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Jens Lehmann bestritt beim EM-Finale gegen Spanien das letzte seiner 61 Länderspiele © getty

Vor dem WM-Quali-Spiel gegen Liechtenstein erteilt der Torwarttrainer den Gerüchten eine Absage und stellt sich hinter seine Keeper.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig - Ein Gespenst trieb am Freitag einige Stunden in Leipzig sein Unwesen.

Der (Un-)Geist von Jens Lehmann wehte durch das Quartier der deutschen Nationalmannschaft, nachdem die "Süddeutsche Zeitung" von einem möglichen DFB-Comeback des 39-Jährigen berichtet hatte.

"Das ist ganz lustig. Ich habe eben mit Jens telefoniert und ihm erzählt, dass ich die Meldung gerade im Teletext lese", berichtete sein Stuttgarter Teamkollege Mario Gomez mit einem Schmunzeln.

"Er selber wusste nicht so viel davon."

"Gar keine Gedanken in dieser Richtung"

Auch Andreas Köpke wusste angeblich nicht so viel von den Hintergründen, hatte den Bericht aber ebenfalls gelesen und sorgte dann mit einem eindeutigen Statement für Klarheit.

"Fakt ist, dass wir uns in dieser Richtung gar keine Gedanken gemacht haben und das auch nicht machen werden", erklärte der Bundestorwartrainer vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein am Samstag (19.30 Uhr LIVE).

"Wenn wir uns damit beschäftigen würden, wäre das auch das falsche Signal an unsere aktuellen Torleute."

Tatsächlich hätte der offizielle Vierkampf zwischen Robert Enke, Rene Adler, Tim Wiese und Manuel Neuer um die Nummer 1 durch die Drohung mit einer Lehmann-Rückkehr für zusätzlichen Zündstoff gesorgt.

Keine deutschen Weltklasse-Torhüter

Zumal die Kandidaten zuletzt mehrfach Schwächen gezeigt hatten und Köpke die Debatte zusätzlich befeuert hatte mit seinem Kommentar, dass es derzeit keine deutsche Weltklasse-Torhüter gebe.

"Zu dieser Aussage stehe ich", meinte der Ex-Nationalkeeper am Freitag. "Aber wir haben sehr gute Torhüter. Deshalb mache ich mir da überhaupt keine Gedanken."

Nach Sport1.de-Informationen soll der Name Lehmann dagegen tatsächlich in internen Überlegungen gefallen sein, wenn auch ohne konkrete Pläne für eine Rückholaktion.

Und auch der WM-Torwart von 2006 wäre offenbar einem Comeback nicht abgeneigt, auch wenn er das nicht öffentlich sagen würde. Als gesichert gilt ja, dass der 61-malige Nationalspieler schon nach der EM 2008 am liebsten auch beim DFB weitergemacht hätte.

Vertragsverlängerung mit WM 2010 schmackhaft machen

Gleichzeitig versuchten die Stuttgarter, ihrem Stammtorhüter die Vertragsverlängerung auch mit der Aussicht auf die WM 2010 schmackhaft zu machen. Vielleicht schon an diesem Wochenende soll eine Entscheidung fallen, ob Lehmann seine Karriere beendet oder noch ein Jahr dranhängt.

Die Option auf die Weltmeisterschaft hat sich nach Köpkes klarer Aussage allerdings erledigt. Eine andere Option hatte der DFB-Coach auch kaum, denn die Diskussionen nähern sich schon jetzt langsam den Dimensionen des "Torwart-Kriegs" zwischen Lehmann und Oliver Kahn vor der WM 2006.

Frust bei Wiese

So hat Tim Wiese ziemlich frustriert seine erneute Degradierung auf die Ersatzbank zur Kenntnis genommen, nachdem nicht nur der Bremer, sondern auch zahlreiche Experten von einem Einsatz gegen Liechtenstein ausgegangen waren.

"Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Wer spielt denn international? Mehr muss ich dazu nicht sagen", schimpfte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs.

In der Tat zeigt Wiese aktuell die konstantesten Vorstellungen der Kandidaten, nachdem er sein Torwartspiel zur Rückrunde umgestellt hat.

"Sicherlich war Tim enttäuscht. Wir haben ihm auch bescheinigt, dass er sich sehr, sehr gut entwickelt hat. Er ist auf einem sehr guten Weg und hat sein Standing auf jeden Fall verbessert", gab Köpke zu.

Dennoch entschied man sich nach dem Ausfall von Rene Adler (Ellbogenprellung) für die Rückkehr von Robert Enke, der schon in den ersten drei Länderspielen nach der EM die Nummer 1 gewesen war.

"Volles Vertrauen in Enke"

"Wir mussten eine Entscheidung treffen und wir haben volles Vertrauen in Robert Enke. Er macht sicherlich eine schwere Situation in Hannover durch, aber er bringt trotzdem seine Leistung", erklärte Köpke.

Der 31-jährige Enke hat nach seiner Kahnbeinoperation im vergangenen Oktober überraschend schnell wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Gegen ihn sprechen aber die zahlreichen Gegentore und der Abstiegskampf mit Hannover.

Auch Enke nerven die offensichtlichen Nachteile durch seine Situation im Verein, weshalb ein Wechsel im Sommer weiterhin möglich ist.

Zunächst einmal will er sich aber auf seinen Job im DFB-Tor konzentrieren und gegen Liechtenstein und Wales Werbung in eigener Sache machen: "Es gibt ein offenes Rennen, das nehme ich an."

Endgültige Entscheidung kann sich hinziehen

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Eine endgültige Entscheidung kann sich offenbar noch länger hinziehen. So widersprach Köpke Meldungen, nach denen der WM-Torhüter spätestens vor dem wohl entscheidenden Qualifikationsspiel im Oktober in Russland feststehen soll.

Gegen Liechtenstein ging aber nach Enkes Meinung kein Weg an ihm vorbei. "Ich bin der einzige deutsche Torwart, der bislang zu Null gegen Liechtenstein gespielt hat", verwies er grinsend auf das 6:0 aus dem vergangenen September.

"Deshalb bin ich genau der richtige Mann für dieses Spiel."

In der vorletzten Begegnung gegen Liechtenstein kassierte die DFB-Auswahl beim 8:2 vor der EM 2000 dagegen zwei Gegentreffer. Torhüter damals: Jens Lehmann.

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