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Robert Enke absoviert am Samstag sein fünftes Länderspiel. Tim Wiese muss wieder zuschauen © getty

Robert Enke wird am Samstag gegen Liechtenstein das Tor der Nationalelf hüten. Der Hannoveraner profitiert von einer Verletzung.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig - Robert Enke ist wieder die Nummer 1 in der deutschen Nationalmannschaft ? zumindest vorerst.

Unweit seiner Heimatstadt Jena wird der gebürtige Thüringer am Samstag in Leipzig gegen Liechtenstein (Sa., 19.30 Uhr LIVE) im Tor stehen.

Ironie des Schicksals: Der Keeper von Hannover 96 profitiert von der Verletzung des bisherigen Stammtorwarts Rene Adler, der wiederum im vergangenen Jahr nur wegen Enkes Kahnbeinbruch ins DFB-Gehäuse gerückt war.

Seit Januar ist Enke (Spielerporträt) wieder fit, während Adler (Spielerporträt) nun an einer Ellbogenprellung laboriert und bislang nicht trainieren kann.

Wiese "weinender Dritter"

"Weinender Dritter" im Duell der Torhüter ist Tim Wiese (Spielerporträt) , der sich große Hoffnungen auf einen Einsatz von Beginn an gemacht hatte.

"Wir haben uns für Robert entschieden, weil er zuletzt wieder hervorragende Form bewiesen und deshalb einen kleinen Vorteil vor Tim Wiese hat", erklärte Joachim Löw.

"Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird er auch am Mittwoch in Wales spielen."

Während Wiese auf der Bank sitzt, wird Adler am Samstag einen Härtetest bestreiten. Sollte der negativ ausfallen, reist er zurück nach Leverkusen.

Frust bei Adler

Entsprechend frustriert zeigte sich der gebürtige Leipziger: "Es wäre eine Riesensache gewesen, vor heimischem Publikum zu spielen."

Im Kampf um die Nummer 1 werde er aber "den Kopf nicht in den Sand stecken".

Dennoch hat nun Enke wieder die besseren Karten, nachdem er schon von Adler überholt schien. Doch dessen Patzer in den letzten Länderspielen und in der Liga haben Kredit gekostet.

"Rene hatte nach seinem Debüt gegen Russland und Wales einen Vorsprung. Aber der ist ein wenig aufgebraucht", gab Bundestorwarttrainer Andreas Köpke zu.

Köpke: Noch keine Vorentscheidung

Von einer Vorentscheidung wollte er aber noch nicht sprechen. "Man kann zurzeit keine Reihenfolge aufstellen. Es gibt vier Torhüter, die um die Nummer 1 kämpfen", sagte der Ex-Nationalkeeper und zieht dabei auch Schalkes Manuel Neuer mit ein.

Allerdings hat nicht nur Neuer, der am Sonntag dem HSV das vorentscheidende Führungstor mit einer ungewollten Kopfballvorlage ermöglichte, zuletzt immer wieder Schwächen gezeigt.

Entsprechend unwidersprochen blieb Köpkes Aussage in der "Sport Bild", dass wir im Moment keinen absoluten Weltklasse-Torhüter haben".

Das wäre nach dem Rückzug von Oliver Kahn und Jens Lehmann eigentlich nicht sonderlich spektakulär, wenn es sich nicht um die "Torwart-Nation Deutschland" handeln würde.

Schumacher: "Unser Schatten ist zu groß"

"Vielleicht ist der Schatten von uns alten Torhütern zu groß. Es gibt derzeit keinen, der so dominant und souverän da hinten drin steht, wie das früher im deutschen Tor der Fall war", meint daher auch Sport1.de-Kolumnist Toni Schumacher.

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Beim aktuellen Duell im DFB-Tor hat er keinen Favoriten. Die Begründung des 76-fachen Nationaltorhüters:

"Sie sind alle nicht so schlecht, aber es ist niemand dabei, der mich so richtig überzeugt und derzeit herausragt. Sie machen alle mal ein, zwei gute Spiele und leisten sich dann wieder einen Fehler. Die mangelnde Konstanz könnte zum großen Problem werden."

Auch Kahn nicht überzeugt

Ähnlich äußert sich "Titan" Kahn. "Sie haben alle mehr Stärken als Schwächen. Aber es überzeugt mich derzeit niemand", sagte er der "Welt". (Kahn sorgt sich um die Erben)

Das ist angesichts der schwankenden Leistungen der Kandidaten auch kein Wunder. Enke steht in Hannover in der "Schießbude der Liga" (52 Gegentore), er selber musste in 15 Spielen 31-mal hinter sich greifen.

Shootingstar Adler befindet sich in seiner ersten Krise als Profi und ließ sich vom Formtief seiner Leverkusener Mitspieler in der Rückrunde anstecken. Bislang kassierte er auch schon 29 Gegentreffer in 22 Begegnungen.

Wieses Aufwärtstrend bleibt unbelohnt

Den stärksten Eindruck machte zuletzt Wiese, trotz 30 Gegentoren in 20 Spielen. Der von Löw fast schon ausgemusterte Bremer hat mit Spezialtraining massiv abgenommen und wirkt seit dem wesentlich spritziger.

"Wir sind mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Er hinterlässt einen sehr guten Eindruck", lobte der Bundestrainer.

Entsprechend groß war der Frust bei Wiese. "Ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht spielen würde. Ich komme ja nicht aus Spaß zur Nationalelf", hatte er noch vor der Entscheidung gegen ihn verkündet.

Entscheidung voraussichtlich in Russland

Bleibt die Frage, ob Enke den zurück gewonnenen Platz im DFB-Gehäuse, den er schon in den ersten drei Partien nach der EM eingenommen hatte, nun wieder dauerhaft behaupten kann.

Zwar versichert auch Löw, noch sei keine Vorentscheidung gefallen. Aber dem Trainerteam ist auch bewusst, dass man sich nicht wieder so spät wie vor der WM 2006 entscheiden sollte ? damals für Lehmann und gegen Kahn.

Daher richtet Köpke den Blick auf das vermutlich entscheidende WM-Qualifikationsspiel im Oktober in Russland. Wer dort die Nummer 1 ist, dürfte es auch bis zur Endrunde in Südafrika bleiben.

Seit Donnerstag ist Robert Enke wieder in der Pole Position.

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