 2006 mit Jens Lehmann um den DFB-Kasten in bester Erinnerung ist, einerseits.

Andererseits: "Es ist schon immer so gewesen, dass ein Torwart an einen Punkt gelangt, an dem er das absolute Vertrauen braucht." Ein Torwart in einem ständigen Konkurrenzkampf spiele "20 Prozent schlechter".

Die Begründung dafür liegt nach Kahns Ansicht auf der Hand. "Du spielst nur noch nach dem Prinzip: Mach keine Fehler ? und das ist schlecht. Wenn du keine Risiken eingehst, hältst du auch keine großartigen Bälle mehr."

Keiner drängt sich auf

Kahn sagt aber auch, dass sich derzeit keine absolute Nummer eins aufdränge.

"Adler und Neuer sind noch sehr jung. Bei Enke ist das Problem, dass er mit Hannover nur im unteren Liga-Mittelfeld spielt."

Und zu Bremens Tim Wiese meint Kahn, dass er auf der Linie der Beste wäre: "Aber ich warte bei Wiese noch auf eine Verbesserung bei Flanken und beim Mitspielen insgesamt."

Seinen Nachfolger im Bayern-Tor, Michael Rensing, sieht Kahn aktuell außen vor: "Rensing muss schauen, dass er sich bei Bayern weiter stabilisiert."

"Zeit des Talentseins ist vorbei"

Dass gerade Rene Adler, der auf dem Weg zur Nummer eins für viele nicht aufzuhalten schien, zuletzt besonders fehleranfällig ist, weiß Kahn zu erklären.

"Da kommt viel zusammen. Man denkt sich: Jetzt bin ich Nationaltorwart, die Zeit des Talentseins ist vorbei, jetzt werde ich kritischer gesehen."

Entscheidend werde sein, wie Adler diese kritische Phase verkrafte: "Es setzt sich eben nicht das größte Talent durch, sondern der, der im Kopf am stärksten ist. Der, der all diese Dinge wegsteckt, weiter arbeitet und mit Druck am besten umgehen kann."

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