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Benedikt Höwedes spielt seit der U 18 in deutschen Auswahlteams © imago

Kapitän Benedikt Höwedes die Spieler der deutschen U-21-Auswahl vor dem nächsten Testspiel gegen Weißrussland in die Pflicht.

Bad Lippspringe - Einen Tag lang durften die deutschen U-21-Nationalspieler nach dem historischen Debakel ihre Wunden lecken.

Seit Sonntag richtet sich der Blick auf die EM-Generalprobe gegen Weißrussland.

"Ich hoffe, dass wir eine Trotzreaktion zeigen werden. Alles andere wäre in meinen Augen charakterlos", meinte Kapitän Benedikt Höwedes von Schalke 04.

Das 0:4 (0:4) am Freitag in Ahlen gegen das B-Team der Niederlande war die höchste Heimniederlage in der 30-jährigen Geschichte der deutschen U 21 (U 21 kassiert historische Heimpleite) .

Und so hat auch Trainer Horst Hrubesch vor dem letzten EM-Test am Dienstag in Paderborn die Charakterfrage ausgerufen.

"Ich will eine Trotzreaktion sehen. Keine Frage", stellte Hrubesch klar. Gegen die starken Niederländer hatte der deutsche Nachwuchs je nach Definition eine "schöne Vorführung" (Hrubesch), eine "Lehrstunde" (Höwedes) oder "ein paar auf die Nuss" (Sportdirektor Matthias Sammer) bekommen.

Hrubesch faltet Team zusammen

Direkt nach dem Schlusspfiff hatte Hrubesch seine Jung-Profis in der Kabine dermaßen lange zusammengefaltet, dass er sogar das angekündigte TV-Interview zur Spielanalyse verpasst hatte (Vernichtendes Urteil nach historischer Pleite) .

Er riet jedem einzelnen, "eine Nacht darüber zu schlafen, sich dann das Video vom Spiel zu nehmen und sich zu fragen, ob er genug tut und die Qualität hat, auf ganz hohem Niveau mitzuspielen".

Aogo: "Habe nicht gut geschlafen"

Die Botschaft kam offenbar an. "Ich habe in der Nacht gar nicht gut geschlafen", meinte Dennis Aogo, in den Spielen zuvor einer der besten, gegen die Niederländer aber ein Totalausfall.

"Es darf aber keine Ausreden geben, unser Anspruch muss ein anderer sein. Die Niederlage hängt zwar noch in den Köpfen, aber wir müssen jetzt positiv denken."

Sammer stellt Qualität in Frage

Denn zweieinhalb Monate vor dem EM-Start in Schweden gegen Titelverteidiger Spanien müssen sich vor allem die Spieler aus dem zweiten Glied nun beweisen.

Sammer hatte nach dem Debakel, das mit dem höchsten Halbzeitrückstand im 263. U-21-Spiel seit 1979 eingeleitet wurde, offen die Qualitätsfrage gestellt.

"Die Wahrheit liegt ja bekanntlich auf dem Platz. Und wenn sich die Wahrheit so darstellt, muss man sagen, dann hat es der ein oder andere auch einfach nicht verdient", verkündete der Sportdirektor.

Mehrere Leistungsträger bei A-Team

Hrubesch hatte gleich auf 14 Spieler verzichten müssen:

Mindestens zehn von ihnen wie die A-Nationalspieler Andreas Beck, Serdar Tasci und Marko Marin oder auch Toni Kroos, Mesut Özil und Gonzalo Castro scheinen unter normalen Umständen das EM-Ticket sicher zu haben.

Ben-Hatira nutzt seine Chance

Vor der zehntägigen Zusammenkunft in Westfalen hatte Hrubesch dennoch versprochen, dass jeder, der ihn dort überzeuge, ausgezeichnete Chancen auf einen Platz im 23er-Kader in Schweden habe.

Dass neben den ohnehin gesetzten Schalkern Höwedes und Manuel Neuer - dem der 23. Geburtstag gehörig verdorben wurde - allenfalls der Duisburger Änis Ben-Hatira in Ansätzen überzeugte, ist daher umso enttäuschender.

Guter Einsatz im Training

Im Training im Samstag in Bad Lippspringe zeigten die Youngster plötzlich aber mehr Biss und Einsatz als im Spiel am Vorabend.

Mit einem Sieg gegen EM-Teilnehmer Weißrussland vor mehr als 10.000 Zuschauern im ersten Länderspiel in der neuen Paderborner Arena könnten die deutschen Junioren nun Wiedergutmachung betreiben und 77 Tage vor dem EM-Start die Stimmung wieder korrigieren.

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