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Mario Gomez gab am 7. Februar 2007 gegen die Schweiz sein Debüt in der Nationalelf © getty

Mario Gomez spricht bei Sport1.de über seinen Status in der DFB-Auswahl und die Folgen der für ihn verkorksten EM 2008.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig - Mario Gomez zeigt den deutschen Fußball-Fans seit geraumer Zeit zwei völlig unterschiedliche Seiten.

In der Bundesliga ist der Stuttgarter Stürmer mit 14 Toren treffsicherster Deutscher hinter Leverkusens Patrick Helmes (DATENCENTER: Torjägerliste).

In der Nationalmannschaft (Sa., 19.30 Uhr LIVE) dagegen hat er den Ball seit März vergangenen Jahres nicht mehr über die Linie gebracht.

Im zweiten Teil des Interviews(zurück zu Teil eins) spricht der 23-Jährige über die Folgen der für ihn verkorksten EM 2008 und den Druck durch Medien und Fans.

Sport1.de: Was haben Sie getan, um die negativen Erlebnisse bei der EM zu verarbeiten?

Gomez: In der Sommerpause habe ich meine Nasenscheidewand reparieren lassen und hatte im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken. Da habe ich mir gesagt: Es geht immer weiter. Manche Leute haben ja behauptet, ich bräuchte ein Jahr, um darüber hinwegzukommen. Aber in der Liga habe ich in dieser Saison 14 Tore gemacht, nur leider in der Nationalmannschaft nicht getroffen.

Sport1.de: Gab es im vergangenen Sommer Zweifel an Ihrem Können?

Gomez: Es ist natürlich nicht einfach. Vor der EM wollten mich alle in der Startelf haben, nach der EM haben alle an meinem Können gezweifelt. Damit muss man leben. Aber es war für mich nie ein grundsätzliches Problem, weil ich weiß: Ich werde wieder Tore machen.

Sport1.de: Haben Sie die Spekulationen während des Turniers über einen Wechsel zum FC Bayern in Ihrer Leistung beeinträchtigt?

Gomez: Nein. Das größte Problem bei der EM war einfach, dass ich die erste Chance nach vier Minuten im ersten Spiel gegen Polen nicht reingemacht habe. Die Situation hatte ich danach immer wieder vor Augen. Und als ich dann auch gegen Österreich aus zwei Metern nicht getroffen habe, wusste ich, dass die EM für mich gelaufen war.

Sport1.de: Warum?

Gomez: Ich wusste einfach, dass das Turnier kein Erfolg mehr für mich wird. Da konnte ich der Mannschaft nicht mehr groß helfen. Aber ich wollte nicht den Erfolg des Teams durch meine schlechte Laune gefährden und habe deshalb versucht, positiv zu sein und im Training alles zu geben. Auch wenn es für mich persönlich nicht einfach war und diese Verunsicherung vielleicht auch bis heute im Nationaltrikot etwas nachwirkt.

Sport1.de: Konnten Sie trotzdem in irgendeiner Weise von der EM profitieren?

Gomez: Auf jeden Fall, sehr sogar. Im Nachhinein war das für mich vielleicht die wichtigste Erfahrung in meiner Karriere. Denn bis dahin kannte ich Rückschläge gar nicht. Dass es dann so früh und so extrem kam, habe ich mir natürlich nicht gewünscht.

Sport1.de: Haben Sie ein bisschen Angst, dass der Druck noch größer wird, wenn Sie auch am Samstag gegen Liechtenstein nicht treffen?

Gomez: Nein, ich habe vor nichts Angst. Wenn ich nicht treffe, dann eben im nächsten Spiel. Im Fußball hat man zum Glück alle drei, vier Tage die Möglichkeit, es wieder besser zu machen. Natürlich habe ich bei der Nationalmannschaft im Moment nicht die hundertprozentige Sicherheit, die ich beim VfB habe. Aber die kommt wieder, wenn der Knoten platzt.

Sport1.de: Nicht nur Sie stehen gegen Liechtenstein und Wales auf dem Prüfstand, sondern die gesamte Mannschaft.

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Gomez: Das ist doch ganz normal nach den beiden letzten Niederlagen. Eine gewisse Spannung muss jetzt einfach da sein, das empfinde ich aber überhaupt nicht als negativ. Wir müssen und wollen die beiden Spiele unbedingt gewinnen, um in der Quali weiter voranzukommen.

Sport1.de: Wie sehen Sie die Position von Michael Ballack? Hat er sich verändert?

Gomez: Ich habe ihn in der Nationalmannschaft immer gleich erlebt. Man muss auch schon ziemlich verkehrt sein, um nicht mit ihm klarzukommen. Er ist keiner, der einem jeden Tag den Fuß stellt. Sondern er ist einer, der für das Team denkt. Michael ist unser absoluter Leader.

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