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Littbarski wirkte unter anderem in Japan, Iran und Australien © getty

Vaduz-Trainer und Weltenbummler Littbarski lässt Sport1.de an den Vor- und Nachteilen des Fußballzwerges teilhaben.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig/Vaduz - Wohl kein Deutscher kennt Liechtenstein besser als Pierre Littbarski.

Der Weltmeister von 1990 ist seit vergangenen November Trainer des FC Vaduz, dem einzigen Profiklub des deutschen WM-Qualifikationsgegners in Leipzig (ab 19.30 Uhr LIVE).

Mit der Mannschaft aus dem Hauptort des Fürstentums kämpft der 48-Jährige gegen den Abstieg aus der Schweizer Super League

Bis 2010 darf Vaduz dank einer Ausnahmegenehmigung mitspielen.

Doch ebenso wie sein Team gegen die Topmannschaften der Alpenrepublik keine Chance hat, so glaubt Littbarski auch nicht an eine Überraschung der Liechtensteiner gegen die DFB-Auswahl.ad

Nur sechs von 104 Länderspielen konnte der Fußball-Zwerg gewinnen, gegen Deutschland gab es drei Niederlagen mit 3:23 Toren, zuletzt ein 0:6 im Hinspiel im September.

Mit Sport1.de spricht der Weltenbummler, der zuletzt im Iran, in Australien und in Japan tätig war, über das Duell David gegen Goliath, seine Arbeit in der Steueroase und die Titelchancen seines Heimatvereins Hertha BSC Berlin.

Sport1.de: Pierre Littbarski, der FC Vaduz ist Tabellenvorletzter der Schweizer Liga. Wie sehen Sie die Situation?

Pierre Littbarski: Es ist eine Achterbahnfahrt. Wir haben zuletzt 0:5 gegen den FC Basel verloren, davor aber 3:1 beim Tabellendritten Young Boys Bern gewonnen. Für uns wird es Abstiegskampf pur bis zum Ende der Saison. Aber ich bin trotzdem zuversichtlich, die Klasse zu halten.

Sport1.de: Sind Sie froh, nach Ihrem Intermezzo im Iran jetzt im beschaulichen Liechtenstein zu arbeiten?

Littbarski: Es ist schön, wieder zurück im deutschsprachigen Raum zu sein. Zumal viele, die mit mir gespielt haben, jetzt Manager oder Trainer sind, so dass die Kontakte da leichter zu knüpfen sind.

Sport1.de: Die Erfahrungen in Teheran waren teilweise auch recht heftig, oder?

Littbarski: Ich bin vom Präsidenten geholt worden, um Ali Daei zu verdrängen, doch stattdessen hat er uns und den Präsidenten rausgeworfen. Und da gab es einige unschöne Dinge, zum Beispiel war im Zimmer meines Co-Trainers eine Überwachungskamera installiert. Aber das waren ja nur zwei Monate, also ein unwichtiger Lebensabschnitt.

Sport1.de: Haben Sie auch ein Konto in der Steueroase Liechtenstein?

Littbarski: Nein, weil hier gar kein Geld vorhanden ist. Ein deutscher Zweitliga-Profi würde für das Gehalt nicht mal die Schuhe schnüren. Hier braucht man kein Konto, weil man alles sofort wieder ausgibt. In Liechtenstein wird man nicht reich.

Sport1.de: Die Nationalmannschaft besteht ja zum Großteil aus Amateuren. Wie werden die sich gegen Deutschland präsentieren?

Littbarski: Die werden sich hinten einigeln und versuchen, nicht die Hütte voll zu bekommen. Da wird es keine Überraschung geben, sondern es geht nur um Schadensbegrenzung. Eine realistische Chance hat Liechtenstein nicht.

Sport1.de: Trotzdem hat diese Truppe immer wieder den Mut, sich dem Duell David gegen Goliath zu stellen.

Littbarski: Das ist auf alle Fälle positiv. So etwas gehört ja auch zum Sport dazu und ist vielleicht vergleichbar mit dem Pokal. Für Liechtenstein ist das ein absolutes Highlight, darüber werden sie noch Monate sprechen. Bei einem Unentschieden wäre hier wahrscheinlich drei Wochen Volksfest.

Sport1.de: Sie kennen Bundestrainer Joachim Löw schon lange, haben mit ihm in der deutschen U-21 gespielt und den Trainerlehrgang gemacht. Wie schätzen Sie seine Arbeit ein?

Littbarski: Er ist kein großer Sprücheklopfer, aber ich glaube, er leistet gute Arbeit. Wenn die Mannschaft gefordert wurde, hat sie auch immer gut gespielt.

Sport1.de: Könnte die WM-Teilnahme trotzdem in Gefahr geraten?

Littbarski: Wir haben uns ja immer mal schwer getan in der Qualifikation. 2002 mussten wir in die Relegation, vor dem WM-Sieg 1990 haben wir uns erst im letzten Spiel für die Endrunde qualifiziert. Aber wenn es darauf ankommt, sind die Deutschen da. Deshalb habe ich da keine Sorgen.

Sport1.de: Zur Bundesliga: Wie verfolgen Sie als gebürtiger Berliner den Höhenflug von Hertha BSC?

Littbarski: Das ist absolut fantastisch. Ich hoffe nur, dass sich die Mannschaft nicht von dem ganzen Trubel um die Tabellenführung beeinflussen lassen wird. Doch auch dann wird es sehr, sehr schwer, bis zum Ende ganz oben zu bleiben.

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Sport1.de: Wer ist Ihr Titelfavorit?

Littbarski: Der FC Bayern, weil sie jetzt auch wieder Bayern-like ihre schlechteren Spiele mit 1:0 gewinnen und sich die Rivalen gegenseitig die Punkte wegnehmen werden.

Sport1.de: Und wann sieht man Sie in der Bundesliga wieder?

Littbarski: Als Trainer kann man nichts planen. Wenn was kommt, bin ich ja jetzt wieder in der Nähe. Aber vielleicht muss ich noch ein paar Jahre älter werden, um für die Bundesliga wieder interessant zu sein.

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