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Jan Rosenthal (l.) und Jerome Boateng (r.) setzten sich gegen "Oranje" nicht in Szene © getty

Nach dem 0:4 der deutschen U21 gegen die A2 der Niederlande werden Trainer Hrubesch und DFB-Sportdirektor Sammer deutlich.

Ahlen - Als Manuel Neuer eine Viertelstunde vor Schluss humpelnd den Rasen des Wersestadions verließ, war sein 23. Geburtstag endgültig verkorkst.

Den Schlusspfiff beim 0:4 (0:4) gegen das B-Team der Niederlande - der höchsten Heimniederlage in der 30-jährigen Geschichte der U-21-Fußballer - erlebte der Torhüter von Schalke 04 mit leerem Blick und schmerzender Wade an der Seitenlinie (U21 kassiert historische Heimpleite) .

Dabei hätte es sein Tag werden sollen. Ein paar Kilometer entfernt vom Chaos seines Heimatvereins wollte Neuer abschalten, dem erneuten Lob von Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke Taten folgen lassen und mit seinem fast komplett auf der Tribüne versammelten Fanklub "Buerschenschaft" anschließend richtig feiern.

Dass es anders kam, dass die Auswahl des DFB in ihrem vorletzten EM-Test von den Niederländern je nach Definition eine "schöne Vorführung" (Trainer Horst Hrubesch), eine "Lehrstunde" (Kapitän Benedikt Höwedes) oder "ein paar auf die Nuss" (Sportdirektor Matthias Sammer) bekam, lag jedoch am allerwenigsten an Neuer.

Das Torwart-Talent war sichtlich bemüht, der Pleite, die schon mit dem höchsten Halbzeit-Rückstand im 263. Spiel der U-21-Historie eingeleitet worden war, noch etwas Positives abzugewinnen.

Schuss vor den Bug

"So viele Fehler dürfen wir bei der EM natürlich nicht machen", sagte er mit gesenktem Kopf: "Aber vielleicht war so ein Schuss vor den Bug zum jetzigen Zeitpunkt ganz gut."

Seinen Geburtstag fand er "ab der zweiten Halbzeit okay", dass seine Fanklub-Kollegen ihn mit einem Ständchen mitsamt Bläserchor nach dem Spiel feierten, munterte ihn zumindest ein wenig auf.

Klubkollege Höwedes hatte solchen Trost nicht. Seine Premiere als U-21-Kapitän ging kräftig daneben, obwohl der Schalker Innenverteidiger neben dem Duisburger Offensivspieler Änis Ben-Hatira noch bester Feldspieler war.

Höwedes geknickt

"Ich hatte hier auf ein bisschen Ablenkung gehofft. Das hat leider gar nicht geklappt", meinte er zerknirscht und appellierte an seine Mitspieler: "Wir haben zwar noch etwas Zeit bis zur EM, aber ich kann nur hoffen, dass so etwas nie wieder vorkommt."

Zuvor hatte Hrubesch sein Team in der Kabine dermaßen lange zusammengefaltet, dass er sogar das angekündigte TV-Interview zur Spielanalyse verpasste.

Nach 14 Ausfällen hatte der Coach das Spiel 80 Tage vor dem EM-Start gegen Titelverteidiger Spanien am 15. Juni zum Charaktertest ausgerufen - und wurde mit der Niederlage durch Tore von Eljero Elia (22. und 43.), Ricky van Wolfswinkel (27.) und Nordin Amrabat (36.) bitter enttäuscht.

Hrubesch kritisert scharf

"Auf diese Art und Weise geht es nicht", sagte der Europameister von 1980: "Jeder einzelne muss sich fragen, ob er genug tut und ob er auf diesem Niveau mithalten kann."

In Sachen Aggresivität, Ordnung und sogar Willen habe das Team des früheren Weltstars Johan Neeskens seiner Mannschaft gezeigt "wie es geht".

Die einzige nachdrückliche EM-Bewerbung gab somit ausgerechnet der nach Verletzung zurückgestufte Toni Kroos mit drei Toren beim 7:0 der U19 gegen Finnland ab.

Bittere "Wahrheit auf dem Platz"

Sammer wollte angesichts der Absagenflut keine grundsätzliche Qualitätsdebatte anstoßen, fällte über die Nachrücker aber ein vernichtendes Urteil. "Wir sind von unserem Weg überzeugt, und solche Niederlagen sind Bestandteil dieses Weges", sagte er:

"Doch der Trainer hat gesagt, dass sich die zeigen sollen, die glauben, dabei sein müssen. Die Wahrheit liegt ja bekanntlich auf dem Platz. Und wenn sich die Wahrheit so darstellt, muss man sagen, dann hat es der eine oder andere auch einfach nicht verdient."

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